Neue Freunde für altes Eisen

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Bürgermeisterin Birgit Simon gratuliert Leonardo Colombo zum neuen Arbeitsplatz und überreicht dem 60-jährigen Schreiner als 1000. von der Chance 50 plus Vermittelten ein Präsent.

Offenbach - „Ich war sehr überrascht, wie persönlich und unbürokratisch so ein Herr vom Arbeitsamt sein kann.“ Reinhard Korn, Mitinhaber der Firma Antik-Möbel-Zentrum im Odenwaldring 38 war es nicht gewohnt, vom Arbeitsamt Mitarbeiter angeboten zu bekommen, die zum Unternehmen passen. Von Thomas Meier

Vom Projekt „Chance 50 plus“, das gezielt ältere Mitarbeiter qualifiziert und in passende Stellen vermittelt, ist der Unternehmer begeistert.

Seine bisherigen Erfahrungen mit der Arbeitsvermittlung waren die: „Hingehen, warten, einen riesigen Fragebogen ausfüllen und dann wieder warten. Irgendwann kamen dann mal drei oder vier Leute angeschlurft, die mit Arbeit aber nichts am Hut hatten. Die Vermittlung über Chance 50 plus war hingegen klasse. Ich habe den optimalen Mitarbeiter vermittelt bekommen.“

So stellte er auf Empfehlung des Beschäftigungspakts „Chance 50 plus“ vor einem Monat den 60-jährigen Schreiner Leonardo Colombo ein. Er ist der 1000. Arbeitslose in Offenbach, der älter als 50 Jahre alt ist und in den vergangenen drei Jahren mit Hilfe von „Chance 50 plus“ eine Festanstellung gefunden hat. Träger der Initiative sind die „MainArbeit“ und die Gemeinnützige Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (GBO).

Lange Zeit galt es als fast unmöglich, Langzeitarbeitslose über 50 in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. In den vergangenen Jahren wurden viele Anstrengungen unternommen, dies zu verbessern. Zum Programm gehört die persönliche Betreuung von Arbeitsuchenden und Firmen. Außerdem werden Bewerber mit PC-Training sowie Gesundheits- und Ernährungskursen fit gemacht für den Job.

Das Bundesprogramm „Perspektive 50 Plus“ rief im Jahr 2005 die Regionen dazu auf, Konzepte für eine bessere Integration älterer Hartz IV-Empfänger zu entwickeln. Die „MainArbeit“ nahm gemeinsam mit lokalen Partnern wie Industrie- und Handelskammer, Handwerkerschaft, Gründerzentrum KIZ, GOAB und anderen am Wettbewerb teil und erhielt neben weiteren bundesweit 61 Beschäftigungspakten den Zuschlag. Für eine zweijährige Startphase flossen 5,1 Millionen Euro an Bundesmitteln in das innovative Projekt.

Die Bilanz nach den ersten beiden Jahren: 685 ältere Beschäftigungslose wurden für die Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet und fanden einen neuen Job. „Wegen des Erfolges wurde die Förderung des Offenbacher Pakts bis Ende 2010 verlängert“, freut sich Bürgermeisterin Birgit Simon. Die Fördergelder des Bundes seien bestens angelegt. Viele Arbeitgeber hätten zwischenzeitlich umgedacht. Gehörten Arbeitnehmer über 50 früher zum alten Eisen und waren nur Mitarbeiter gefragt, die dynamisch, hipp, innovativ und unter 35 Jahre alt waren, habe sich die Einstellung nun gewandelt: „50-plus-Bewerber bringen Erfahrung, Solidität, Loyalität und den Wunsch nach einem Langzeitarbeitsplatz mit.“

Dies wissen auch die zehn Vermittler vom Team 50-plus in Offenbach. Den Schreiner Colombo vermittelte Matthias Paul. Er nahm sich Zeit, den Klienten und seine Stärken kennen zu lernen und ging direkt auf den jetzigen Arbeitgeber Korn zu. „Passgenaue Zusammenführung“ nennt Gert Saborowski, Projektkoordinator von Chance 50 plus, das Prinzip: „Ohne die Marktkenntnis und Initiative des persönlichen Ansprechpartners wäre er noch arbeitslos.“ Colombo, vor viereinhalb Jahren nach Deutschland gekommen, arbeitete zunächst in einem Betrieb, der Küchen einbaut. Das funktionierte nicht, er wurde arbeitslos. Vermittler Paul riet dem Italiener zu Deutschkursen, machte ihn fit für den Arbeitsmarkt und suchte nach einem neuen Arbeitgeber.

Das Offenbacher Pilotprojekt findet immer mehr Nachahmer. Anfang 2008 schloss sich der Kreis Groß-Gerau an und arbeitet im Wesentlichen mit den Mitteln, die sich schon in Offenbach bewährt haben. Als jüngster Partner im Beschäftigungspakt ist in diesem Jahr der Wetteraukreis hinzugekommen. Wiesbaden soll im Juli folgen.

Was vor drei Jahren in Offenbach begann und große Erfolge zeitigt, hat eine gesicherte Zukunftsperspektive. Gab es 2008 für den Beschäftigungspakt Offenbach/Kreis Groß-Gerau 2,84 Millionen Euro an Bundesmitteln, so stehen für das laufende Jahr nach der Erweiterung um den Wetteraukreis 4,02 Millionen aus dem Etat des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Verfügung. Koordination und zentrale Betreuung der drei regionalen Pakte liegen bei der „MainArbeit“ und der GOAB in Offenbach.

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