Neue Straßen für mehr Ruhe

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Das könnte die Zukunft im und um den Industriepark sein: Die orangefarbenen Pfeile zeigen die angedachte Erschließung. Danach wird die Mainstraße ab der Friedhofstraße durch den Industriepark geführt. In dessen nordöstlichem Teil stößt eine neutrassierte Kettelerstraße auf die Mainstraße, die dann direktan den Mainzer Ring angebunden wird. Eine weitere Zufahrtist von der Mühlheimer Straße (unterer Bildrand) vorgesehen.

Offenbach ‐ Der Wandel von der beklagenswerten Brache einer einst prosperierenden Chemie-Industrie zu 38 Hektar Hoffnung will wohl überlegt sein. Weshalb die Politik derzeit über der Zukunft des Allessa-Industrieparks brütet. Von Matthias Dahmer

Dem Einfluss der Offenbacher Volksvertreter sind Grenzen gesetzt. Schließlich kann kein Wohnungsbau-Investor, kein Öko-Unternehmen gezwungen werden, sich künftig in dem riesigen Areal zwischen Main und Mühlheimer anzusiedeln.

Man kann aber ihren Appetit wecken. Genau das soll ein Bebauungsplan machen, den die Stadtregierung voraussichtlich im März dem Parlament zur Abstimmung vorlegt. Das Papier ist voll gepackt mit allem, was des Stadtplaners Phantasie hergibt: Wohnen am Fluss in Eintracht mit umweltschonendem Gewerbe, gemixt mit ein wenig Naherholung und Renaturierung des Kuhmühlgrabens.

Während einiges davon vermutlich Wunschdenken bleibt, an schlummernden Altlasten und schleppender Vermarktung scheitern könnte, ist zumindest die Erschließung des Geländes ein realistisches und gar nicht so fernes Szenario. Und sie alleine birgt schon einschneidende Veränderungen: Es liegen nämlich Pläne auf dem Tisch, die eine völlig neue und vor allem Bürgel entlastende Verkehrsführung vorsehen.

Grüne sind schon Feuer und Flamme

Konkret: Die Mainstraße wird ab der Friedhofstraße in einem Bogen über das Industriepark-Areal geführt. In dessen nordöstlichem Teil stößt eine neu trassierte Kettelerstraße auf die Mainstraße, die dann direkt an den Mainzer Ring angebunden wird. Der gekappte Teil der Mainstraße soll für Wohnbebauung und Naherholung am Fluss genutzt werden, der Ortskern von Bürgel wäre komplett vom nervenden Durchgangsverkehr befreit.

Die Grünen sind schon Feuer und Flamme fürs künftige „grüne Gewerbgebiet“, wie Fraktionsgeschäftsführer Edmund Flößer formuliert. Er bezeichnet den Noch-Industriepark als eines der „interessantesten Projekte der Offenbacher Stadtentwicklung“, räumt aber gleichzeitig ein, dass es wohl noch zehn bis 20 Jahre dauern könnte, bis alles wie geplant gelaufen ist.

Die Grünen drängen deshalb darauf, dass der Aspekt der Nachhaltigkeit berücksichtigt wird. Flößer: „Dabei geht es um Wohnqualität ebenso wie um Verkehr, Energie, Natur und Stadtklima.“ In Sachen Gewerbe schwebt der Fraktion ein Technologiepark für Unternehmen vor, die auf erneuerbare Energien oder alternative Umwelttechnik setzen.

EVO plant Erweiterung von Holzpelletsproduktion

Das dürfte die Energieversorgung Offenbach (EVO) gerne hören. Die schnitzt nämlich an Erweiterungsplänen für eine im Industriepark bereits beheimatete Holzpelletsproduktion. Details dazu will die EVO nächste Woche verkünden.

Noch nichts hat man beim lokalen Energieversorger indes von den Überlegungen der Grünen gehört, das Pelletswerk innerhalb des Industrieparks zu verlagern. Der jetzige Standort im westlichen Teil des Geländes, meinen die Grünen, könnte die geplante Wohnbebauung stören, weshalb der Betrieb im südöstlichen Teil an der Mühlheimer Straße besser aufgehoben wäre.

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