Stadt schießt 350.000 Euro zu

Fürs Klingspor-Klima darf investiert werden

Das Klingspormuseum hat seit 2011 sein Dachgeschoss wieder – hier die Computersimulation.

Offenbach - Gute Taten können Folgekosten haben. Die mit viel Bürgerengagement verwirklichte Aufstockung des Klingspormuseums erforderte ab 2009 auch einen stattlichen städtischen Finanzbeitrag. Von Thomas Kirstein 

430.000 Euro hatte der Förderkreis gesammelt, die Differenz zu den am Ende auf 1,4 Millionen Euro gestiegenen Gesamtkosten genehmigten die Stadtverordneten als Zuschuss. Demnächst sollen sie – in Zeiten schutzschirmbedingter Vertagungen von Investitionen – weitere 350.000 Euro fürs Klingspor absegnen. Insgesamt 400.000 Euro soll einer Vorlage des Magistrats zufolge die Klimatisierung der Bibliothek im Dachgeschoss und Ausstellungsräumen im Erdgeschoss kosten. Die Differenz decken mindestens 50.000 Euro, die der Aufstockungs-Förderkreis noch an Spenden übrig hat.

In diesem Umstand findet sich neben der funktionalen Notwendigkeit ein aktueller Antrieb für die Magistratsvorlage. Der rührige Verein muss den Rest der zweckgebundenen Spendensumme baldmöglichst einem Projekt im Klingspormuseum zukommen lassen. Ansonsten wird das Finanzamt ungeduldig.

„Nächstes Jahr sollte es schon sein, damit die Gemeinnützigkeit nicht verloren geht“, sagt Förderkreis-Vorsitzender Dr. Thomas Lanio, der freilich vom Vorstoß des Magistrats zum jetzigen Zeitpunkt wie auch von der Höhe der Kostenschätzung überrascht ist. Die Klimatisierung indes sei dringend notwendig, die Bestände des Museums seien in einem nicht förderlichen Lagerzustand.

Angedacht, eingefroren und wieder ausgepackt

Die Maßnahme war schon länger angedacht, ist aber wegen der Schutzschirm-Diskussion eingefroren worden. Lanio war bislang auch davon überzeugt, dass mit beim Museumsverband beantragten Mitteln an die 150.000 Euro zur Verfügung stünden und sich der Stadtanteil in Grenzen halten würde.

Dr. Stefan Soltek, der Leiter des Klingspormuseums, geht jedoch von nur 50.000 Euro aus, die, wenn bis Sommer 2015 zumindest geplant wird, den städtischen Anteil dann auf 300.000 Euro reduzieren könnten. Für ihn ist eine Klimatisierung überfällig, hätte eigentlich von vornherein in das Gebäude gehört. „Die Schädigung von Beständen ist ein schleichender Prozess, Bücher können bereits mikrobiotisch befallen sein, bevor man etwas feststellt“, sagt er.

Die von Oberbürgermeister und Kulturdezernent Horst Schneider unterzeichnete Vorlage begründet die Notwendigkeit der klimatischen Aufrüstung damit, dass die Bestände derzeit „jahreszeitlich bedingten klimatischen Schwankungen ausgesetzt“ seien. Eine Stabilisierung sei Grundvoraussetzung für die Steigerung der Aufbewahrungsqualität. Die Verbesserungen – eine Luftkühlung und eine Begrenzung der Luftfeuchte – kommen einerseits den eigenen Beständen zugute und helfen andererseits, die gängigen Auflagen von Leihgebern temporärer Ausstellungsstücke zu erfüllen.

Das international renommierte Museum für Buch- und Druckkunst verfügt durch den Dachausbau seit 2011 über 132 Quadratmeter zusätzliche Fläche, einen barrierefreien Zugang und eine hübsche Terrasse. Optisch hat die Herrnstraße gewonnen: Das neue Mansarddach hat einen Schaden behoben, den Weltkriegs-Bomben dem Seitenflügel des Büsingpalais zugefügt hatten.

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