Neue Sichtweisen im Stadion

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Für Kickers-Anhänger ein eher ungewöhnliches Bild: eine funktionierende Anzeigetafel. Die neue hat den abendlichen Testlauf bestanden.

Offenbach - „Sie funktioniert. “ Schwingt da etwa ein wenig Erleichterung mit? Man könnte es meinen. Von Martin Kuhn

Regina Preis, Sprecherin der Stadtwerke Offenbach Holding, weiß offenbar um die bislang kuriose Geschichte der Anzeigetafel im Stadion Bieberer Berg – und die Reaktion der rot-weißen Fans. Den Probelauf an einem kalten Dezemberabend hat die gut acht mal fünf Meter große Tafel mit modernster LED-Technik problemlos gemeistert. Dabei wurde kein (Wunsch-) Ergebnis eingeblendet, sondern der Videotrailer zum Bau des Sparda-Bank-Hessen-Stadions gezeigt. Bislang ist die Tafel – unterm Dach der Westtribüne montiert – ein etwa 200 000 Euro teurer Solitär. Fürs Gegenstück auf der Osttribüne werden alle baulichen Voraussetzungen geschaffen; im 25-Millionen-Etat fürs Stadion mit seinen 20 .500 Plätzen ist jedoch kein Geld für den Kauf vorhanden.

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Besser eine als gar keine, werden sich einige Kickersfans sagen. Die unrühmliche Geschichte des Vorgängers, hinter der alten Stahlrohrtribüne platziert, ist bekannt. Das Ding kaufte der damalige Manager Klaus Gerster für schmales Geld dem Bundesligisten Werder Bremen ab. Funktioniert hat die Tafel fast nie; unvergessen sind die Fangesänge im September 1999 in der Zweitliga-Partie gegen Hannover 96, als sie kurzzeitig aufflackerte: „Sie leuchtet – ooho!“ Später machte der Fanclub Soccer Boys sich einen Spaß daraus, eine manuelle Holzanzeigetafel zu bauen und zu bedienen. Lutz Kammermaier, Zeichner der legendären Kickers-Comics, nennt sie in seiner Stadionansicht „Klaus-Gerster-Denkmal“; mancher Anhänger erinnert gern an die „Klaus-Gerster-Gedächtnistafel“. Es ist Geschichte.

Osttribüne im Mai 2012 fertig

Ebenso wie die Henninger-Tribüne, die als letzter Teil des alten Stadions restlos und endgültig abgetragen wurde. Am Stummel der B 448 klafft eine große Lücke, die immerhin freien Blick auf die drei fertigen Tribünen gewährt. Bereits in der ersten Januarwoche bereitet die Bremer AG als Generalunternehmer die Fundamente für die neue Osttribüne vor; zu nutzen ist sie laut Zeitplan im Mai 2012.

Weit vorangeschritten ist der Ausbau unter der Haupttribüne. Der Namensgeber des Stadions hat seine Filiale eröffnet und wirbt offensiv: „Jetzt wird Ihr Bankbesuch zum Heimspiel.“ Die offizielle Eröffnung mit dem Vorstand der Genossenschaftsbank folgt im Februar.

Spätestens zu diesem Termin ist an der Bieberer Straße auch der Vorplatz samt Kurzzeitparkplätzen gestaltet, der noch von einem Bauzaun umschlossen ist. „Solange müssen die Kunden in der Buswendeschleife parken. Leider“, bedauert die SOH-Sprecherin. Wer sich neben Sparda-Bank und OFC-Fanshop in der kleinen Ladenzeile ansiedelt, ist derzeit offen. Man ist in „guten Gesprächen“, wie es so schön heißt. Bislang müssen die Verantwortlichen wohl kleinere Brötchen backen. Die lange Zeit angekündigte Bäckerei-Filiale ist keine Option mehr. Infos auch auf der Internetseite der Stadt.

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