Lösung wartet oft nebenan

Hilfe unter Nachbarn: Neue kostenlose App „Swapi“

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Wo viele Menschen in nächster Umgebung wohnen, kann Hilfe bei Alltagsproblemen nicht weit sein. Mit einer kostenlosen App wollen zwei Informatiker deshalb ein nachbarschaftliches Netzwerk gründen. Nehmen mit ihrer App Kurs auf Nachbarschaften in Rhein-Main: Start-up-Gründer Niko Belger und Reza Monshizadeh.

Offenbach - Für viele Menschen beschränkt sich die Hilfe unter Nachbarn auf das gegenseitige Annehmen von Paketen. Reza Monshizadeh und Niko Belger wollen das ändern. Von Jenny Bieniek 

Die Start-up-Gründer sind überzeugt von dem enormen Potenzial, das nachbarschaftliche Netzwerke bieten – sei es im eigenen Block, der Straße oder im ganzen Viertel. Ihre kostenlose App namens „Swapi“ (von to swap, tauschen) will dieses Potenzial für alle Anwohner zugänglich machen und gleichzeitig die Kontaktaufnahme erleichtern. Dass Nachbarschaftshilfe schnelle Problemlösungen verspricht, haben die Macher am eigenen Leib erfahren. „Wir waren auf der Suche nach einem Rechtsanwalt, der uns nur zwei Sätze erklären sollte. Aber alle wollten viel Geld dafür“, erinnert sich Monshizadeh.

Schließlich fanden sie in ihrem Offenbacher Bürogebäude einen Anwalt, der sich gern bereit erklärte. Und gleich eine eigene Bitte hinterher schob: „Ihr kennt euch doch mit Software aus. Ich habe Probleme damit, auf meinem neuen Tablet ein E-Mail-Konto einzurichten...“ „Solche Win-Win-Situationen treten öfter ein, als man glaubt“, sind beide überzeugt. Die Schwierigkeit bestehe lediglich darin, seine Hemmungen vorm Nachfragen abzubauen. Da setzt „Swapi“ an. „Seinen Nachbarn morgens am Bahnhof anzusprechen, ist nicht so einfach. Im Netz aber sind die Menschen viel offener“, weiß Monshizadeh aus Erfahrung.

Kennengelernt haben sich der 23-jährige Belger und sein elf Jahre älterer Partner während des Informatik-Studiums in Frankfurt. Im Oktober vergangenen Jahres gründeten sie in Offenbach ein Start-up-Unternehmen. Ausgangspunkt ihrer Arbeit war die Feststellung, dass sich nachbarschaftliche Beziehungen in Großstädten wie Offenbach immer weiter reduzieren. „Viele wollen prinzipiell Kontakt, trauen sich aber nicht. Also schließen sie die Tür hinter sich und gehen online.“ Familienvater Monshizadeh weiß, wovon er spricht. Seit seinem 16. Lebensjahr lebt er in Offenbach, aktuell in einem Hochhaus mit 70 Parteien. Nur drei davon kennt er. Auch Kompagnon Belger, der mit seinen Eltern vor den Toren Frankfurts in einem Einfamilienhaus wohnt, muss passen: „Die Leute nebenan kenne ich noch, die zwei Häuser weiter nicht mehr.“

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Weitere Infos:

www.swapiapp.com

Wenn es uns so geht, gilt das auch für andere, dachten sich die Macher. Mehr als ein Jahr haben sie am Konzept von „Swapi“ getüftelt, die technische Umsetzung steckt derzeit in der Endphase. Das Prinzip: Auf einem Radar sieht der Nutzer, welche anderen Nutzer sich in seiner Umgebung aufhalten. Anfragen können an die Nachbarschaft innerhalb eines zuvor festgelegten Radius gesendet werden. Nutzer haben zudem die Möglichkeit, Schlagwörter zu abonnieren oder andere Nutzer über den Instant-Messenger in Echtzeit anzuschreiben, ohne dass dafür Telefonnummern oder Adressen ausgetauscht werden. Die Idee hinter „Swapi“ ist keineswegs neu. Ähnliche Konzepte gibt es bereits auf dem Markt. „Unsere App ist aber besser, weil wir zur Nutzung keine Verifizierung mittels Adressangabe oder gar einer Kopie des Personalausweises verlangen, wie andere es tun“, sagt Niko Belger. Man wolle schließlich keine Daten sammeln, sondern das Netzwerken fördern.

Ähnlich funktionierende Facebook-Gruppen sehen Belger und Monshizadeh nicht als Konkurrenz: Zu viele Beteiligte, zu viele parallele Suchanfragen. Das gestalte die Suche mühsam und sei wenig effektiv. In zunächst neun Städten im Rhein-Main-Gebiet, neben Offenbach auch Frankfurt, Darmstadt und Hanau, soll die komplett privat finanzierte „Swapi“-App ab voraussichtlich Ende März verfügbar sein. Ziel der Informatiker ist es, innerhalb der ersten sechs Monate 5000 Nutzer zu gewinnen. „Wir sind da zuversichtlich.“

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