Neuer Verdacht nach Finanzdesaster

Vereinsförderung gebunkert?

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Mission Olympic: in Offenbach mobilisierte Massen, aber auch massenhaft Kosten, von denen niemand etwas ahnte.

Offenbach - Der Skandal ums sündhaft teure Mission-Olympic-Abenteuer gewinnt weitere Facetten. Von Thomas Kirstein

So hegen Offenbacher Vereinsfunktionäre den Verdacht, das Projekt könne aus Mitteln des Sportamts finanziert worden sein, die 2012 eigentlich für örtliche Sportförderung gedacht, dafür aber nicht ausgegeben worden seien. Auch im Rathaus wird nicht ausgeschlossen, dass Geld des Vorjahrs vorsorglich für die Mission 2013 gebunkert wurde. Wie berichtet, war allgemeine Auffassung, die Teilnahme Offenbachs an dem von Coca-Cola und Deutschem Olympischem Sportbund ausgerichteten Wettbewerb werde die Stadt keinen nennenswerten Beitrag kosten. Als treibende und organisatorisch verantwortliche Kraft hatte Sportamtsleiter Jürgen Weil stets betont, eine Anschubfinanzierung von Coca-Cola über 40.000 Euro sowie Sponsorengelder könnten die Ausgaben decken.

Tatsächlich entstanden, trotz erheblichen ehrenamtlichen Engagements, Kosten von 336.000 Euro. Der Beamte soll bei Aufträgen mehrfach sein Limit von 12.500 Euro pro Rechnung überschritten haben; unter anderem summierten sich Sicherheitspersonal und Stromversorgung für eine Riesenveranstaltung zum Abschluss auf 170.000 Euro, zudem wurden für Marketing und eine bei der Organisation eingespannte Agentur 110. 000 Euro vereinbart. Der siegreiche Finalgegner Bocholt hat bei Gesamtkosten von nur 80.000 Euro gerade mal 12.000 draufgelegt. Die Stadt muss wohl oder übel zahlen. Der zuständige Sportdezernent, Bürgermeister Peter Schneider (Grüne), glaubt, dass dies aus noch vorhandenen Mitteln des Sportetats 2012 zu bewerkstelligen sein wird. Zum Verdacht, dass der Offenbacher Sportwelt etwas bewusst vorenthalten worden sein könnte, will er sich nicht äußern. Der Vorgang wird auch unter disziplinarrechtlichen Aspekten untersucht.

Die Idee, am Wettbewerb teilzunehmen, brachte der auch als „Eventmanager“ auf den Posten geholte Jürgen Weil Anfang 2012 beim damaligen Sportdezernenten, Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD), vor. Der unterschrieb die Bewerbung. Da die Sache nichts kosten sollte, war für ihn ein Magistrats- oder gar Stadtverordnetenbeschluss überflüssig. Damit tritt der OB auch dem Vorwurf der CDU entgegen, er habe damals nichts gegen eine eigenmächtige Mission-Olympic-Bewerbung des Sportamtsleiters unternommen. Ende 2012 übernahm Peter Schneider das Sportressort und zweifelte nicht an der Kostenneutralität des Projekts. Als Amtsleiter Weil im Frühsommer 2013 von zäher als kalkuliert laufendem Sponsoring berichtete, wurden beide Schneiders bei EVO und Sparkasse vorstellig. Das brachte Geld, aber unter dem Strich blieben die milden Gaben insgesamt deutlich unter Weils Erwartungen.

Mission Olympic: Sport rund um die Uhr

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Der Sportdezernent versichert, öfter nachgefragt zu haben, aber immer die Antwort erhalten zu haben, dass die Finanzierung „durch Haushaltsmittel“ gesichert sei. Er sei davon ausgegangen, dies sei auf das übliche Budget des Sportamts für eigene Projekte und Veranstaltungen gemünzt gewesen. Zudem seien sechs der sieben deutlich über der Verfügungsgrenze von Amtsleitern liegenden Aufträge erst Ende August, also kurz vorm Massenauftrieb am 6. und 7. September, erteilt worden. Der Skandal ist ein gefundenes Fressen für die Opposition. Die CDU fordert den Magistrat auf, die Aufklärung durch eine neutrale Instanz leisten zu lassen. Bürgermeister Peter Schneider werfen die Christdemokraten vor, bei ihm hätten die Alarmglocken schrillen müssen, als die Nachricht von zögerlichen Sponsoren an ihn herangetragen worden sei.

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