Neue Last, trotz leerer Kasse

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Steuerzahlerbund kritisiert unter anderem die städtischen Ausgaben fürs neue Kickers-Stadion.

Offenbach ‐ Die Finanzlage vieler Kommunen wird immer bedrohlicher. Auch der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kleinkinder könne angesichts der Haushaltslage nicht erfüllt werden, glaubt der Städte- und Gemeindebund. Von Peter Schulte-Holtey

Der Steuerzahlerbund kritisiert geplante städtische Investitionen beim Bau- bzw. Umbau der Fußballstadien in Offenbach und Frankfurt. „Ich habe den Eindruck, dass im Augenblick die Prioritäten falsch gesetzt werden“, wird Verbandschef Ulrich Fried vom Hessischen Rundfunk (hr) zitiert. „Wenn man hier einer kleinen Klientel zwei neue Stadien baut, dann ist schon die Frage, ob man das Geld nicht in andere Projekte stecken sollte“, sagte er.

Dabei wird in hr-iNFO auch daran erinnert, dass der Schuldenberg in Offenbach 540 Millionen Euro betrage, „dennoch beteiligt sich die Kommune mit zehn Millionen Euro an einem Stadion-Neubau für die Offenbacher Kickers“. Auch Frankfurt investierte rund zehn Millionen Euro in den Umbau des Volksbank Stadions. Matthias Müller, Sprecher der Stadt Offenbach, wies die Kritik zurück. „Mittelfristig ist die Stadt gezwungen, das Stadion für Millionen zu sanieren, egal in welcher Liga der OFC spielt. Ein Neubau macht den Verein auch finanziell zukunfts- und wettbewerbsfähig in den Profiligen“, erklärte er auf Anfrage unserer Zeitung.

Berichte Konkurrenz von Starßen und Stadion suggeriert

Der Magistrat müsse, gerade in Zeiten knapper Kassen, Prioritäten setzen. Müller: „Einrichtungen stehen im Wettbewerb um geringe Mittel. Leider!“ Die hr-Berichte über den Stadionneubau suggerieren nach Angaben von Müller eine Konkurrenz zwischen maroden Straßen bzw. notwendigen Investitionen in Bildung und dem Stadionneubau. Der Etat der Stadt und die Wirtschaftspläne der Konzerntöchter würden aber keine Anhaltspunkte dafür geben, dass „der Stadionneubau zu Einschränkungen an anderen Leistungen führen wird“.

Das Vorhaben koste die Stadt rund acht Millionen Euro, wird Offenbachs Bürgermeisterin Birgit Simon jetzt vom Hessischen Rundfunk (hr) zitiert. „Wir können das gar nicht anders lösen, als Schulden zu machen“, so die Grünen-Politikerin. Offenbach schiebt schon seit Jahren ein Rekorddefizit vor sich her. Dennoch investiert die Stadt jetzt Millionen in eine neues Stadion am Bieberer Berg. Der Steuerzahlerbund hält das für sehr fragwürdig. Gegenrede kam gestern von der Stadtspitze, die noch einmal zahlreiche Argumente vorbrachte, die ihrer Meinung nach für das Engagement sprechen.

Stadt-Sprecher Matthias Müller: „Kickers Offenbach ist seit einem Jahrhundert einer der wichtigsten Botschafter der Stadt. Dieser Bote repräsentiert auch in der Welt der modernen Medien Offenbach weit oben. Ein Schlaglicht: Von den rund neun Millionen Offenbach-Einträgen bei Google gelten zwei Millionen ,Kickers Offenbach’ oder dem OFC. Profifußball wirbt für den Namen der Stadt.“

„Kickers einer der wichtigsten Botschafter“

Müller erinnert auch daran, dass Vereine einen großen Beitrag zur Integration von verschiedenen Bevölkerungsgruppen leisteten. „Der OFC, das Stadion und damit das eingesetzte Geld wirken so nach innen und werben draußen“, erklärte der Stadt-Sprecher, der auch keine Zweifel an der Finanzierung des Riesenprojektes aufkommen lassen will: „Mit einem zeitgemäßen Neubau statt einer Sanierung können auch neue Finanzierungsquellen erschlossen werden.

Das Land gibt der Stadt zwölf Millionen Euro. Dieses Geld wäre ohne das Engagement des OFC, speziell in der Person des Ehrenpräsidenten Waldemar Klein, niemals nach Offenbach geflossen. Fünf Millionen Euro zahlt die Sparda Bank Hessen für die Namensrechte. Die Sport- und Freizeit GmbH der Stadt finanziert acht Millionen Euro.“ Dabei verweist der Stadt-Sprecher darauf, dass der OFC „eine jährliche Miete zahlen wird, die die Verzinsung deckt“.

Und augenzwinkernd stellt Müller noch fest: „Das Internetportal des Hessischen Rundfunks verbindet die meisten Einträge zu Offenbach mit den Kickers. Also auch ein Frankfurter Sender lebt beim Kampf um Quote und Einnahmen vom Offenbacher Fußball.“

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