Neue Wege auch beim Sport

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Irgendwie will die Sortiermaschine nicht so wie Marco Katzenberger und Eric Bechtloff sich das vorgestellt haben. Doch die angehenden Techniker lassen nicht locker beim Versuch, das Gerät beim Tag der offenen Tür der Gewerblich-technischen Schulen doch noch zum Laufen zu bringen.

Offenbach - Michael Reichhardt ist wieder gekommen. Noch vor etwa einem Jahr war der 20-Jährige Abiturient an den Gewerblich-technischen Schulen (GTS), heute steht er als Vertreter der Firma PWA Electronic im Flur seiner alten Schule. Von Katharina Skalli

Er erklärt Schülern, was sie als Auszubildende zum Elektrotechniker erwartet. Er ist nicht der einzige, der mit Namensschild ausgestattet Gäste begrüßt und Einblicke in seinen Berufsalltag gibt. Viele Ehemalige hatte die Bildungseinrichtung am Wochenende eingeladen. Ihre Vorträge und Angebote waren Teil des vielseitigen Programms, mit dem sich die Schulen am Tag der offenen Tür präsentierten.

Reichhardts Vertrag als Auszubildender läuft nur 18 Monate. Das hat er dem Beruflichen Gymnasium zu verdanken, an dem er den Leistungskurs Elektrotechnik wählte. Dank der Vorkenntnisse kann er seine Ausbildung nun verkürzen. „Man verliert keine drei Jahre Ausbildungszeit und kann im Anschluss noch eine Weiterbildung dranhängen“, sagt er. Auch Alex Mihalache stattet seiner ehemaligen Schule einen Besuch ab. Mittlerweile arbeitet er bei IBM und schildert in einem vollbesetzten Klassenzimmer den Oberstufenschülern die Idee des dualen Studiums.

Ein wenig versteckt liegen die Gewerblich-technischen Schulen zwischen dem Rudolf-Koch-Gymnasium und der Hochschule für Gestaltung mitten in der Innenstadt. Nur Wenigen ist das umfangreiche Bildungsangebot der Einrichtung bekannt, die mehrere Schulformen unter ihrem Dach vereint. Außer der Fachschule für Technik und dem Beruflichen Gymnasium gehören auch eine Berufsfachschule und eine Teilzeitberufsschule zum Spektrum. Außerdem bietet die GTS das Berufsgrundbildungsjahr und das Programm zur Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt (Eibe). Alle Bildungswege haben eines gemeinsam: den technischen Schwerpunkt.

In der Oberstufe des Gymnasiums müssen die Schüler zwischen drei Leistungskursen wählen: Elektrotechnik, Maschinenbau und Datenverarbeitung. Doch die Abiturienten sind nicht die ältesten Lernenden an der Schule. Einige Klassenräume weiter brüten angehende Techniker über ihrer Abschlusspräsentation und Berufsschüler ergänzen die Theorie zur Praxis in ihrer betrieblichen Ausbildung. „Wir sind keine klassische Mittelstufenschule“, erklärt Monika Stark. Die Lehrerin gehört seit etwa zehn Jahren zum Kollegium.

Nicht nur der technische Bereich beeindruckt die Besucher, sondern auch Fachbereiche wie Kunst und Sport. In einem Zimmer im ersten Stock sind die Jalousien heruntergefahren, Schüler zeigen hier ihre selbsterstellten Filme in Endlosschleife – Schwarz-Weiß-Fotos, ausgewählt zum Thema Gewalt, mit schnellem Schnitt professionell aneinandergereiht und mit passender Rockmusik unterlegt. „So sieht Kunstunterricht an einem technischen Gymnasium aus“, sagt Monika Stark und schmunzelt.

Auch der Sportunterricht setzt neue Maßstäbe. Die Turnhalle, die sich die GTS mit der Rudolf-Koch-Schule teilt, wird kaum genutzt. Viele Kurse finden außerhalb der Schule statt: In einer Kletterhalle wird die Wand erklommen, auf dem Main treffen sich die Jugendlichen zum Rudern und in den Bergen finden Snowboardkurse statt. Außerdem bietet die Schule Golfen, Radfahren, Joggen und andere Sportarten an, für die keine Halle nötig ist. Dafür brauche man vor allem viel Enthusiasmus und ein anderes Verständnis von Organisation, meint die Lehrerin.

Der Duft nach frisch gebackenen Waffeln empfängt die Gäste der GTS in der Eingangshalle – eine Idee von Monika Starks Schülern aus der Klasse 13. Auch Herzhaftes steht an diesem Tag auf dem Speiseplan. Vor dem Haupteingang wird gegrillt. Von den Leckereien bekommen Marco Katzenberger und Eric Bechtloff kaum etwas mit. Die angehenden Techniker beugen sich konzentriert über ein Sortiergerät. Die Schüler der Fachschule für Maschinentechnik sind auf Fehlersuche. „Heute haben wir eine hundertprozentige Ausfallquote“, sagt Marco Katzenberger und tippt neue Daten in einen Laptop. Ein defektes Ventil sorgt für Kopfzerbrechen. Eigentlich soll das Gerät unterschiedliche Materialen sortieren. Der Sensor funktioniert, aber ein Schieber hängt. In der Werkstatt brummt und rauscht es wie in einer Werkshalle. Die Pneumatikventile arbeiten fleißig. Die Geräuschkulisse gehört irgendwann einmal zum Berufsalltag der beiden.

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