Neue Nachbarn für die Hähne

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Aus der Vogelperspektive erschließt sich gut die Ausdehnung des ehemaligen Schlachthof-Areals zwischen Buchhügelallee und Spessartring. Im südlichen Teil des Geländes, unmittelbar hinter dem Domizil des DRK (rotes Gebäude am unteren Bildrand), entstehen insgesamt 139 Eigentumswohnungen.

Offenbach ‐ Die Geräuschkulisse könnte für Ralf Schlieker gegensätzlicher nicht sein. Links krähen die Hähne der Kleintierzüchter vom Erlenbruch, rechts laufen die Betonmischmaschinen auf vollen Touren. Von Matthias Dahmer

Schlieker, Kaufberater der Hanauer Bien-Ries AG, steht in seinem Büro auf dem ehemaligen Schlachthof-Areal, blickt durch die große Scheibe auf die Bauarbeiten und ist sichtlich zufrieden. „69 Wohnungen entstehen hier im ersten Bauabschnitt, 60 Prozent davon sind schon verkauft“, sagt er. Ende des Jahres soll der aus zwei Häusern bestehende L-förmige Bau bezugsfertig sein. Ein weiterer mit 70 Wohnungen wird folgen. Die Käufer der zwischen 48 und 202 Quadratmeter großen Eigentumswohnungen stammen zu 80 Prozent aus Stadt und Kreis Offenbach, sagt Berater Ralf Schlieker.

Zwischen 1 850 und 2 300 Euro pro Quadratmeter müssen die Käufer für die eigenen vier Wände am alten Schlachthof hinlegen. Für viele war das Energiekonzept ein wesentliches Kauf-Argument, so Schlieker. Der Heizbedarf der Niedrig-Energiehäuser liegt noch 20 Prozent unter dem eines Passivhauses. Ein dicke Außendämmung, dreifach verglaste Fenster und ein dezentrale Belüftung mit Wärmerückgewinnung sorgen unter anderem dafür, dass der Geldbeutel geschont wird.

Die beiden Projekte der Hanauer Hausbauer markieren das vorläufige Ende der Bebauung auf dem ehemaligen Schlachthof-Komplex.

Bar, 106 Wohnungen und Gewerberäume

Die Münchener Domberger Gruppe hatte bereits 1995 mit der Entwicklung des 48 000 Quadratmeter großen Gebiets begonnen. Sie baute das denkmalgeschützte Gebäude des am 2. Oktober 1904 eröffneten Schlachthofs zu einem Hotel um. Hinzu kamen eine Bar, 106 Wohnungen und weitere Gewerberäume. Die Idee, beiderseits der früheren Verteilerhalle im Untergeschoss ein Modezentrum zu etablieren, scheiterte.

Nach einer Phase der Stagnation übernahm vor fünf Jahren der bisherige Finanzier, die Commerzbank AG, die Federführung und erwarb das Gelände, mit Ausnahme der bestehenden Eigentumswohnungen, für elf Millionen Euro.

Überlegungen, die verblieben Freiflächen nach und nach zu entwickeln, und die Bebauung Richtung Spessartring mit Bürogebäuden abzuschließen, gab die Commerzbank letztlich zugunsten eines Komplettverkaufs an die Bien-Ries AG auf.

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