Neubau des Polizeipräsidiums

Hängepartie am Buchhügel

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Der Neubau ist noch lange nicht in Sicht, an die geänderte Wegeführung haben sich die Offenbacher schon gewöhnt.

Offenbach - Wie ist ein Offenbacher Polizist zum Lachen zu bringen? Man fragt ihn nach dem Neubau des Polizeipräsidiums auf dem Buchhügel. Von Matthias Dahmer

Zugegeben: Das ist etwas überspitzt. Kommt aber der Stimmungslage unter den an der Parkstraße angesiedelten Ordnungshütern ziemlich nahe, für die das Vorhaben immer noch eine Hängepartie ist, die – wenn’s gut läuft – vielleicht 2016 ein Ende haben könnte. „Das kräftige Ja aus Wiesbaden fehlt“, formuliert Personalratsvorsitzender Rudolf Ott.

Beim Hessischen Immobilienmanagement, das für die Projektleitung zuständig ist, gibt man sich dagegen entspannt. Verweist auf das hoch komplexe Verfahren für den künftigen Arbeitsplatz von rund 700 Beamten und Angestellten. Bis Ende des Jahres sollen die Ausschreibungsunterlagen an potenzielle private Partner verschickt sein. Die in den Landeshaushalt eingestellten Kosten für den Neubau, sagt Pressesprecherin Renate Gunzenhauser, belaufen sich aktuell auf 173,5 Millionen Euro. Ursprünglich war mal von 100 Millionen, zwischenzeitlich von 150 Millionen Euro die Rede.

Historie rechtfertigt durchaus eine gesunde Skepsis

Erwartungsvoll zurücklehnen kann sich derweil die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG). Die Tochter der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH), der das Buchhügel-Areal gehört, wird ihren Job, die Räumung des 3,8 Hektar großen Geländes am Spessartring bis Ende dieses Jahres, fristgerecht erledigt haben und muss dann mit der SOH abwarten, bis ein auf dem Weg der Öffentlich-Privaten-Partnerschaft (ÖPP) gefundener Investor die Kaufoption zieht.

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Die Historie des geplanten Neubaus rechtfertigt durchaus eine gesunde Skepsis gegenüber offiziellen Verlautbarungen: Seit 2004 gibt es bei der Offenbacher Polizei eine Arbeitsgruppe , die sich auf Zusagen des Landes vertrauend zunächst voller Vorfreude mit dem Bauvorhaben beschäftigt hat. Anfänglicher Elan ist acht Jahre später höflich formulierten Durchhalteparolen gewichen: „Es geht Schritt um Schritt voran“, tritt die AG Neubau im jüngsten behördeninternen Infobrief „entschieden“ Gerüchten entgegen, wonach „unsere Planungen in ein unrealistisches Projekt münden könnten“.

Im Jahre 2006 wurde als Baubeginn fürs neue Präsidium „frühestens 2008“ angepeilt. Die Stadt erledigte ihren Teil, indem sie Anfang 2009 einen Bebauungsplan verabschiedete. Schon damals wurde der ins Gespräch gebrachte Baubeginn für 2013 angezweifelt.

Nun wird der Umzug der Ordnungshüter also frühestens für 2016 angepeilt, was angesichts der kommunizierten 15 Monate für eine europaweite Ausschreibung und weiterer 30 Monate für Planung und Ausführung in etwa hinkommen könnte.

Alles liegt noch innerhalb des vereinbarten „Zeitstrahls“

Dass man mit dem Konjunktiv nie falsch liegt bei dem Vorhaben, zeigt schon allein die dem Land eingeräumte Kaufoption für das auf knapp 10,4 Millionen Euro taxierte Buchhügel-Areal: Der zugrunde liegende Vertrag zwischen Stadt, SOH und Land Hessen wurde im November 2009 besiegelt. Zu einer ersten Verlängerung der Option kam es im November 2010, eine zwischenzeitlich erfolgte zweite Anpassung sieht nun vor, dass ein privater Investor spätestens Ende 2013 bei der SOH vorstellig wird. Auch hierbei wird aber die Möglichkeit einer weiteren Verlängerung der Kaufoption eingeräumt.

SOH-Sprecherin Regina Preis und OPG-Projektleiterin Anke Müller verweisen darauf, dass noch alles innerhalb des vereinbarten „Zeitstrahls“ liege. Sie betonen, die beteiligten städtischen Gesellschaften hätten ihre Aufgabe erfüllt.

Dazu gehörte auch die mühevolle Umsiedlung von Kleingärtnern und Kleintierzüchtern. Diese sowie am Buchhügel radelnde und spazierengehende Offenbacher dürfen nun zusammen mit der Polizei noch längere Zeit gespannt darauf warten, dass sich auf dem gesperrten Gelände etwas bewegt.

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