Neue Chance fürs Miniland

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Heinz Heiliger inmitten seines Minilandes Bieber, das bis zum Frühjahr in neuem Glanz erstrahlen soll. Die Lokomotiven sind derzeit im Haus verstaut.

Bieber - Gleich neben dem Anwesen Dietesheimer Straße 45 am Friedhof in Bieber schließt sich ein Grundstück an, das ein mannshoher, alter Bretterzaun umgibt. In verwitterter Schrift steht auf einem angenagelten, gelben Schild „Miniland in Bieber“ zu lesen. Von Thomas Meier

Ein Blick durch ein verzinktes Tor oder über den Zaun zeigt eine riesige Garteneisenbahnanlage, leider seit zwei Jahren außer Betrieb und farblich mittlerweile etwas blass. Doch das soll sich schon bald ändern, denn Heinz und Ulrike Heiliger, die Eigentümer und Erbauer der einst prächtigen Anlage, machen sich ans Restaurieren. Schon zu Ostern sollen die Dampfloks und elektrifizierten Straßenbahnen wieder über die rund 400 Meter verlegten Gleise auf der 18 mal acht Meter großen Landschaft rattern.

Vor 16 Jahren im Vorgarten der Dietesheimer Straße 45, wo Heiligers wohnen, begann der große Bastelspaß. Heinz und Ulrike Heiliger bauten die „Lehmann Großbahn“ auf und setzten selbst gebaute Holzhäuser hinzu. „Viele Leute blieben vor unserem Haus stehen und hatten ihren Spaß an den rangierenden Dampfrössern“, erinnert sich Heiliger, und auch ein guter Bekannter von ihm fand: „Das hat was, das muss ausgebaut werden.“ Und so sorgte Offenbachs Ex-OB Gerhard Grandke vor 15 Jahren dafür, dass Heiligers das städtische Gelände neben ihrem Haus pachten konnten. Nun ging der Gartenbahnausbau erst richtig los.

Typisches aus Offenbach und Bieber nachgebaut

Eine Landschaft mit Bergen, Seilbahn und Seenplatte entstand. Züge fuhren hinterm Wasserfall hindurch, aus dem Lokomotivschuppen qualmte es mächtig und rund um den Bahnhof (ein Nachbau des Offenbacher Empfangsgebäudes) gruppierten sich Kirche (die von Dörnigheim) und Häuser. Das alte Feuerwehrhaus Offenbachs von 1915 wurde ebenso nachgebaut wie der für Bieber unverzichtbare Aussichtsturm.

Ein Dutzend von insgesamt 56 Eisenbahnen oder anderen „schienengebundenen Verkehrsmitteln“, die Heiligers mit der Zeit zusammenbauten und sammelten, können gleichzeitig auf der Anlage rangieren und dabei 130 Waggons im Schlepp haben.

Der liebevoll angelegte Mini-Eisenbahnpark - elektronisch gesteuert - fand zahlreiche Anhänger, darunter freilich besonders viele Kinder. Samstags und sonntags jeweils von 10 bis 17 Uhr öffneten die Bastler ihr Reich für Zuschauer, die kostenfrei dem Rangierbetrieb zuschauen konnten. Doch wurde die Miniaturidylle erstmals vor acht Jahren herbe getrübt. Einbrüche und Vandalismus waren zu verzeichnen, Loks wurden geklaut.

Vor drei Jahren spitzte sich die Lage zu

Als dann Randalierer vor drei Jahren auch noch die Seenplatte an der Berglandschaft zerstörten indem sie die Teichfolie zerschnitten und so über 60 Goldfische den Tod fanden, begann sich die Lage zuzuspitzen. „Ich habe den Teich dann verfüllt und die Pumpe für den Wasserfall weggeräumt“, sagt Heinz Heiliger.

Vor zwei Jahren schlug dann ein weiterer Vorfall dem Lokomotiven-Fass den Boden aus, es kam zur Schließung vom Miniland in Bieber. „Über einen Rechtsanwalt verklagte mich ein Besucher, den ich bis heute nicht zu Gesicht bekam. Ihm war wohl von einer in der Gartenanlage stehenden Kiefer ein Ast auf den Arm gefallen. 3600 Euro kostete mich das. Ich schloss Miniland und fällte die Kiefer.“ Nur ein Stumpf vom Baum kündet heute noch von seiner Existenz, „und der bleibt. Als Erinnerung an diese Episode!“

„Betreten auf eigene Gefahr!“

Die Zugmaschinen sind seitdem alle unterm Dach im Wohnhaus verstaut. Gut eingeölt und verpackt. Doch sollen sie im Frühjahr wieder auf der frisch renovierten Anlage ihre Runden drehen. Alle Häuser sollen einen neuen Anstrich bekommen, die Straßen im Miniland einen neuen Belag. Die Berge erstrahlen dann in frischen Grün und alles umschließt ein neuer Zaun aus Metall. Und was vor das Tor neben das frisch angemalte Schild vom Miniland kommt, wissen Heiligers auch schon: ein zweites Schild mit der Aufschrift „Betreten auf eigene Gefahr“.

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