Dringend nötige Zuflucht

Gewalt gegen Frauen: Offenbach beschließt neues Frauenhaus

Die Räumlichkeiten im Frauen- und Kinderhaus sind nicht nur zu klein und längst nicht mehr angemessen, es gibt auch zu wenige.
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Die Räumlichkeiten im Frauen- und Kinderhaus sind nicht nur zu klein und längst nicht mehr angemessen, es gibt auch zu wenige.

In der Corona-Pandemie hat die Gewalt gegen Frauen nicht abgenommen – im Gegenteil. In Offenbach soll ein neues Frauen- und Kinderhaus entstehen.

Offenbach – Über 1600 Frauen haben seit Eröffnung des Offenbacher Frauenhauses 1993 dort Zuflucht vor physischer oder psychischer Gewalt gesucht. Doch schon längst genügen die vorhandenen Zimmer nicht mehr den heutigen Belangen, deren Anzahl ist zudem völlig unzureichend. Am Donnerstag (11.11.2021) haben daher die Stadtverordneten den Weg für ein neues, Frauen- und Kinderhaus, wie die Einrichtung heute heißt, gemacht.

Eingebracht hatte den Antrag die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP, die CDU ergänzte, dass die Planung in enger Abstimmung mit dem Trägerverein „Frauen helfen Frauen“ erfolgen soll. Mit überwältigender Mehrheit, einzig die AfD, verweigerte ihre Zustimmung, wurde der Magistrat beauftragt, ein neues, zeitgemäßes Frauen- und Kinderhaus zu errichten.

Derzeitiges Frauenhaus in Offenbach reicht nicht aus

Denn die zehn Familien- und zwei Einzelzimmer, die das jetzige Haus bietet, reichen längst nicht mehr aus. „Die Küche ist nur eingeschränkt nutzbar“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzende Helena Wolf, „so geht es nicht weiter.“ Zacharoula Bellou (CDU) ergänzt, dass der Trägerverein erklärte, dass sobald ein Zimmer frei werde, dieses schon nach zwei Stunden wieder belegt sei.

Zumal laut der 2018 für Deutschland in Kraft getretenen Istanbul-Konvention jede Großstadt verpflichtet ist, pro 10 000 Einwohner ein Familienzimmer zur Verfügung zu stellen. Für Offenbach mit seinen fast 140 000 Einwohnern würde das bedeuten, dass mit den aktuell zwölf Zimmern zwei zu wenig zur Verfügung stehen. Eine Erhöhung der Anzahl der Zimmer sei „zwingend notwendig“, sagt Wolf.

Der Trägerverein

Der Verein „Ein Frauenhaus für Offenbach“ wurde 1979 erstmals gegründet, löste sich jedoch 1983 auf. Zwei Jahre später wurde er neu gegründet und engagierte sich für die Einrichtung eines Frauenhauses. Eine frauenspezifische Beratungsstelle, die Hilfe bei Gewalterfahrung anbot, wurde 1990 geschaffen. 1992 konnte ein Frauenhaus eingerichtet werden, nachdem die Stadt ein entsprechendes Gebäude zur Verfügung gestellt hat. Der Trägerverein nannte sich in den noch heute gültigen Namen „Frauen helfen Frauen“ um. Im Folgejahr konnte das Haus eröffnet werden. 2019 wird der Zufluchtsort in „Frauen- und Kinderhaus“ umbenannt. Spenden nimmt der Trägerverein „Frauen helfen Frauen e.V. Offenbach“ bei der Städtische Sparkasse Offenbach (BIC: HELADEF1OFF) unter IBAN DE49 5055 0020 0012 0041 84 entgegen. Weitere Infos unter frauenhaus-offenbach.de

Ob, wie es in der Vorlage heißt, das Frauen- und Kinderhaus komplett neu gebaut wird, steht nicht fest. Denn Bauland ist inzwischen rar, zudem benötigt das Objekt besondere Schutzmaßnahmen. Denkbar also, dass es in ein bereits bestehendes Gebäude im Besitz der Baugenossenschaft einziehen soll, das entsprechend hergerichtet wird. Die Suche danach wird jedoch Zeit kosten.

Neues Frauenhaus in Offenbach: „Verantwortung der ganzen Region“

Freilich hätte die Stadt zu diesem Zeitpunkt schon längst weiter sein können: Denn vor knapp einem Jahr, am 5. November 2020, hatte die damals oppositionelle SPD schon einmal einen Antrag zur bedarfsgerechten Erweiterung des Frauen- und Kinderhauses eingebracht, den die Tansania-Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern, aber – wohl mit Blick auf die seinerzeit nahende Kommunalwahl – abschmetterte. Und so wurde vor einem Jahr lediglich beschlossen, zu prüfen, ob eine Vergrößerung nötig wäre – obwohl bereits zu diesem Zeitpunkt die Istanbul-Konvention gültig war und der Trägerverein über die Räumlichkeiten klagte.

Wo denn der damals beschlossene Bericht eigentlich sei, wollten nun die Freien Wähler wissen, während vor allem die FDP bemüht war, die einstige Ablehnung kleinzureden und erneut von der „Verantwortung der ganzen Region“ sprach.

Immerhin, dass eine größere Zuflucht benötigt wird, steht nun außer Frage. Wann sie eröffnet werden kann, das ist jedoch noch ungewiss. (Frank Sommer)

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