Wie man sich ein Grab „erpflegt“

Neues Angebot für den Alten Friedhof

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Auf dem unter Denkmalschutz stehenden Alten Friedhof sind viele Gräber mit aufwendigen Steinmetzarbeiten ausgestattet. Gibt es keine Angehörigen mehr, können Paten diese Gräber erhalten.

Offenbach - Wer auf dem Alten Friedhof Offenbachs bestattet werden möchte, muss normalerweise einer Familie angehören, die dort bereits lange ein Grab ihr Eigen nennt.

Ein neues Angebot macht die letzte Ruhe in denkmalgeschütztem Ambiente jetzt allgemein zugänglicher: Man kann sich ein Grab dort sozusagen erpflegen. Alte Kreuze sind von Rankgewächsen überwuchert, Flechten machen Grabinschriften unleserlich, an Steinblumen sind Blütenblätter abgebrochen, geschwungene Ornamente und Sandsteinsimse bröckeln: Vielen historischen Grabmälern auf dem unter Denkmalschutz stehenden Alten Friedhof droht der Verfall.

Oft gibt es keine Angehörigen mehr, die sich um den Erhalt historischer und oft mit großer Steinmetzkunst aufwendig gearbeiteter Grabsteine kümmern. 21 Ehrengräber pflegt die Stadt, darunter die des Staatspräsidenten des Volksstaates Hessen, Carl Ulrich († 1933), des Fabrikanten Ludo Mayer († 1917) oder des Ehrenbürgers Siegfried Guggenheim († 1961).

Nun wurde in die Friedhofsordnung aufgenommen, dass auch Privatleute Patenschaften für Grabstätten übernehmen, deren Nutzungsrecht abgelaufen ist, das heißt, für solche ohne Angehörige, die für die Pflege aufkommen und die Anlagen vor dem Verfall bewahren. Dafür wird eine Vereinbarung zwischen Bürger und Friedhofsverwaltung unterzeichnet.

Engel und Mausoleum: Unterwegs auf dem Alten Friedhof

Je nach Zustand der Grabstätte ist unterschiedlicher Einsatz erforderlich: Manchmal lässt schon eine Behandlung mit einer Wurzelbürste Inschriften und Ornamente oder Gesichtszüge einer Statue wieder zum Vorschein kommen, manchmal muss ein Steinmetz ein altes Grabmal fachgerecht wieder aufarbeiten. Entsprechend groß ist die Bandbreite des Engagements. Als Gegenleistung gibt es das Nutzungsrecht an der Grabstätte – sei es für einen selbst oder für Angehörige.

Vereinzelt gibt es schon Offenbacher, die sich in Absprache mit der Friedhofsverwaltung um historische Grabstätten kümmern und originalgetreu wieder aufarbeiten lassen. Auch gibt es Beispiele von Bürgern, die bei einem Grab die Bepflanzung übernehmen, weil sie anhand der Geburts- oder Sterbedaten Parallelen zur eigenen Biografie sehen. (tk)

Wer sich für eine Patenschaft für ein Grabmal auf dem Alten Friedhof interessiert, kann sich an die Verwaltung, Tel.: 069/840004 594, wenden.

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