Erstes Geläut an Weihnachten

Neue Glocke für Offenbacher Marienkirche gegossen

Unter Aufsicht von Hermann Schmitt (l.)wird die geschmolzene Bronze in die im Boden eingegrabene Form gegossen.
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Unter Aufsicht von Hermann Schmitt (l.)wird die geschmolzene Bronze in die im Boden eingegrabene Form gegossen.

Kohlengeruch macht sich breit am Park im Baugebiet An den Eichen: Dass die künftige Weiterführung des Parks noch eine Brache ist, trifft sich gut, denn so hat die Brockscheider Glockengießerei Schmitt hier alles für ein nicht alltägliches Spektakel vorbereiten können. Am Samstag ist hier eine neue Glocke für die Marienkirche im Mathildenviertel gegossen worden.

Offenbach - „Die neue Glocke wird unsere bestehenden Glocken ergänzen und um neue Töne bereichern“, sagt Pfarrer Hans Blamm. Ermöglicht wurde der Glockenguss durch eine Spende eines Gemeindemitglieds. „Das Vorhaben ist schon aus 2018, aber dann meldete die ursprüngliche Firma Insolvenz an und das Projekt musste auf Eis gelegt werden“, sagt er. Mit dem Brockscheider Familienbetrieb fand sich ein neuer Partner: Drei Generationen sind am Wochenende am Werk, um die neue Glocke anzufertigen. Die Aufsicht über den Guss hat Seniorchef Hermann Schmitt, seine Söhne Christoph und Stephan sowie Enkel Peter kümmern sich um die Ausführung.

Der Steinofen, in dem Kupfer und Zinn geschmolzen werden, um zur Bronze zu werden, ist bereits am Freitag gemauert worden. Auf über 1 000 Grad Celsius heiß muss das Metall erhitzt werden, damit es in die im Boden eingegrabene Glockenform gegossen werden kann.

Ein Schauspiel, das rund 60 Schaulustige anlockt – immerhin tragen fast alle Besucher Masken, nur die Abstandsregelung wird kaum beachtet.

Am Samstagnachmittag ist es schließlich soweit, nach einem kurzen Segensspruch von Pfarrer Blamm schöpfen die Glockengießer die flüssige Bronze aus dem Ofen und gießen sie mit Kellen in die Form. Rasch schlagen Flammen hoch, die Hitze ist auch in mehreren Metern Entfernung deutlich spürbar. „Alles hat geklappt, wie es sollte“, sagt Eduard Schmalz von der Gießerei und beantwortet dann die Fragen der Besucher. Etwa, was geschieht, wenn die Glocke nicht gut klingt. „Dann werden wir sie solange schleifen, bis der Ton passt“, sagt er. Der Klöppel wird von einem eigenen Klöppelschmied passend ausgesucht. „Wenn der Klöppel zu schwer ist, könnte er die Glocke beschädigen“, sagt Schmalz.

Abgekühlt ist die Glocke noch nicht, als sie am Sonntag aus dem Boden geholt wird. „Noch ganz schön heiß“, meint eine Besucherin, die ihre Hand kurz an das Metall legt. Christoph Schmitt, Sohn Daniel und Auszubildende Julia Robiller befreien die Glocke aus ihrer Form, eine dunkle Graphitschicht liegt über der Bronze. Mit Bürsten wird diese abgetragen, erstmals schimmert das Metall der Glocke.

In den kommenden Wochen wird sie noch geschleift und poliert, am ersten Adventssonntag soll Glockenweihe gefeiert werden.

Als Namen hat sich die Stifterin „Walter-Glocke“ in Erinnerung an Abt Walter von Pontoise ausgesucht, erzählt Blamm. Die Glocke ziert ein von Abt Walter überlieferter Spruch: „Lieber für die Wahrheit sterben als der Falschheit schmählich weichen“. Zum diesjährigen Weihnachtsfest soll die neue Glocke erstmals erklingen.

Von Frank Sommer

Hau-Ruck: Mit vereinten Kräften wurde die Glocke am Sonntag aus der Gussform gezogen.

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