Neuer Job: 55 Prozent der Roländer vermittelt

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Offenbach/Frankfurt/Berlin - Die Großpleiten Schlecker, Neckermann und „manroland“ haben sich auf dem hessischen Arbeitsmarkt ganz unterschiedlich ausgewirkt.

Die Vermittlungsquoten der Beschäftigten differierten stark zwischen weit über der Hälfte bei „manroland“ bis noch nicht ein mal einem Zehntel beim Versandhandel Neckermann, wie der Chef der hessischen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Frank Martin, gestern in Frankfurt berichtete. In der Mitte liegt die Vermittlungsquote bei den früheren Beschäftigten der Drogeriekette Schlecker. Bei den drei Insolvenzen hatten fast 4000 Menschen ihren Job verloren.

Im Fall „manroland“ hat eine Beschäftigungsgesellschaft die schnelle Arbeitslosigkeit verhindert und den Betroffenen zum Übergang in neue Jobs zusätzliche Qualifizierungen angeboten. Aktuell seien noch 325 von 889 Menschen arbeitslos, berichtete Martin. In einen neuen Job konnten 55 Prozent vermittelt werden, der Spitzenwert im Land.

Von den 1690 arbeitslosen Schlecker-Beschäftigten sind mit 885 noch mehr als die Hälfte ohne neuen Job. Weit mehr als ein Drittel aller Gemeldeten hat keine abgeschlossene Berufsausbildung und auch der Anteil der Älteren über 55 Jahre lag mit 21 Prozent hoch. Dafür waren die Betroffenen über das ganze Land verteilt.

Großpleite Neckermann

Bei der vorerst letzten Großpleite Neckermann meldeten sich 1400 Beschäftigte nahezu ohne Ausnahme in Frankfurt, Offenbach oder Hanau arbeitslos. Erst rund 130 arbeitslos gemeldete Neckermänner haben eine neue Beschäftigung gefunden. Grundsätzlich seien die Aussichten für Buchhalter, EDV-Spezialisten und Sachbearbeiter gut. An- und Ungelernte hätten hingegen deutlich schlechtere Chancen.

Martin zeigte sich zuversichtlich, dass der hessische Arbeitsmarkt für qualifizierte Fachkräfte trotz nachlassender Dynamik weiterhin aufnahmefähig bleibe. Probleme gebe es allerdings bei fehlender Mobilität, gesundheitlichen Einschränkungen, Sprachdefiziten oder mangelnder Qualifikation.

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Unterdessen könnte die Zahl der Insolvenzen deutscher Unternehmen im Jahr 2013 um fast fünf Prozent steigen. Für das kommende Jahr rechne man mit 32.000 Firmenpleiten, teilte der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) gestern in Berlin mit. Bereits in diesem Jahr werde es rund 30.500 Insolvenzen von Unternehmen geben - etwa 400 mehr als im Vorjahr. Ein Grund hierfür sei die nachlassende Konjunktur. „Die Situation insbesondere im Mittelstand ist immer mehr von Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung geprägt“, sagte BDIU-Präsident Wolfgang Spitz.

Höhe des Schadens durch Insolvenzen

Die Höhe des Schadens durch Insolvenzen nehme in diesem Jahr sogar von 31,5 auf bis zu 55 Milliarden Euro zu. Als einen Grund hierfür nannte Spitz die Pleiten der Großunternehmen Schlecker, Neckermann und des Solaranbieters Q-Cells. Spitz sagte, dass die Schuldner seltener Rechnungen bezahlen würden. Allerdings gab nur ein knappes Viertel (24 Prozent) der 560 im BDIU organisierten Inkasso-Unternehmen in einer Umfrage an, dass die Zahlungsmoral im Vergleich zum Frühjahr nachgelassen habe.

Ein Problem des Mittelstandes sei die weiterhin mangelnde Rechnungstreue von Städten und Gemeinden. In der Umfrage sagten 99 Prozent der Unternehmen, dass sich die Zahlungsmoral der öffentlichen Hand nicht verbessert habe. „Darunter leiden nicht zuletzt das Handwerk und die lokale Wirtschaft vor Ort“, so Spitz. Eine Gefahr für den Handel seien betrügerische Bestellungen im Internet. Der Inkasso-Verband rechnet außerdem mit über 100 000 privaten Insolvenzen von Verbrauchern in diesem Jahr. 2013 werde es sogar zu bis zu 120.000 Privatpleiten kommen.

dpa

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