Arbeiten im Zeitplan 

Neues Polizeipräsidium: Unerwarteter Fund bereitet Probleme

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Wie in einem Bach schlängelt sich das Wasser durch die bis zu zehn Meter tiefe Baugrube für das neue Polizeipräsidium. Im Januar sollen die Aushubarbeiten abgeschlossen sein, dann wird mit dem Rohbau begonnen. Im April 2021 soll das Gebäude fertig sein.  

Offenbach - Bislang ist nur im Ansatz zu erahnen, welche Dimensionen das neue Polizeipräsidium auf dem Buchhügel annehmen wird. Doch eine Begehung der Baustelle zeigt: Es geht stetig voran am Spessartring. Nur das viele Wasser im Boden sorgt für einige Probleme. Von Steffen Müller 

Wer kleine Kinder hat, die von großen Fahrzeugen fasziniert sind, sollte unbedingt an die Rheinstraße fahren. Denn am Buchhügel, dort, wo im April 2021 das neue Polizeipräsidium eröffnet werden soll, prägen Lastwagen, Walzen und Bagger das Bild. Bis zu 90 Lkw verlassen täglich das Gelände, geladen haben sie zumeist Erde. Rund 70. 000 Kubikmeter Ton, Sand, Kies oder Muttererde wurden seit Beginn der Arbeiten im August abgetragen. Und mit den Abtransporten ist noch nicht Schluss. Denn momentan befindet sich die Baustelle in der Erschließungsphase, die Baugrube für das 200 Meter lange Polizeigebäude wird weiter ausgehoben.

„Ab Januar wollen wir mit den Rohbauarbeiten beginnen“, sagt Robin Heidel, Prokurist des ausführenden Bauunternehmens Goldbeck, das gleichzeitig der Investor ist. Bis dahin muss aber weiter Erde abgetragen werden, um die bis zu zehn Meter tiefe Baugrube vorzubereiten. „Am Ende werden es wohl 110 .000 Kubikmeter sein“, schätzt Projektleiter Dirk Strunk. Nach einer Bodenanalyse wird die Erde entsprechend entsorgt oder weiterverarbeitet. Ein Teil des Aushubs geht beispielsweise in den Westerwald.

Doch von der Baustelle am Buchhügel werden Rohstoffe nicht nur abtransportiert. Damit die Baukräne, die ab Januar für den Rohbau im Einsatz sind, das Gelände befahren können, werden bereits jetzt Steine angeliefert, die für eine provisorische Straße benötigt werden. Und auch andere – teils unplanmäßige – Lieferungen sind bereits eingetroffen. Entlang und in der der gesamten Baugrube wurden sogenannte Vakuumlanzen installiert, die das Wasser aus dem Boden ziehen sollen.

„Das viele Wasser hat uns etwas überrascht“, gesteht Bauleiter Dirk Strunk. Woher es kommt, ist wohl auch klar: vom angrenzenden Hainbach. Und wie in einem Bach schlängelt sich das Wasser auch durch die Baugrube, in der sich mittlerweile ein großer See gebildet hat (siehe Bildergalerie). Damit gebaut werden kann, muss der Boden aber so trocken wie möglich sein. Deshalb liegen überall auf dem Gelände Schläuche, durch die das Wasser in die Kanalisation abgepumpt wird. Für den Keller des Polizeipräsidiums besteht aber keine erhöhte Gefahr der Feuchtigkeit. Das Untergeschoss wird mit einer wasserundurchlässigen Wannentechnik errichtet.

Bilder: So sieht es auf der Baustelle des Polizeipräsidiums in Offenbach aus

Das Thema „Wasser“ treibt den Investor Goldbeck generell um. Bislang war das Gelände für das neue Polizeipräsidium Brachland, eine große Wiese. Da im Zuge des Baus der Boden versiegelt wird, entsteht als Ausgleich ein 600 Kubikmeter fassendes Regerückhaltebecken. Das sich dort ansammelnde Wasser fließt entweder in den Hainbach oder in die Kanalisation.

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Auf den Zeitplan hat das Wasservorkommen aber keine Auswirkungen. Das Gebäude soll wie vorgesehen im April 2021 fertig sein, man befinde sich voll auf Kurs, berichtet Strunk. Dabei spielt Goldbeck in die Karten, dass im Gegensatz zu anderen Bauprojekten in Offenbach – etwa beim neuen Spielplatz in der Johannes-Morhart-Straße – bei der weitestgehend abgeschlossenen Kampfmittelsondierung nichts gefunden wurde. Damit es auch weiterhin nicht zu Verzögerungen kommt, sind bis zu 20 Goldbeck-Mitarbeiter vor Ort mit der Planung betraut. In der Bauzentrale in der einstmals für die Kleintierzüchter am Buchhügel vorgesehenen Ausstellungshalle werden einzelne Projekte ausgeschrieben und der Kontakt zu Baufirmen gesucht. „Man merkt, dass wir uns in einer konjunkturellen Hochphase befinden“, sagt Prokurist Heidel. Deshalb sei es wichtig, frühzeitig mit den Planungen zu beginnen und Firmen für die jeweiligen Bauphasen zu gewinnen, auch wenn nicht immer ein exaktes Zeitfenster genannt werden kann.

Vollzug gemeldet werden kann seit dieser Woche für die Aussichtsplattform an der Rheinstraße, von der aus Besucher die Baufortschritte beobachten können. „Sie wird bereits gut angenommen“, freut sich Dirk Strunk. Und das nicht nur von kleinen Kindern...

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