Neue alte Idee soll greifen

Offenbach - Die Idee ist nicht neu, soll in ausgearbeiteter Form jetzt aber noch besser zur Geltung kommen. Die gemeinnützige „CariJob“ GmbH, eine Tochter des Caritasverbands Offenbach, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Bewohner der östlichen Innenstadt zu mobilisieren und auf aktive Weise zu unterstützen. Von Jörn Polzin

Die Betonung liegt dabei auf aktiv. Im Rahmen des Programms „Hegiss-Innovation“ des Landes Hessen und des Europäischen Sozialfonds gehen die Mitarbeiter gezielt auf die Bedürftigen zu, die häufig keinen Zugang zu den Hilfssystemen in Offenbach haben. Vor allem im nördlichen Teilgebiet der östlichen Innenstadt ist der Anteil an Arbeitslosen sehr hoch.

In diesem Bereich leben etwa 5000 Bewohner, 40 Prozent davon beziehen Leistungen vom Staat“, erklärt Matthias Schulze-Böing, der Geschäftsführer der Hartz-IV-Gesellschaft Main-Arbeit. Nicht selten ziehen sich die Betroffenen in ihr Schneckenhäuschen zurück und schotten sich vom Umfeld ab. Um diesem Zeichen der Resignation entgegenzuwirken, hatte die Arbeitsgemeinschaft der Stadt und der Agentur für Arbeit im vergangenen Jahr das Projekt „Aufsuchende Bewohnermobilisierung im Quartier“ ins Leben gerufen und den Auftrag an die „CariJob“ vergeben.

Die Initiative stützt sich auf zwei Eckpfeiler und vor allem darauf, Präsenz zu zeigen. Zum einen ist da der Informationsstand auf dem Gelände des Penny-Supermarkts in der Hermann-Steinhäuser Straße, der von den beiden Projektmitarbeiterinnen Nicole Horn und Michelle Serret Grinvalds betreut wird.

Dort findet die Kundschaft - ab sofort sogar auf einer eigens angefertigten Litfasssäule - aktuelle Stellenangebote aus der Presse. „Wir nehmen alle Anzeigen auf, die wir finden können, natürlich auch Jobs, die keine Ausbildung erfordern“, sagt Serret Grinvalds. Die Angebote sind nach Nummern sortiert und können dann im Stadtteilzentrum eingesehen werden. Zudem versorgen die beiden Diplom-Pädagoginnen die Besucher mit Informationen über ihr soziales Umfeld und bieten Hausbesuche an. „Wir wollen näher an die Menschen herangehen und konkrete Hilfsangebote unterbreiten“, erklärt Serret Grinvalds. Nach und nach wolle man versuchen die anfänglichen Hemmschwellen der betroffenen Bürger abzubauen.

Eine Herangehensweise, die nicht neu ist, aber in der Vergangenheit vernachlässigt wurde, wie Bürgermeisterin Birgit Simon (Bündnis 90/Die Grünen) betont. Dass die „Geh-Strukturen“ wieder die „Komm-Strukturen“ ersetzt haben, hält die Umweltdezernentin für einen wichtigen Schritt. „Früher war das ohnehin üblich, jetzt wollen wir die positive Seite dieses Ansatzes wieder erwecken.“ Heißt: Die Nachbarschaftshilfe von außen aktivieren und die Bewohner direkt ansprechen - ob auf der Straße oder bei Hausbesuchen.

Die Unterstützung der Bürger im Quartier geht weit über die reine Arbeitssuche hinaus. Bewerbungs- und Telefontraining werden ebenso angeboten wie Tipps für ein passendes äußeres Erscheinungsbild. Auch bei Sprach- und Integrationsproblemen bieten die Mitarbeiter Rat und Tat. Die ersten Ergebnisse können sich sehen lassen. 29 Arbeitsplätze wurden durch die Initiative im Quartier akquiriert, 33 Bewohner mit sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen versorgt.

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