Grundstein gelegt

Neues Polizeipräsidium soll April 2021 bezugsfertig sein

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Von Verantwortlichen der Stadt, des Landes und der Bauherren umringt, bereitet ein Mitarbeiter des Bauinvestors Goldbeck die Zeitkapsel für die Grundsteinlegung vor. Natürlich darf darin auch die tagesaktuelle Ausgabe der Offenbach-Post nicht fehlen.

Offenbach - Mit stattlichen sechs Jahren Verspätung bekommt Offenbach sein neues Polizeipräsidium am Spessartring. Eigentlich hätte es schon im Jahr 2015 bezugsfertig sein sollen, aber aufgrund diverser Schwierigkeiten – vor allem im Vergabeverfahren – wird es nun April 2021, bis der ehrgeizige Neubau steht. Gestern war die Grundsteinlegung. Von Marian Meidel

Finanzstaatssekretär Martin Worms findet bissige Worte.

Dass auf der großen Wiese am Buchhügel gestern trotz leichten Regens Ausgelassenheit herrscht, ist wohl maßgeblich der Erleichterung geschuldet. Dass der Grundstein für das neue Polizeipräsidium Südosthessen endlich – wenn auch vorerst nur symbolisch – gelegt wird, lässt alle Beteiligten merklich aufatmen. Nach dem ursprünglichen Plan hätte das 200 Meter lange Gebäude schon vor drei Jahren bezugsfertig sein sollen. Den aktuellen Prognosen der Bauherren zufolge, wird es den Gesetzeshütern jedoch erst im April 2021 übergeben. Für den Dienstherren der hessischen Polizei, Innenminister Peter Beuth, ist das Projekt ein Beispiel dafür, wie viel das Land für seine Polizei tue. Und er erkennt ein „epochales Bauwerk“. Darauf nimmt Finanzstaatssekretär Dr. Martin Worms Bezug: „Ich sehe jedenfalls erst mal ein epochales Baugelände.“ Die ersten Überlegungen für einen Neubau seien länger als zehn Jahre her: „Ich kenne den scherzhaften Spruch, der wegen des langen Prozesses bis zum Vertragsabschluss die Runde drehte: ,Niemand hat die Absicht, ein Polizeipräsidium zu bauen.’“

Angesichts des Umstandes, dass der hiesigen Polizei bereits Anfang des Jahrtausends ein geräumiger Ersatz der beengten Verhältnisse in der Geleitsstraße versprochen wurde, mag man den Skeptikern diesen Galgenhumor kaum verübeln. Die Ursachen für die Verzögerung sind mannigfaltig. Zunächst blieb lange die Frage ungeklärt, ob das Land selbst bauen oder eine sogenannte öffentlich-private Partnerschaft eingehen sollte, bei der der Bauherr das Gebäude errichtet und betreibt, während das Land nur Mieter ist. Man entschied sich für zweitere Lösung.

Die Baukosten von 162 Millionen Euro streckt der private Investor, das Bauunternehmen Goldbeck, vor. Anschließend mietet das Land an: So kommen auf 30 Jahre betrachtet 400 Millionen Euro auf den Steuerzahler zu. Goldbeck hatte nach einem langwierigen Vergabeverfahren den Zuschlag erhalten. Doch dann ging ein unterlegener Konkurrent juristisch gegen die Entscheidung vor.

Nicht das einzige Ärgernis in diesem Zusammenhang: Auch auf Seiten der Stadt dürften die Verantwortlichen das eine oder andere graue Haar bekommen haben. Die Stadt war nämlich in Vorleistung gegangen und hatte das Grundstück am Buchhügel gekauft. Das Land wollte die als Kaufpreis vereinbarten zehn Millionen Euro aber erst erstatten, wenn ein Vertrag mit einem Investor unterzeichnet wurde – und Goldbeck wiederum wurde durch die juristischen Streitereien aufgehalten. Fünf Mal musste die Stadt die Kaufoption fürs Land deshalb verlängern. „Natürlich ist es für uns auch insofern ein interessantes Datum, dass wir jetzt das Geld für das Grundstück überwiesen bekommen haben“, sagt Bürgermeister Peter Schneider im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das hat uns vorher schon ein bisschen in Sorge gebracht.“ Er finde es schön, dass es mit dem Bau jetzt endlich losgehe. „2021 ist auch ein überschaubarer Zeitraum.“

Auf den Einzug freut sich bereits Polizeipräsident Roland Ullmann. Er betont, dass der Bau vor allem für eines steht: Sicherheit. Fünf Fußballfelder würden auf die 37.000 Quadratmeter große Grundstücksfläche am Spessartring passen, rechnet Staatsekretär Martin Worms den Besuchern der Grundsteinlegung vor. „Hier wird ein Gebäude mit einer Geschossfläche von brutto 75.700 Quadratmetern entstehen.“ Es führe 52 Organisationseinheiten aus aktuell elf unterschiedlichen Liegenschaften zusammen. „Hier entsteht ein hochmodernes, hochkomplexes und energieeffizientes Polizeipräsidium.“ Richtfest will man im Herbst 2019 feiern.

Daten und Fakten zum neuen Polizeipräsidium

  • Insgesamt 37.000 Quadratmeter umfasst das Gelände am Buchhügel, auf dem gestern der Grundstein für das neue Polizeipräsidium Südosthessen gelegt wurde. Auf einer Nutzungsfläche von 35.700 Quadratmetern sollen dort ab Mai 2021 mehr als 900 Polizisten ihren Dienst verrichten.
  • Eine ungewöhnliche Zahl, die man von Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien, bei der Grundsteinlegung erfahren kann: Etwa 70.000 Tonnen wird der Neubau wiegen. Im Vergleich: 71.000 Tonnen bringt das bekannte Kreuzfahrtschiff Aida auf die Waage. Am Offenbacher Spessartring geht also ein imposantes Objekt vor Anker.
  • Für den 200 Meter langen Neubau ist auch eine Kindertagesstätte mit Platz für 20 Kinder vorgesehen. Außerdem sind neben modernen Laboren, einer ausladenden Tiefgarage und einem neuen Zellentrakt auch eine dem zeitgemäßen Standard entsprechende Einsatzleitstelle sowie eine Kantine mit Fokus auf gesunde Ernährung geplant.
  • Die reinen Baukosten für das neue Polizeipräsidium Südosthessen belaufen sich auf 162 Millionen Euro. Das Land mietet an, nach 30 Jahren werden 400 Millionen Euro ausgegeben sein.

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