Neues Logo verstaubt

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Im Juli 2009 noch voller Zuversicht: Lukas Wagner (oben), Schöpfer des neuen Stadt-Logos, und Oberbürgermeister Horst Schneider.

Offenbach ‐ Ob Lukas Wagner sich noch erinnert? Der junge Mann steht im Juli 2009 im Klingspormuseum oben auf der Leiter, unter ihm Oberbürgermeister Horst Schneider. Von Matthias Dahmer

Die beiden lassen sich stolz ablichten, als der bei der Hochschule für Gestaltung (HfG) laufende Wettbewerb für ein neues Stadt-Logo entschieden ist. HfG-Student Wagner hatte den mit 15.000 Euro dotierten ersten Platz belegt, für die von einer Jury auf die Ränge zwei bis vier gewählten Entwürfe wurden weitere 6.000 Euro spendiert. Insgesamt sind der Stadttochter Offenbacher Stadtinformation Gesellschaft mbH (OSG) die Ideen also 21.000 Euro wert.

Das Fahrrad, welches sich Lukas Wagner vom Preisgeld zunächst kaufen wollte, dürfte schon einige Kilometer auf dem Buckel haben. Sein Logo indes, ein markantes „O“, welches das seit den 70er-Jahren verwendete nüchterne und schnörkellose „OF“ ersetzen sollte, ist tief in einer Schublade im Rathaus verschwunden.

Den Logo-Flop auslöffeln

„Das liegt auf Eis“, windet sich Stadtsprecher und OSG-Chef Matthias Müller. Er ist nicht zu beneiden. Muss er doch bei dem Logo-Flop nun auslöffeln, was ihm - wie zu hören war - die Politik im Allgemeinen und die Grünen im Besonderen eingebrockt haben.

Alle finden es zunächst nämlich mehrheitlich in Ordnung, als unter Federführung der OSG die Suche nach einem neuen Erscheinungsbild, nach dem „Corporate Design“, angeschoben wird. Ein externer Gutachter - was der gekostet hat, will Müller nicht verraten - kommt zu dem Schluss, für Offenbach muss ein neues Logo her. Um die HfG zu unterstützen und weil die wesentlich günstiger ist als Profi-Agenturen, läuft die Umsetzung als Semesterarbeit in einer Klasse von HfG-Professor Klaus Hesse.

„Vor der Entscheidung gab es mehrfach Präsentationen, Vertreter aus Politik, Wirtschaft Kultur und Vereinen waren eingebunden“, sagt Müller. Dass das Logo dann nach getroffener Entscheidung plötzlich nicht mehr gefällt, mag er nicht kommentieren. Zu entlocken ist ihm nur der Hinweis, die Grünen seien bei keinem der Termine im Vorfeld dabei gewesen.

Das Logo eine Herzensangelegenheit von Müller

Mit sich im Reinen ist Müller indes bei der Frage, ob hier am Ende nicht doch vielleicht 21.000 Euro und mehr zum Fenster hinausgeworfen wurden. Zunächst einmal sei mit dem Geld die HfG unterstützt worden, sagt er. Doch auch die Stadt habe von der Zusammenarbeit profitiert. So etwa, als die jungen HfG’ler von ihren Anforderungen an die Gestaltung moderner Internetseiten berichteten. Außerdem müsse es der OSG-Etat auch mal hergeben, dass da etwas dabei ist, was nicht umgesetzt werden kann.

Wie sehr Müller das Logo Herzensangelegenheit ist, mag man daran ermessen, dass er bei der Gegenrechnung zu den 21.000 Euro sogar sich selbst ins Spiel bringt. „Ich verzichte als OSG-Geschäftsführer auf ein entsprechendes Gehalt und auf einen Dienstwagen“, so Matthias Müller. Er habe zudem die 1999 gegründete OSG von einem defizitären Betrieb zu einem Profit-Center gemacht, welches etwa mit Capitol Classic Lounge, Mainuferfest oder Lichterfest eine erhebliche kulturelle Leistung für die Stadt erbringe.

HFG-Professor  Hesse ist entspannt

Bei Übernahme der Aufgaben Ende der 80er-Jahre - damals noch als städtisches Amt - habe der Jahresumsatz 90.000 Euro betragen, mittlerweile liege er bei zwei Millionen, rechnet Müller vor.

Entspannt gibt sich HfG-Professor Klaus Hesse: Er hat schon für mehrere Kommunen Logos entworfen, und man müsse immer damit rechnen, dass es „in einem demokratischen Prozess“ am Ende auch mal nicht klappt mit der Umsetzung. „Wir sind nicht enttäuscht, die Stadt hat sich uns gegenüber fair verhalten“, spricht Hesse für seine Studenten.

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