Ummelden von zuhause aus

Neues Digitalangebot im Offenbacher Bürgerbüro

Bürgerbüro-Sachgebietsleiterin Monika Leonhardt führt das neue Online-Angebot vor.
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Ummelden per Klick: Monika Leonhardt führt das neue Online-Angebot vor.

Den neuen Wohnsitz an-, das alte Auto abmelden: Auch während der Corona-Pandemie sind die Dienstleistungen des Bürgerbüros gefragt. „Im Gegensatz zu anderen Kommunen der Region haben wir unser Angebot die ganze Zeit aufrechterhalten – mit Ausnahme eines Tages blieb das Bürgerbüro geöffnet“, betont der zuständige Dezernent, Bürgermeister Peter Freier.

Offenbach - Auch dem Aufruf, nur wirklich notwendige Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, sei weitgehend Folge geleistet worden. „Im April konnte ohnehin niemand ins Ausland reisen – Reisepässe mussten nicht beantragt werden“, sagt er.

Dass während der Pandemie das Auto zunehmend in den Fokus rückt, schlägt sich auch in Zahlen nieder: 14 711 Zulassungsanträge wurden gestellt. Ein Großteil folgte dem Aufruf des Bürgerbüros und entschied sich für Händlerzulassungen. Gefühlt sei fast jede zweite Neuzulassung die eines Wohnmobils gewesen, berichtet Amtsleiterin Martina Fuchs mit einem Schmunzeln. „Im Vergleich mit dem Vorjahr hatten wir aber auch ein Plus von 24 Prozent bei Außer-Betrieb-Setzungen von Fahrzeugen“, sagt die Behördenchefin, „das ist ohne Zweifel dem vermehrten Einsatz von Homeoffice geschuldet.“

Während bei den Zulassungen die Bearbeitungszeit bis zur Erledigung bei maximal zwei Tagen liegt, ist der Einwohnermeldebereich das Sorgenkind des Bürgerbüros: Knapp einen Monat dauert hier die Terminvergabe. „Wir arbeiten daran, das zu verkürzen“, betont Markus Eck, stellvertretender Amtsleiter.

Bürgerbüro in der Corona-Pandemie

Vom 16. März bis 31. Juli verzeichnete das Bürgerbüro 56 878 Vorgänge, im gleichen Zeitraum 2019 waren es noch 72 635 Vorgänge. Besonders die Termine direkt in der Kaiserstraße reduzierten sich um über die Hälfte, von 45 516 (in 2019) auf 20 792.

Ein deutliches Plus gab es bei den Händlerzulassungen von Pkw, diese stiegen um 88 Prozent auf 10 128 (im Vorjahr 5 369). Auch die Online-Dienstleistungen sind mit aktuell 35 958 gegenüber 21 750 im Vorjahreszeitraum stärker gefragt. Anfragen per E-Mail stiegen überaus stark an, von 6 640 im Vorjahreszeitraum auf 10 754.

Die Stadt ist auch während der Pandemie weiter gewachsen, wenn auch nicht so schnell wie im Vorjahresvergleich: 3195 Personen haben einen Wohnsitz in Offenbach angemeldet (2019: 4 805), lediglich 67 haben sich abgemeldet. Innerhalb der Stadt sind 1836 Personen umgezogen. Zum Stichtag 30. Juni zählte Offenbach damit 139 621 Einwohner.

Alle Online-Meldedienste des Bürgerbüros finden sich unter www.offenbach.de im Bereich „Rathaus & Service“

Hoffnungen setzt das Team des Bürgerbüros auf das jüngst erweiterte Online-Angebot: Seit Anfang August können Wohnungsummeldungen auch digital erfolgen. Am heimischen PC können über die Seite der Stadt mit nur wenigen Klicks alle Angaben für die Ummeldung innerhalb der Stadt eingegeben werden. „Das System ist wirklich einfach“, sagt Eck, nach knapp drei Minuten sind alle Angaben gemacht und notwendige Bescheinigungen digital angeheftet. „Sobald man das Dokument absendet, gibt es eine Bestätigung per E-Mail“, sagt Sachgebietsleiterin Monika Leonhardt. Mit dieser muss man innerhalb von drei Wochen nur einmal aufs Bürgerbüro, um dort eine Unterschrift zu leisten. „Dieser Gang lässt sich leider nicht vermeiden: Es ist vom Gesetzgeber so vorgesehen, dass die Unterschrift hier geleistet werden muss“, sagt ihr Kollege Patrick Griehl.

Allerdings können diejenigen, die das Online-Formular genutzt haben, auf eine langfristige Terminvergabe verzichten. „Sie können einfach ins Bürgerbüro kommen, ein Ticket ziehen und dann unterzeichnen, das dauert nicht lange“, sagt er. 33 Personen haben bisher das neue Angebot genutzt, acht von ihnen haben den Vorgang bereits abgeschlossen.

Das Angebot sei sehr nutzerfreundlich gestaltet – im Gegensatz zu dem Online-Angebot der Kfz-Zulassung, wie Fuchs selbstkritisch einräumt. „Allerdings liegt das nicht an uns, der Gesetzgeber hat es leider durch seine Regelungen so kompliziert gestaltet. Wir würden es gern kundenfreundlicher machen“, sagt Eck.

Im Zuge des Online-Zugang-Gesetzes des Bundes sollen bis Ende 2022 alle Dienstleistungen auch digital von zuhause ermöglicht werden. In Offenbach sei man auf einem guten Weg, betont man im Bürgerbüro. Mit dem neuen Ummelde-Verfahren würden zudem wichtige Erfahrungen gesammelt, um weitere Online-Angebote zu machen. „Etwa den Zuzug: Der ist komplizierter, da auf Daten aus anderen Kommunen zurückgegriffen werden muss“, sagt Markus Eck. Dennoch würde das jüngste Angebot helfen, auch hierfür nutzerfreundliche Regelungen zu finden, damit bis zum Jahresende auch der Zuzug nach Offenbach bequem von zuhause aus beantragt werden könne.

„Wenn alle Angebote auch digital möglich sind und nur zehn Prozent der bisherigen Nutzer auf das Digital-Angebot zurückgreifen, ließen sich im Jahr 273 Stunden einsparen“, rechnet Patrick Griehl vor – Zeit, die für weitere Dienstleistungen genutzt werden könne.

Von Frank Sommer

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