Die neue Bewegung

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Vorsichtig am Rad drehen war Wolfgang und Karl-Heinz gestern schonmal erlaubt, obwohl die Betonfundamente des Bewegungsparcours´ noch aushärten müssen. An Klientel dürfte es ab Mitte September nicht mangeln. Es gibt nahezu 21.000 Offenbacher, die älter als 64 sind. 9000 sind 75 oder älter, 2400 sind 85 oder älter.

Offenbach - Wer kann schon wissen, wie sich das noch entwickeln wird mit Offenbachs neuer „Bewegung“? Möglich, wenn auch nicht wahrscheinlich, dass sie vom Rande Tempelsees aus ihren Siegeszug durch die ganze Republik antreten wird. Von Marcus Reinsch

Wünschenswert, dass sie sich wenigstens in Offenbach selbst von Stadtteil zu Stadtteil fortpflanzt. Und ganz sicher, dass es der Sache sogar dann nicht an Anhängern mangeln wird, wenn sich die Kunde von ihren großen Chancen ohne große Risiken nicht über die Siedlung hinaus verbreiten sollte. Die Hauptklientel für den ersten Senioren-Bewegungsparcours in der Stadt sitzt immerhin genau nebenan, am Gersprenzweg. Der Seniorentreff im Emil-Renk-Haus bekommt sogar ein eigenes Hintertörchen zum kleinen Park, in dem die Stadt gerade sechs altengerechte, wetter- und auch vandalismusfeste Fitnessgeräte für Spaziergänger aufgestellt hat.

Bewegen, um gesund zu sein

Niedrigschwelliger geht’s nimmer, da ist eigentlich kaum noch Überzeugungsarbeit nötig. Geleistet wird sie gestern trotzdem. Die städtische Altenplanerin Heidi Weinrich erzählt fast leidenschaftlich davon, dass „Bewegung der zentrale Akt ist, um gut altern zu können und chronischen Erkrankungen vorzubeugen“. Dass auf den sorgsam ausgewählten Trainingsgeräten Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Gleichgewicht zu verbessern seien, was dann außerdem Demenz oder auch nur Depressionen entgegenwirken könne. Dass Seniorensport in anderen Kulturkreisen, Fernost etwa oder auch in der Türkei, längst etabliert, kein bisschen peinlich und folgerichtig hierzulande ein viel versprechendes Angebot auch für Migranten sei.

Vom Brustmuskel bis zum Bizeps: Parcour trainiert den Körper

Aber, bevor verfrühte Freude aufkommt: Das Treffen aller Planer, Gönner, politisch Verantwortlichen und Senioren ist eine Nicht-Eröffnung. Der Brustmuskel-Trainer, der Crosstrainer, der Beintrainer, der Beweglichkeitstrainer, das Liegestütz-Gestell und die sogenannte schwebende Plattform dürfen angeschaut, aber noch nicht benutzt werden. Sieht zwar schon gut aus und sogar ein bisschen verlockend. Aber die Betonfundamente, in denen das Bauamt die Stangen verankern ließ, muss erst richtig aushärten. Und das Grünflächenamt, das für den Parcours einen 350 Quadratmeter großen Teil seines Hoheitsgebietes spendiert hat, will zwischen den Geräten noch Rasen säen, auf dass der Lockruf an reifere Semester nicht nur funktionell, sondern auch optisch wertvoll wird.

Erste Schnupperkurse

Vier der Konstruktionen sollen übernächste Woche freigegeben werden, damit die auf Rehabilitationssport spezialisierte Übungsleiterin Katja Kühn dienstags oder donnerstags erste Schnupperkurse anbieten kann (Anmeldungen sind im Renk-Haus schon möglich). Die Geräte fünf und sechs und ein bisher nicht gelieferter Schaukel-Sitzbalken als siebte Station auf dem Parcours können wohl erst Ende September erobert werden.

Erobert hat die Stadt mit ihren Plänen für den Bewegungsparcours die Zuneigung der auf innovative Projekte der Altenhilfe zielende Heinrich-und-Alma-Schmidt-Stiftung aus Darmstadt. Deren Vorsitzender, Offenbachs ehemaliger Klinik-Chef und Sozialdezernent Matthias Mann, überreichte Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon gestern einen Scheck für die Gerätekosten: 19.786 Euro.

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