Neuer Treff für alte Autos

+
Blick unter die Motorhaube: Dieser Bentley, Baujahr 1931, war mit seinen 250 PS einer der Hingucker des Oldtimer-Treffens, das gestern Vormittag mehr als 40 Besitzer historischer Autos und zahlreiche Besucher auf das Gelände der Heyne Fabrik lockte.

Offenbach - Bentley und Benz protzen um die Wette, das Goggomobil behauptet sich dank seiner knalligen Farbe zwischen Ford Taunus und Opel Kapitän, und ein toller Käfer demonstriert seine Einzigartigkeit. Von Matthias Dahmer

So etwas gibt's in dieser geballten Form nur noch selten zu sehen. Zum Beispiel beim Heyne Klassiker Treff, der gestern Vormittag mehr als 40 Eigner automobiler Kostbarkeiten und eine Vielzahl von Oldtimer-Fans auf das Gelände der ehemaligen Heyne Fabrik am Nordring lockte.

Und Thomas Kypta ist zufrieden. Ist es doch der Auftakt für eine Veranstaltungsreihe, die der Kurator der Heyne Kunst Fabrik und Besitzer einer Werbeagentur dort etablieren möchte. Bis zum Oktober soll der Klassiker Treff für Fahrzeuge bis Baujahr 1980 jeweils am letzten Sonntag im Monat stattfinden.

Weil er ein Liebhaber alter Autos ist, selbst einen BMW 3,0 CS Coupé von 1974 sowie einen Lancia Fulvia aus dem Jahr 1976 besitzt und im Übrigen „Benzin im Blut“ hat, wie er sagt, reifte in ihm die Idee des Treffens.

Die Oldtimer-Parade

Heyne Klassiker Treff

Das alles ist natürlich noch ausbaufähig, meint Kypta mit wohlgefälligem Blick auf die wachsende Zahl von Oldtimern, die durchs Tor aufs Gelände rollen. Außer Gesprächen über Hubraum, PS und Baujahr kann sich der 42-Jährige Werbemann auch vorstellen, dass man etwa den Eigentümern künftig die Möglichkeit gibt, ihre chromblitzenden Schönheiten vor historischer Industriekulisse abzulichten.

Die Heyne Fabrik, die im Zuge der Industrialisierung entstand, ist mit ihrem engen Bezug zur Automobilindustrie für Kypta der ideale Ort für das Klassiker-Treffen. Die Serienherstellung von Präzisionsdrehteilen mit teils eigenentwickelten Metallbearbeitungsmaschinen war Geschäft der Gebrüder Heyne, der Gründer der Fabrik. Ein Großteil der Fertigung war speziell für die Automobilwirtschaft gedacht.

Die Platzhirsche sind an diesem Vormittag die Preziosen des Klassiker Stammtisch Offenbach von 1990. Ein fast 50 Jahre alter Ford Taunus zum Beispiel, dessen Daten fein säuberlich auf einem Schild nachzulesen sind, das hinter der Windschutzscheibe prangt.

Thomas Kypta, Initiator des Treffs, mit seinem Lancia Fulvia, Baujahr 1976.

Die Hingucker des Tages gehören indes Peter Godehardt. Der Offenbacher, den es mittlerweile in die Nähe von Limburg verschlagen hat, ist zusammen mit seiner Tochter mit zwei Bentleys vorgefahren. In den Jahren 1924 und 1931 wurden die Wagen hergestellt. Der Jüngere, von dem nur 100 Stück gebaut wurden, hat einen Acht-Liter-Motor mit 250 PS unter der dunkelgrünen Haube. Zwischen 25 und 28 Liter schluckt der Oldtimer, „je nach Fahrweise“, meint Godehardt und lässt eine Besucherin auf dem Fahrersitz aus edlem Leder Platz nehmen, die sich „für ihr Leben gerne einmal in ein solches Auto setzen will“.

Aus Verbundenheit zu seiner Heimatstadt hat sich der 63-Jährige Unternehmer auf den Weg gemacht. Schließlich ist er keine 100 Meter von der Heyne Fabrik entfernt aufgewachsen, hat lange Jahre beim EOSC Basketball gespielt, wie er erzählt.

Wie man dazu kommt, Oldtimer zu sammeln? Die Antwort von Peter Godehardt steht in ihrer Knappheit wohl exemplarisch für ein kaum in Worte zu fassendes Hobby: „Am Anfang war es Leidenschaft und nach dem ersten Exemplar ein Bazillus.“ 

Kommentare