Neue Trendsportart Calisthenics

Ein sportlicher Spielplatz

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Nur ein Workshop in der Turnhalle der Theodor-Heuss-Schule: Eigentlich wird bei Calisthenics öffentlich an Ampeln, Baugerüsten oder Geländern trainiert. 

Offenbach - „Wer braucht schon einen Vertrag im Fitnessstudio, wenn die Stadt voller frei zugänglicher Trainingsgeräte steckt?“ Calisthenics macht sich genau diese Einstellung zu eigen. Von Sarah Neder 

Frei aus dem Griechischen übersetzt bedeutet der Begriff so viel wie „schöne Kraft“ – eine Trendsportart, die es erst seit knapp einem Jahr gibt und die am besten als kostenloses Krafttraining an öffentlichen Orten zu verstehen ist. Zum Workshop in der Theodor-Heuss-Schule trafen sich am vergangenen Wochenende Profis und Anfänger, um ihre Kräfte zu messen. Zentraler Programmpunkt des offenen Trainings: der Klimmzugwettbewerb. In vier Gewichtsklassen treten zirka 80 junge Männer gegeneinander an.

Eine gehörige Portion Ehrgeiz gehört bei Klimmzügen dazu.

Die Regeln sind streng. Einer der drei Organisatoren, Dennis Ratano, mahnt, dass nur richtig ausgeführte Züge mit in die Wertung eingehen. Bei den meisten Teilnehmern klappen die ersten 15 Klimmzüge mühelos, danach werden die Gesichter zunehmend schmerzverzerrter. Doch der Ehrgeiz ist da, die Entschlossenheit, einen mehr zu schaffen als der Vorgänger. „Im Gegensatz zur Muckibude arbeiten wir nur mit unserem eigenen Körpergewicht“, erklärt Calisthenics-Profi Ratano.

An Stangen, Barren oder Ringen können die Sportler nicht nur Klimmzüge, sondern auch Handstände oder gar akrobatische Choreografien vollführen – je nachdem, wie gut sie in Form sind. Eine berühmte Figur ist die „Human Flag“ – zu deutsch die menschliche Flagge. Dabei hängt sich der Athlet mit den Händen an eine senkrechte Stange und richtet sich allein durch Muskelkraft parallel zum Boden auf. Das ganze sieht aus wie eine Flagge, die im Wind steht. Dass die Sportler in der Halle trainieren ist allerdings eher selten. Vielmehr geht es darum, in der Stadt potenzielle Übungsgeräte zu entdecken. „Auf einmal werden die Ampel, das Baugerüst oder ein Handlauf zu Objekten, an denen wir uns austoben können“, berichtet Ratano begeistert von dem Gefühl durch die Straßen zu ziehen und einen großen Spielplatz vor sich zu sehen. Die Philosophie dahinter ist, nicht an Öffnungszeiten oder monatliche Beiträge von Sportvereinen oder -studios gebunden zu sein. Hinzu kommt, wie auch bei anderen Straßen-Sportarten, dass Calisthenics nicht nur den Körper formen soll, sondern einen regelrechten Lifestyle darstellt. Gesunde Ernährung und die klare Distanzierung von Aufputschmitteln sind einige Aspekte.

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Ratano, der in der deutschen Szene eine Art Koryphäe ist, erläutert, dass der Trend aus den USA nach Deutschland herübergeschwappt ist: „In New York ist Calesthenics eng mit der Hip-Hop-Kultur verbunden. Viele Rapper praktizieren diesen Sport.“ Auch an der Theodor-Heuss- Schule spielt Musik eine große Rolle. Dort wurde das Muskeltraining mit lauter Hip-Hop-Musik beschallt.

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