Wegen Tunnelsperrung in Frankfurt

Am Verkehrsknoten Offenbach-Ost ist viel los

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Wenn nicht gerade der OFC im nahe gelegenen Stadion spielt, ist die Station Offenbach-Ost eher leer. Wegen der Tunnel-Sperrung in Frankfurt wird der Bahnhof nun zum Knotenpunkt.  

Offenbach/Frankfurt - Einen Monat lang ist der Frankfurter S-Bahn-Tunnel gesperrt. Das bedeutet für Tausende Fahrgäste: Umwege, Verspätungen, Ausfälle. Eine Testfahrt von Offenbach zum Frankfurter Flughafen zeigt: Vorbereitung ist alles. Von Sarah Neder

Treppauf zum Bahnsteig von Offenbach-Ost. Entlang der weißen Linie stehen Menschen aufgereiht wie an mehreren Perlenketten. Einige treten ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. Manche starren unentwegt auf die Anzeigetafel, als würden sie den Minutenberg mit ihren Augen schmelzen wollen. Ein großer, dünner Mann beugt sich weit nach vorne, auf einem Fuß stehend, bis sein Kopf auf der Höhe der Bahnsteigkante ist. Guckt nach rechts. Nichts. „Scheiß Bahn“, zischt er etwas unfein, und er zischt für viele. Wenige Minuten später verheißungsvolles Metallknirschen. Sie kommt, die Rettung in Rot, die „scheiß Bahn“, endlich. Die Türen öffnen sich unter schrillem Pfeifton, die Massen drängen rein, wer aussteigen will, muss warten oder sich am Strom vorbeiquetschen. Drinnen, gefühlt doppelt so warm und stickig wie auf dem Bahnsteig, kein Sitzplatz. Dann eben klebrige Haltestange.

Die S1 aus Ober-Roden ist die einzige Linie, die von Offenbach bis Frankfurt fährt. Alle anderen kehren am Kaiserlei um. Ausnahmezustand herrscht auf den Schienen, weil der komplette S-Bahntunnel dicht ist. Ausnahmezustand auch an Offenbach-Ost, weil dort die einzige Bahn nach Frankfurt hält und ein Bus Reisende bis zum Flughafen fährt. Die sonst eher verwaiste Station ist im Moment ein Knotenpunkt. Mit der S-Bahn bis zum Flughafen, so der Test. Normalerweise fahren S8 und S9 direkt von Offenbach dorthin. Doch heute fährt nur die S1. Etwa einen Monat lang wird sie am Frankfurter Hauptbahnhof ihre Endstation haben. Sie kann aber überhaupt nur soweit fahren, weil sie auf dem Gleis der Regionalbahnen rollt. Das bedeutet: Einziger Stopp ist Frankfurt Süd.

Vorbereitung ist alles

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Praktisch findet das Robert Schenderlein. Er und sein Hartschalenkoffer sind unterwegs zum Hauptbahnhof, um mit dem Bus zum Flughafen Frankfurt Hahn zu fahren. Dann geht’s weiter nach Valencia. „Weil die Bahn nur einmal hält, bin ich schneller da, als sonst“, sagt er schulterzuckend. Normalerweise steigt Schenderlein am Ledermuseum in die S-Bahn nach Frankfurt ein, heute musste er den Umweg über Offenbach-Ost nehmen. „Schon komisch, erstmal in die falsche Richtung zu fahren“, findet er. Etwas nervös sei er auch gewesen wegen der Tunnelsperrung. Dank Internet habe er schnell die richtige Verbindung gefunden. Also doch Spanien statt Balkonien. 25 Minuten nach Abfahrt Ausstieg am Frankfurter Hauptbahnhof, in der großen Halle, wo sonst die Regionalzüge einfahren.

Es geht auch schneller: Der Bus von Offenbach-Ost zum Flughafen braucht etwa eine halbe Stunde. 

An den Gleisen drängeln sich Berufspendler und Urlauber, Anzüge und Koffer, Lederschuhe und Badelatschen. Doch wer vorbereitet ist, ertrinkt nicht im Chaos. Im Internet können sich Pendler über die Ersatzfahrpläne informieren, Reisende ohne Zugang zum Netz bekommen schnelle Auskunft am aushängenden Notplan. Irgendwo im Gewühl: Mitarbeiter von Bahn und RMV, deren rote Mützen oder kreisch-gelben Westen rufen: „Wir helfen ihnen durchs Chaos!“. Auf den Anzeigetafeln weisen weiße Schriftbänder den Weg.

Mit Hilfe geht’s schnell in Richtung Ziel: Flughafen, Abfahrt auf Gleis 21. Auch dort: Gedrängel, Gerenne – keiner will die Bahn oder gar den Flieger verpassen. Sitzplätze gibt’s schon zehn Minuten vor Abfahrt nicht mehr. Anzeichen für Stress ja. Aber nicht für ein Verkehrschaos.

Etwa in der selben Zeit, wie sonst erreicht die S9 vom Hauptbahnhof den Flughafen. Die Fahrt von Offenbach kommt insgesamt aber auf eineinhalb Stunden. Denn richtig Zeit kostet es, unvorbereitet zu sein. Orientierungsloses Herumirren und nach dem richtigem Gleis zu fragen, stehlen wichtige Minuten.

Nicht nur die Urlauber, auch Berufstätige stellen sich immer mehr auf die vorübergehenden Änderungen ein. So erzählt eine Frau am Bahnsteig, sie habe am Montag, also am ersten Tag der Tunnel-Sperrung, drei Ersatzverkehrsbusse verpasst – wegen Überfüllung. Statt einer guten Stunde brauche sie jetzt zwei zur Arbeit in Kelkheim. Um trotzdem nicht zu spät zu kommen, beißt sie in den sauren Apfel und steht morgens eine Stunde früher auf.

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