Neue Mieter am Stadthof

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Einst nutzte die IHK das Bürogebäude am Stadthof, dann vorübergehend das Schulamt. Bald könnten dort Familien leben. 

Offenbach - Büroflächen stehen in zahlreichen großen Städten leer, so auch in Offenbach. Von Fabian El Cheikh

Über die Nutzung der vielen Quadratmeter in teils besten Innenstadtlagen hat sich beispielsweise Frankfurt schon vor Jahren den Kopf zerbrochen - und angefangen, sie in Wohnraum umzuwandeln. Ähnliches hat nun Offenbach vor.

In einem Modellprojekt will die Initiative Aktive Innenstadt das seit Jahren leer stehende frühere Gebäude der Industrie- und Handelskammer mit seiner dunklen Fassade am Stadthof wiederbeleben. Gemeinsam mit dem Mühlheimer Eigentümer verfolgt die Initiative um Projektleiterin Marion Rüber-Steins eine Umnutzungsstrategie, an der die künftigen Nutzer des Gebäudes von Anfang an beteiligt sind. „Wir erkunden das Potenzial für gemeinschaftliche Wohnformen“, berichtet die Stadtplanerin, „und wollen dabei auch Möglichkeiten für eine gleichzeitige kulturelle Nutzung erarbeiten.“ Konkret ist etwa daran gedacht, Wohnraum für eine einkommensstärkere und ältere Klientel zu schaffen. „Wir können uns aber auch Alleinerziehende und junge Familien dort vorstellen, denen im Haus eine Kinderbetreuung angeboten wird, oder Existenzgründer aus der Kreativszene, die am Wohnort ihre Büros haben.“ Anbieten würde sich zudem ein Konferenztrakt als Veranstaltungsort für Kunst und Musik.

„Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“

Potente Unterstützung konnte die Initiative bereits für sich gewinnen: Das Projekt ist in das Forschungsprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt) des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung aufgenommen worden. Das erforscht die Entwicklung von Städtebau- und Wohnungspolitik – in die Ergebnisse werden also auch die Erfahrungen aus Offenbach einfließen. „Für uns bedeutet das konkret, dass wir über einen Zeitraum von drei Jahren knapp       300 .000 Euro für Investitionen zur Verfügung haben“, freut sich Rüber-Steins. 80 Prozent der Mittel kommen vom Bund, der Rest von der Stadt und dem Eigentümer der Immobilie.

Die ersten drei Geschosse und eine Dachterrasse sollen, sobald der Vertrag mit dem Eigentümer unterzeichnet ist, zunächst für ein Jahr lang in einfacher Form probeweise genutzt werden. „Danach evaluieren wir, wie es weitergeht.“ Für eine dauerhafte Nutzung müsste man tief in die vorhandene Bausubstanz eingreifen und unter anderem einen zusätzlichen Fluchtweg und neue sanitäre Einrichtungen schaffen.

Das aber ist noch Zukunftsmusik. Wichtig ist den Projektbeteiligten, dass nicht in Behördenstuben auf dem Papier geplant und entschieden wird, was mit dem schwer zu vermittelnden Haus passiert, sondern gemeinsam mit möglichen Nutzergruppen.

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