Neue Blüte im Ortskern

+
Ein Blick vom Innenhof aufs „Gelbe Haus“ in Rumpenheim: Die Stadt hat den ehemaligen Verwaltungsbau für die Güter des Schlosses an einen privaten Investor verkauft, der dort acht hochwertige Wohungen entstehen lässt.

Rumpenheim - Außen hui, innen pfui. Für die Kavalierhäuser am Schloss Rumpenheim, Breite Straße 2 trifft es zu. „Das tut einem weh. Mit dieser Verwahrlosung ist jetzt Schluss“, entfährt es dem neuen Eigentümer Hans-Dieter von Meibom beim Rundgang durch die leeren Räume. Mit Bauingenieur Michael Janocha will er die historischen Räume aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder herstellen. +++ Fotostrecke +++ Von Reinhold Gries

Beide fordern nicht einfach „alles raus“. Sie haben die Bausubstanz bis hin zum Lehmputz genau geprüft. Beide haben mehrfach gemeinsame Erfahrungen mit der Wiederherstellung historischer Bauten gemacht, zuletzt im fränkischen Bad Windsheim. „Wir schaffen das“, sind sich beide im provisorischen Büro einig. Der vorsichtige Zeitplan: In gut einem Jahr sollen die vier Bauabschnitte fertig sein.

Das Ganze muss auch im Sinne des Offenbacher Oberbürgermeisters Horst Schneider sein, der nach jahrelangem Leerstand und Hickhack wohl ein Machtwort gesprochen hat. Mitte April setzte Investor von Meibom seine Unterschrift unter den Kaufvertrag der ehemals städtischen Immobilie - und lobt Magistrat und Baubehörden. Die Begeisterung wurde in Rumpenheim nicht von jedem geteilt. „Die letzten Mieter sind vor einem Jahr ausgezogen, die meisten Räume standen sieben Jahre leer“, erklärt Janocha, „wir wollen aus den verbauten Räumlichkeiten acht Wohnungen machen, die zum Wohnen im Schloss passen. Damit sorgen wir für die Abrundung des Wiederaufbauprojektes, das für uns einen hohen kulturellen Wert darstellt“.

Das Buch „Auswahl erhaltenswerter Ensemble, Gebäude und Objekte in Offenbach am Main“ von 1979 bestätigt das: „Eigenwert und Situationswert hervorragend“, wird dem Gebäude bescheinigt, das nicht nur für das „Gesinde“ der Herrschaften von Hessen-Kassel zur Verfügung stand. Die Unverwechselbarkeit der „Gelben Häuser“ wird in der Denkmalliste ebenso herausgestellt wie die schöne Ensemblewirkung, der allgemeine bauliche Zustand jedoch als „schlecht“ bezeichnet.

Wie wenig sich das seit 30 Jahren geändert hat, erkennt man am chaotischen Durcheinander schlechter Fußböden, geschmackloser Tapeten, kaputter Installationen und verbauter Treppen. Da kommen Parkettböden und Dielen, Kreuzgratgewölbe, Stuckdecken und Bogentüren kaum zur Wirkung. Jahrzehntelang hatte die Stadt nach dem Erwerb des Schlossareals von der Hessischen Hausstiftung 1965 hier kaum etwas getan - im Gegensatz zu einigen Mietern, die investierten und nur murrend auszogen. Bei dem Geld, das jetzt in die Hand genommen werden muss, werden die großzügig geplanten neuen Wohnungen nicht allzu preisgünstig sein können, zumal die Blicke aus den Fenstern im Obergeschoss in den Schlosspark, zum Taunus und zum Bischofsheimer Hang gehen.

Wenn man in den 60er Jahren Investoren gelassen hätte, würde man von den Kavalierhäusern auf bis zu 23-stöckige Hochhäuser am Schlosspark schauen, die man auf die Fläche des abgerissenen Sommersitzes der hessischen Landgrafen und Prinzen setzen wollte. Bis heute unglaublich, auch wenn man bedenkt, wer sich im Rumpenheimer Schloss an europäischen Gekrönten von Dänemark bis Russland und England bis Griechenland Sommer für Sommer getummelt haben. Vom späteren Reichskanzler Fürst Bismarck ganz abgesehen, der fröhlichen Rumpenheimer Gesellschaften mehrfach seine Aufwartung machte. Aber als Gegengewicht zu so viel Bauwut gab es ja den Rumpenheimer Bürgerstolz, kristallisiert in der bis heute engagierten Bürgerinitiative, ohne die das Schloss niemals wiederaufgebaut worden wäre.

Von Meibom kann sich jedenfalls vorstellen, der BIR weiter so etwas wie die „Wachstube“ für ihre Arbeit zur Verfügung zu stellen. Wachsamkeit hält er für begrüßenswert.

Kommentare