Neuer Magnet für die City

Offenbach ‐ Die Computersimulation des künftigen Kleider-Frei-Anwesens lässt optisch Ansprechendes ahnen, eine großzügige, abgerundete Glasfront verspricht einen neuen Guck für Marktplatz und Bieberer Straße. Von Thomas Kirstein

Und schon der mündliche Hinweis, welch attraktiver Mieter das Objekt neben dem Traditions-Textiler Frei mit gewerblichem Leben füllen wird, ließ vornehmlich weibliche Herzen höher schlagen. Denn „Schöner dekorieren - das Heim und sich selbst“ könnte ab Frühjahr 2011 die Devise im Frei-Haus lauten. Einen Mietvertrag mit der Firma Geschäftshaus Marktplatz Offenbach (GMO) hat jetzt die Gries Deco Company (GDC) für ihre als sehr attraktiv geltende Wohnausstattungs-Kette Depot unterzeichnet. Ebenfalls handelseinig sind sich GMO und Peter Caligari, der Offenbacher Statthalter von Edel-Friseur Klaus Peter Ochs.

Depot hat sich nach Angaben von GMO-Geschäftsführer Thomas Keck für zehn Jahre verpflichtet. Die Filiale, eine von 150 in Deutschland, Österreich und der Schweiz, nutzt rund 900 Quadratmeter im Erdgeschoss und im ersten Stock für ihr Angebot aus Wohnaccessoires, Kleinmöbeln und Geschenkartikeln.

GDC hat 2009 44 neue Depot-Filialen eröffnet. Das Unternehmen mit Sitz in Niedernberg bei Großostheim zählt etwa 1900 Mitarbeiter. 2010 sollen rund 370 neue Stellen besetzt werden - wie viele davon in Offenbach, ist noch offen.

Kleider-Frei zog Ende Januar ins vorübergehende Exil

„Der beste Mieter, den man kriegen kann - nicht nur für uns, auch für die Stadt“, schwärmt Keck. Seine GMO, ein Unternehmen der Familien Keck und Frei und der Aschaffenburger Dreßler Bau, lässt den Stammsitz für rund neun Millionen Euro zum Geschäftshaus umbauen. Für die Erweiterung hat die Stadt einige Quadratmeter Marktplatz-Trottoir verkauft. Kleider-Frei zog Ende Januar ins vorübergehende Exil im Heusenstammer Industriegebiet.

Peter Caligari, gegenüber dem Rathaus der Offenbacher Partner von Promi-Figaro KP Ochs, wird ein zweites Geschäft in der Stadt eröffnen. „Es wird ein Color-Salon“, kündigt er an. Sein Konzept sieht Färbung, Tönung und Schnitte zu bezahlbaren Preisen vor. Das wird durch fünf junge Mitarbeiter ermöglicht, die zurzeit noch in der Ausbildung oder im ersten Gesellenjahr sind.

Die Einrichtung rund um acht Bedienplätze werde hochwertig sein, verspricht Caligari - Blickfang auf den 90 Quadratmetern wird eine Großbildleinwand für Moden- und Frisurenschauen. „Ich sehe eine gute Chance für ein zweites Geschäft und durch das Projekt eine gute Chance für das Eck vom Marktplatz bis zum Wilhelmsplatz“, sagt der Friseurmeister. Seine zweite Motivation liegt in der Konkurrenz der sich auch in Offenbach breit machenden „nicht-friseurgeführten Läden“ begründet: „Wir wollen uns doch das Wasser in Offenbach nicht von den Billigketten abgraben lassen.“

„Depot wird Facheinzelhandel in Offenbach stärken.“

Außer Caligari, Depot und Frei (dann auf einer auf 1500 Quadratmeter reduzierten Fläche) werden ein Café (Vertrag reif, aber noch nicht unterschrieben) und Ärzte das komplett umgestaltete Haus besiedeln. Mit drei Medizinern seien Verträge ausgehandelt, drei Praxen noch frei, verrät Thomas Keck. Für Interessenten aus dem Einzelhandel stehen noch 140 Quadratmeter zur Verfügung.

Besonders die Nachricht, dass ein Magnet wie Depot in die Stadt kommen wird, ist Futter für den unerschütterlichen Optimismus im Rathaus. Stadt-Sprecher Matthias Müller gibt sich sicher: „Depot wird den Facheinzelhandel in Offenbach stärken.“ Er lobt den Anteil der Verwaltung am Erfolg der Neuansiedlung - habe die Wirtschaftsförderung der Stadt doch seit Jahren die Verantwortlichen von Depot für den Standort Offenbach sensibilisiert. Müller nutzt die Gelegenheit auch zu einem kleinen Seitenhieb auf Kritiker der gegenwärtigen Ausgabepolitik: „Unsere Strategie, in die Innenstadt zu investieren, ist ohne Alternative, weil die City das Bild einer Stadt prägt. Nur in einem ansprechenden Umfeld sind Ansiedlungen mit Qualität möglich.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare