Neue Druckergeneration für OVB-Busse

Zukunft schon eingebaut

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Im Busdepot der Verkehrsbetriebe testet Fahrerin Ostad Sadegh einen neuen Fahrkartendrucker. Bei genauerem Hinsehen entpuppt dieser sich als Bordcomputer, der beispielsweise Daten in Echtzeit an die Leitstelle übermittelt. Die OVB-Busflotte ist mit einer neuen Druckergeneration ausgestattet. Kosten: 900.000 Euro. Ein dicker Batzen. Dafür spucken die Drucker aber weit mehr aus als einen einzelnen Fahrschein.

Offenbach - Der technische Fortschritt ist nicht aufzuhalten – auch beim Busfahren nicht. Genauer beim Erwerb der Fahrkarten. Das funktioniert bereits problemlos mit Smartphone und entsprechendem Helferlein („App“) oder mit einem elektronischen Jahresticket. Von Martin Kuhn 

Da erstaunt mit Blick auf den jährlichen Mobilitätsbericht, dass Offenbacher Busse mit einer neuen Druckergeneration ausgestattet sind. Ein lokaler Anachronismus? „Nein“, so die Verantwortlichen. Beinahe beruhigend: Die Politik hinkt der technischen Entwicklung hinterher. Der Reihe nach: 60 OVB-Busse und Fahrzeuge eines Subunternehmers sind mit der neuen Bordtechnologie ausgestattet. Tatsächlich können die sogenannten Drucker mehr, als nur den korrekten Fahrschein aller irgendwie möglichen denkbaren Verbindungen im gesamten RMV-Gebiet auswerfen. Zunächst sind sie für den Fahrer leichter zu bedienen, da sie mit einem Touchscreen arbeiten. „Das macht sie übersichtlicher und den Fahrscheinverkauf etwas schneller“, sagt Sprecherin Christine Wüst.

Darüber hinaus sind’s eher Bordcomputer; eine Schnittstelle für nahezu alle elektronischen Funktionen im Fahrzeug. Heißt: Die Software ermöglicht es, alle Vorgänge in den Bussen in Echtzeit zu verarbeiten und dem Fahrer anzuzeigen, eine Kommunikation mit der Leitstelle ist darüber möglich. Außerdem steuert die Software die Bordelektronik: Innen- und Außenanzeige wie Haltestellen sowie akustische Ansagen. Gleichzeitig sammelt das Gerät alle verarbeiteten Daten und meldet beispielsweise die voraussichtlichen Ankunftszeiten an den Haltestellen (dynamische Anzeigetafeln, Echtzeitauskunft im Internet). Wüst betont: „Das System ist quasi eine Full-Service-Lösung, die Fahrplandaten, Tarifdaten und Vertriebsdaten zusammenbringt und zusammenhängend verarbeitet.“ Und die Bordrechner können nach entsprechender Aufrüstung noch mehr. Möglich ist etwa eine Überprüfung elektronischer Fahrscheine und sogar deren Aufladung – sozusagen im Vorbeigehen, da das Scheckkarten-große Plastikticket lediglich an ein Lesegerät zu halten wäre.

Für Busfahrer und Fahrgäste sicher der bequemste Weg – wenn da nicht die Politik, beziehungsweise das RMV-Gebiet mit seinen 27 Städten und Gemeinden wäre. Klar ist: Wenn so etwas eingeführt wird, dann nur verbundweit. Heißt: Erst wenn die letzte Kommune zustimmt. Ein mitunter zähes, zeitaufwendiges Ringen um Einigkeit und Gerechtigkeit im verzweigten, beziehungsweise tarifverwabten Rhein-Main-Verkehrsverbund. Und da erhebt in schöner Regelmäßigkeit die Lokalpolitik ihre Stimme, auch wenn es lediglich ein leises Murren ist. Jedenfalls gab Bürgermeister Peter Schneider in der jüngsten RMV-Aufsichtsratssitzung mit Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann zu Protokoll, „dass sich an den harten Preissprüngen zwischen Offenbach und Frankfurt etwas ändern muss“. Einen reinen entfernungsabhängigen Tarif werde es zwar nicht geben, aber das Entgelt soll künftig „abgefedert“ werden. Wann? Peter Schneider: „Ich hoffe, dass das in zwei Jahren erledigt ist.“

Spätestens zu diesem Zeitpunkt sind die schönen neuen Bordrechner nachzurüsten, die auf Empfehlung des RMV angeschafft wurden. Grund: Eine erhebliche Datenmenge wäre neu aufzuspielen. Denn diese von vielen Kunden als ungerecht empfundene lokale Tarifwabe findet sich laut Schneider noch öfter im Verbundgebiet – etwa zwischen Nieder- und Ober-Eschbach. Eine solche Umstellung erfolgt stets zum Fahrplanwechsel, vorzugsweise im Dezember. Es wäre also demnach der Termin, an dem endlich elektronische Monats- und Wochenkarteneingeführt werden.

Die notwendigen Prüfgeräte (Validatoren) sind teilweise schon installiert, aber noch außer Funktion gesetzt. Wie heißt es so schön: „Vieles ist bereits heiß diskutiert, aber noch nicht final datiert.“ Mal sehen, mit was der RMV seine Fahrgäste früher beglückt: mit dem berührungslosen Check-In und Check-Out, einem gerechteren Nahtarif oder einer weiteren Entgeltanpassung...

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