Stärker als 30 000 PCs

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Benötigt nur zehn Prozent der Stellfläche seines Vorgängers: der neue Superrechner des DWD.

Offenbach - Aussagekräftige Wetterprognosen bis zu zehn Tage im Voraus und 40 parallel laufende Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Für den neuen Superrechner des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach soll das alles kein Problem sein. Von Sabrina Kristen 

Mit dem Rechnersystem XC30 der amerikanischen Firma Cray will der DWD die bisherige Leistung steigern – und dabei noch umweltfreundlich agieren. Dank größerer Rechnerleistung können künftig deutlich komplexere Vorhersagemodelle eingesetzt werden. Sie sollen die Wetter- und Unwetterprognosen für Deutschland weiter verbessern, gleichzeitig aber auch genauere Berechnungen des langfristigen Klimas ermöglichen. Mit einer Leistungsfähigkeit von mehr als 30.000 herkömmlichen PCs übertrifft der XC30 seinen Vorgänger deutlich. Nach der nächsten Ausbaustufe etwa Mitte 2014 wird die bisherige Kapazität sogar verdreifacht. „Eine Vorhersage über sechs Tage ist heute genauer als 48-stündige Wettervorhersagen Ende der siebziger Jahre“, betont Gerhard Adrian, Präsident des DWD.

Die Trefferquote für die Vorhersage der nächsten 24 Stunden liegt inzwischen deutlich über 90 Prozent – eine Leistung, die der neue Superrechner verbessern soll. Mit der sogenannten Ensemble-Technik rechnet der DWD statt nur einer Vorhersage bis zu 40 parallel – jeweils mit leicht verändertem Anfangszustand. Das Gesamtergebnis ermöglicht dadurch Aussagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Wettersituation eintreten wird. Mithilfe des Superrechners soll auch das Warnmanagement des DWD weiter verbessert werden.

So wird das Wetter in den kommenden Tagen

„Zugbahnen wie die von Orkantief Xaver könnten mit dem System künftig noch früher vorausgesagt werden“, sagt der DWD-Präsident. Prognosen etwa über die Höhe des Schneefalls fallen noch präziser aus. „Eine genaue Vorhersage ist gerade bei der Enteisung von Flugzeugen oder für Personaleinsatzpläne bei Räumdiensten von entscheidender Bedeutung“, so Detlev Majewski, Leiter der Abteilung Meteorologische Analyse und Modellierung. Die Kosten des Superrechners belaufen sich auf rund 24 Millionen Euro. Aber nicht nur der DWD profitiert von dem guten Stück, sondern auch das Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr, das 20 Prozent der Kosten mitträgt. Aber auch für andere Bereiche der Bundesverwaltung für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BVBS) steht der Rechner zur Verfügung.

Ob es nun ein Winter voller Schnee wird oder doch eher mild, kann aber selbst das neue System nicht erkennen. „Es gibt kein deutliches Signal für die gesamte Jahreszeit. Es ist alles offen und wir müssen uns überraschen lassen“, erklärt Majewski.

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