„Zeitreise durch Musikjahrzehnte“

Neues aus Bastelkeller

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Das Bild täuscht: Die Männerstimmen sind bei den Just Harmonists in der Unterzahl; Interessenten sind willkommen.

Offenbach - Eigentlich sind sich Wilma und Hebbert nicht grün. Könnte denken, wer beim Jahreskonzert 2013 der Just Harmonists war. Da stand ihre Beziehung auf der Kippe. Aber alte Liebe rostet nicht. Von David Heisig

Und so führten beide wieder durch das Programm des Chors im Saal der Frei-religiösen Gemeinde. Die Begrüßung übernimmt ein anderes Paar. „Auf eine schöne Zeitreise“ wolle man gehen, betont Axel Künkel vom Vorstand. „Ach, weißt du noch, was wir da alles gesungen haben?“, unterstützt ihn Kollegin Ingrid Ortmann. Die Idee der Zeitmaschine hatte Achim Ortmann, der auch Hebbert spielt. So war der Titel „Zeitreise durch die Musikjahrzehnte“ geboren. Nach „Ach, wie schee is Offebach“ wollte der Chor das Konzert erneut mit einer Rahmenhandlung versehen.

Wilma betritt die Bühne. „Hebbert is seit zwei Tagen verschwunne“, sagt sie. Zuletzt habe sie ihn im Bastelkeller gesehen. Er war in einer anderen Zeit; hat er doch eine Zeitmaschine erfunden, mit der die Harmonists durch die Musikjahrzehnte reisen können. Dass er schon ans Ende des Konzerts gereist sei und die Leute kräftig „Zugabe“ gebrüllt hätten, sorgt für erste Lacher. „Einfach nur singen“ ist nicht Plan der Harmonists. Künkel scherzt: „Wilma kann gar nicht singen.“ Manuela Schwing, Freundin des Chors, schlüpft gern in die Rolle.

Los geht’s mit „It’s My Life“

Los geht’s mit „It’s My Life“ von Bon Jovi. „Hebbert, isch werd verrückt. Des funktioniert ja werklisch“, ist Wilma aus dem Häuschen. So wird aus dem „Wo sind wir?“ ein „Wann sind wir?“. Es geht durch die Kindheit der beiden, wenn „California Dreamin’“ von The Mamas and the Papas gesungen wird. „All the leaves are brown“, das passt zum Wetter vor der Tür. Romantische Erfahrungen liefert Elton Johns „Don’t Let The Sun Go Down On Me“. Unterstützt werden die Harmonists vom Gastchor Quarter to nine aus Kilianstädten, einem weiteren Chor von Peter Krausch. Der Offenbacher ist zu Hause in christlichem wie weltlichem Gesang. Geprobt wird im evangelischen Gemeindehaus Waldhof. Der Chor ist der Gemeinde verbunden, tritt zweimal im Jahr mit Gospel im Gottesdienst auf. Das Repertoire ist aber weltlich.

Viele Just Harmonists sind noch aus der Zeit der Polyhymnian Harmonists dabei. Da bildeten sie die junge Fraktion der Polyhymnia Bieber. Als eigener Verein setzen sie das fort, als Harmonists, aber nur „just“. Musikalisch geht es weiter mit Quarter to nine. Eigentlich habe er „nix mit Zeitreisen am Hut“, so der Chor. Er komme von „hinter dem Fluss, über den Berg“, nicht aus der „Weltstadt am Main“, kokettiert er mit seiner Herkunft. Der Einladung ist er gern gefolgt. „Son Of A Preacher Man“ ist der erste Titel.

Chorfestival in Hanau

Chorfestival in Hanau

Informationen zu Konzerten und Proben: www.jh-of.de

Der Gesang ist solide. Krausch führt seine Sänger am Flügel gekonnt durch die Partituren. Wert legt er darauf, dass seine Leute mitgehen, ihre Begeisterung aufs Publikum übertragen. Das gelingt den Frauen besser, sie swingen zu Songs wie „Easy Lover“ von Phil Collins oder „Under Pressure“ von Queen. Vielleicht, weil sie den größten Teil des Chors ausmachen: Männer sind deutlich in der Unterzahl. So müssen sich Tenor und Bass auf das Stimmliche konzentrieren. Männliche Unterstützung werde gesucht, betont Künkel. Die Proben am Donnerstag sind offen für Neue. Das Publikum macht keine Schwierigkeiten: Von Anfang an applaudiert und jubelt es. Was auch daran liegen mag, dass vor allem Familie und Freunde anwesend sind.

Nach der Pause sind wieder die Harmonists dran: „Ride Like The Wind“ von Christopher Cross oder „Tears In Heaven“ von Eric Clapton bringen sie dar. Es geht also auch ernst, zumindest wohlig-traurig, wenn man an den ernsten Hintergrund des Clapton-Textes denkt, der an den Unfalltod seines Sohns erinnert. Zu „Angel“ von Robbie Williams schwenkt das Publikum Leuchtstäbe. „She’s Got That Light“ von Orange Blue beschließt das Konzert. Als Zugabe beenden beide Chöre das Programm mit einem Klassiker von Queen: „Bohemian Rhapsody“.

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