Ein neuer Standard

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Den symbolischen Schlüssel überreichten Horst Schneider und Paul-Gerhard Weiß gestern an Schulleiter Christoph Dombrowski (rechts).

Offenbach ‐  „Es kommt die Zeit, in der das Wünschen wieder hilft...“ Die Düsseldorfer Toten Hosen werden gestern zwar nicht zitiert, die offizielle Einweihung des ersten Bauabschnitts an der Leibnizschule hat indes etwas von einem Wunschkonzert. Von Martin Kuhn

Die Stadt wünscht, dass das neue Bauwerk mit Inhalten gefüllt wird. Das Staatliche Schulamt wünscht, dass der Bund das Projekt mit einem Schulsozialarbeiter krönt. Das Gymnasium wünscht, dass endlich der Altbau saniert wird. Jetzt wäre es noch wünschenswert, wenn alle Beteiligten dafür die notwendigen Geldquellen auftun. Allein der vollendete erste Bauabschnitt kostet neun Millionen Euro.

Natürlich dürfen die Gäste im neuen Freizeit- und Begegnungsraum Platz nehmen - Magistratsvertreter, Stadtverordnete, Architekten, Lehrer. Ihnen gemein sind wohlwollende Blicke und gefälliges Kopfnicken. Der Neubau, eingefügt (nicht eingezwängt!) zwischen bestehender Sporthalle und Aula, besticht mit zeitgemäßer Architektur und Technik; raumhohe Fenster im  Obergeschoss gewähren einen Blick auf überraschend viel Grün. Vielleicht ist Architekt Hubert Zimmermann besonders engagiert ans Projekt gegangen; seine erste Besichtigung der Brandsbornstraße niederschmetternd: „Trostlos, grau, bedrückend.“

Das Pauken im biederen Beton- und Resopal-Ambiente gehört der Vergangenheit an. Anschaulich formuliert es Dr. Volker Stürzer als Vertreter des Staatlichen Schulamtes: Früher habe man bei den Kollegen im Kreis geradezu neidvoll bekannt: Solche Schulen bekommen wir in Offenbach nie. „Heute können wir erhobenes Hauptes sagen: Das haben wir auch.“ Es verwundert nicht, wenn Oberbürgermeister Horst Schneider da von einer „grandiosen Aufholjagd“ spricht.

Schrumpfungs-Prozesse sind Offenbach fremd

Für diese Jagd nimmt die Stadt allein in den nächsten zwei Jahren 150 Millionen Euro in die Hand. Schneider begründet das damit, dass Offenbach eine junge Stadt mit ansteigenden Geburtenraten ist. „Schrumpfungs-Prozesse, mit denen andere Kommunen zu kämpfen haben, sind uns fremd.“ Und der Verwaltungschef gibt im Nebensatz unumwunden zu: „Wir würden noch mehr Geld ausgeben, wenn uns die Kommunalaufsicht nicht bremsen würde.“

So sieht Schule heute aus: Der Cafeteria-Neubau besticht mit moderner Architektur.

Grünes Licht gab’s hingegen für diese Maßnahmen: An der Leibnizschule entstanden 1 115 Quadratmeter neue Fläche. Die Cafeteria dient seit Ende der Sommerferien als Kantine und Treffpunkt. Für die Verwaltung entstand ein Anbau an der Südseite des bestehenden Traktes. Zudem wurden im Bestand 800 Quadratmeter Nutzfläche neu organisiert und zum Teil umgebaut: Dort befinden sich nun die Mediothek, eine neu eingerichtete, moderne Fachklasse und Differenzierungsräume für die Arbeit in Kleingruppen. Für die Oberstufen-Schüler stehen nun abgetrennte Räume für die Stillarbeit bereit - gerade für Jugendliche aus den Stadtteilen und dem Kreisgebiet eine sinnvolle Ergänzung. Selbstredend sind Bauweisen, die einen geringeren Energieverbrauch garantieren.

Energetische Optimierung erfolgt im Jahr 2013

Damit nicht genug. 2013 folgt im zweiten Bauabschnitt die energetische Optimierung der Gebäudetrakte. Alle Fenster werden getauscht, die Fassade neu gedämmt und in der Optik dem Neubau angeglichen. Hierfür sind Gesamtkosten von 2,6 Millionen Euro veranschlagt. Nach Abschluss der energetischen Optimierung kann das Gymnasium seine CO2-Emissionen um etwa 129 Tonnen pro Jahr reduzieren. Freilich hat Schulleiter Christoph Dombrowski auch den Altbau an der Parkstraße fest im Blick: Dafür fordert er eine „Akustik-Sanierung“, die Räume seien „überhallig“.

Am Ende zollt der Schulaufsichtsbeamte Dr. Volker Stürzer das dickste Lob und kreiert eine neue Normgröße: „Der neue Leibniz-Standard sollte flächendeckend eingeführt werden.“ Er sieht so einen bildungspolitischen Auftrag erfüllt. Denn erst Ganztagsschulen leisten einen Beitrag zur Chancengleichheit: „Wir erreichen so Schüler, die wir mit dem bisherigen Halb-Tages-Modell nicht erreicht haben.“

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