Neues Stadion soll auch eine eigene Bankfiliale bekommen

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Was tut sich auf dem Bieberer Berg: Im Verlagshaus an der Waldstraße berichten (von rechts) Thomas Kalt (OFC-Vizepräsident), Peter Hoffmann (Pressesprecher der Sparda-Bank Hessen), Jürgen Weber (Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Hessen), Peter Walther (Geschäftsführer Stadtwerke Offenbach Holding, SOH), Regina Preis (SOH-Öffentlichkeitsarbeit), Peter Rottschalck und Volker Goll (beide Interessengemeinschaft Stadion).

Offenbach ‐ Das lange politisch umstrittene und mühsam auf den Weg gebrachte Projekt eines neuen Fußballstadions für Offenbach und seine Kickers ist in eine neue Phase eingetreten: Das europaweite Ausschreibungsverfahren läuft. Von Thomas Kirstein

Auf die Ankündigung desselben, Ende Mai 2010, hatten sich 20 Interessenten gemeldet.

Fünf bis acht Bewerber haben die Kriterien erfüllt. Unter anderem müssen sie in den letzten fünf Jahren ein mindestens zehn Millionen Euro teures Fußballstadion in einem EU-Land gebaut haben.

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Diesmal reichen die Kandidaten Pläne ein für eine Spielstätte, die 25 Millionen kosten darf, inklusive Abriss und Infrastruktur, aber ohne Mehrwertsteuer. Das Geld kommt von Land Hessen (12 Millionen), der Stadt und ihrer Stadtwerke Holding (je fünf Millionen) sowie der Sparda-Bank, die zehn Jahre lang je eine halbe Million für die Namensrechte zuschießen wird. Die als Kapitalgesellschaft ausgegliederte Profiabteilung der Kickers wird eine jährliche Miete von 470.000 Euro an die Stadion GmbH (SBB) zahlen.

Die Bewerber reichen ihre Entwürfe nach den Vorgaben der Ausschreibung ein. Verlangt ist ein komplett überdachtes Stadion für zunächst 18.000 Zuschauer, unter dem Dach später auf 21.000 erweiterbar.

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Am 16. Dezember wird das letzte Vorrunden-Spiel der Kickers angepfiffen. Spätestens dann soll klar sein, wer Generalunternehmer sein wird. Spielt das Wetter mit, kann noch vor dem Jahreswechsel mit dem Abriss begonnen werden.

Es wird ein Neubau in Raten, gegen den Rat des DFB erfolgt er während des laufenden Spielbetriebs. Anderthalb bis zwei Jahre kicken die Kickers in einer Baustelle. Eine Tribüne nach der anderen wird abgerissen und neu errichtet. Die Fertigstellung ist für Beginn der Saison 2012/13 vorgesehen. Bereits Ende 2011 soll die Haupttribüne mit den Sitzplätzen fürs Volk, zehn neuen Logen und „Business Seats“ für betuchte Unterstützer stehen, einschließlich ihres Unterbaus mit VIP-Räumen, Sportlertrakt und Kickers-Geschäftsstelle.

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Und mit einem Novum in Deutschland, der Filiale einer Genossenschaftsbank auf einem Sportplatz: Im künftigen „Sparda-Bank Hessen Stadion“ wird die Erwerberin der Namensrechte (auf eigene Baukosten) neben dem Fanartikelshop ihre Dienstleistungen anbieten.

Kickers-Vizepräsident Thomas Kalt blickt auf „wirtschaftlich schwer zu stemmende zwei Jahre im alten Stadion“ zurück. Steht das neue, sieht er allerdings einen deutlichen Wettbewerbsvorsprung vor allen anderen Mitbewerbern in der 3. und in der angepeilten 2. Liga: „Es gibt keinen anderen Verein, der so wenig Miete für ein Stadion zahlt.“

Vier eigenständige Tribünen bilden nach englischem Vorbild das Stadion Bieberer Berg. Ob das auch beim „Sparda-Bank Hessen-Stadion“ der Fall sein wird, ist noch offen, möglich ist auch ein geschlossener Komplex. (Im Hintergrund: das Sportzentrum „Wiener Ring“, vormals Tambourgelände)

„Wir wollen was kriegen, worauf man sich freuen kann“, fasst Volker Goll von der frühzeitig in die Überlegungen eingebundenen Stadion-Interessengemeinschaft die Erwartungen der eingefleischten Anhängerschaft zusammen. Die einmalige Atmosphäre des „Bergs“ darf ihnen nicht verloren gehen. Fest versprochen ist der Basis bereits die Erfüllung ihrer Hauptforderung: dass die Längsseite gegenüber der Haupttribüne, anders als in allen Bundesliga-Stadien, komplett mit Stehplätzen bestückt werde.
Was letztlich auf dem Berg entsteht, ist noch offen. „Wir legen uns bei den Vorgaben an die Bewerber nicht fest, ob geschlossen oder offen, ob eckig oder rund“, sagt OFC-Vize Kalt. Details und ein anschauliches Bild vom neuen Stadion gibt es erst im Winter.

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