Das Bedürfnis nach Komfort

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Mit den Jahren kommt bei vielen das Bedürfnis nach Komfort. Per Fernbedienung richtet Christoph Kaiser das Ausstellungsbett.

Offenbach - Es gibt kleine Ereignisse, die über Jahrzehnte wirken. In den 1920er Jahren verloren viele ihre Arbeit. Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise waren es mehr als sechs Millionen. Damals musste auch der Hanauer Kaufmann Emil Kaiser Stempeln gehen. Von Stefan Mangold

Um sich und seine Familie über Wasser zu halten, bot er den Leuten an, ihre Bettdecken abzuholen und im gereinigten Zustand zurück zu bringen. „Was auch heißt, die zerbrochenen Federn auszutauschen“, erzählt Enkel Christoph Kaiser. Die Entscheidung des Großvaters beeinflusste dessen berufliches Leben.

1926 meldete Emil Kaiser die Firma „Betten-Kaiser“ beim Gewerbeamt an. Er beließ es jedoch nicht bei Reinigung und Federtausch in einem Hinterhof an der Kirchgasse in Hanau. Kaiser begann, mit Matratzen und Betten zu handeln und eröffnete Anfang 1939 sein erstes Ladenlokal in Hanau. In diesen Tagen feiert die Firma Betten-Kaiser ihr 85-jähriges Bestehen - natürlich auch in Offenbach; im „Neues Bettenhaus“ an der Herrnstraße 11. „Mein Vater Karl-Heinz eröffnete die Niederlassung 1968“, erinnert sich Christoph Kaiser, der heutige Chef in der dritten Generation.

In Offenbach 14 Angestellte

Damals ging er als Jugendlicher mit Stift und Zettel während der Inventur durch Verkaufsraum und Lager. Vor den späteren Umbauten war alles noch kleiner. Kunden, die heute reinkommen, wunderten sich oft, „wie groß wir sind“. Auf zwei Ebenen und gut 600 Quadratmetern Fläche verkauft der Textilbetriebswirt mit seinen Mitarbeiterinnen alles rund um das Bett. Insgesamt beschäftigt Christoph Kaiser in Offenbach 14 Angestellte. Auch seine Frau Gabriele hilft mit.

Das Gros der Kundschaft besteht nicht aus jungen Menschen. Vielleicht auch deshalb, weil die noch nicht wissen, wie sich Rückenschmerzen anfühlen. „Das Alter unserer Kunden beginnt meist ab 35.“ Dann, wenn es anfängt zu zwicken oder der Sinn nach mehr Komfort steht. Etwa nach einem Bett, das sich über die Fernbedienung in eine bequeme Position zum Lesen oder Frühstücken verstellen lässt.

Auch deshalb folgt Kaiser, wenn es um die Auswahl seines Personals geht, keinem Jugendwahn wie andere Branchen. Im Gegenteil. Erst vor kurzem habe er ganz bewusst eine 51-Jährige eingestellt. Mit Renate Dreikämper, Doris Schüle und Marianne Burbach beraten sogar drei Frauen, die schon das Rentenalter erreicht haben. „Ich habe sie gefragt, ob sie nicht für ein paar Stunden die Woche weitermachen wollen.“ Denn Kaiser, der eine stoische Ruhe ausstrahlt, schätzt an seinen Mitarbeitern, „wenn sie den Kunden durch ihre Erfahrung individuell beraten können“.

Die meisten sind Stammkunden

Die meisten, die im Neuen Bettenhaus einkaufen, sind Stammkunden. Was für ein Bettenfachgeschäft etwas anderes heißt als beispielsweise in der Gastronomie. „Wer bei uns nach zehn Jahren eine neue Matratze kauft, gehört dazu.“ Manche kennt Christoph Kaiser noch aus der Zeit, als er selbst als Jugendlicher bei seinem Vater im Geschäft aushalf.

Zum 85. Firmenjubiläum gibt das Neue Bettenhaus der gesamten Kundschaft bis Ende des Jahres Rabatte. Und eines hat sich seit den Anfängen des Geschäfts nie geändert: „Noch heute reinigen wir Daunendecken.“ Link zur Internetseite des neuen Bettenhauses.

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