Interview mit Peter Schneider

RMV-Tarif: „Lösungen finden, die für alle von Vorteil sind“

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Peter Schneider

Offenbach - Der RMV will ein neues Tarifsystem testen. Fahrten mit Bussen und Bahnen sollen künftig nach Entfernung und nicht mehr wie bisher nach Tarifgebieten berechnet werden. Nachgefragt bei Offenbachs Bürgermeister Peter Schneider (Grüne). Er vertritt die Stadt im Aufsichtsrat des RMV. Von Peter Schulte-Holtey

Sind Sie mit der Entscheidung zufrieden? Viele RMV-Kunden werden damit nicht zufrieden sein.

Ich habe volles Verständnis dafür, dass nicht alle zufrieden sein werden. Das ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch gar nicht möglich. Das jetzt beauftragte Handy-Ticket ist aber ein erster Schritt in Richtung Abschaffung der durch die Wabenstruktur vorgegebenen harten Tarifgrenze mit ihrem Preissprung bei Überqueren der Stadtgrenze. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, von daher bin ich schon zufrieden. Ziel ist dann eine Tarifreform, die die tatsächlich gefahrenen Kilometer grundsätzlich stärker berücksichtigt, ohne neue Ungerechtigkeiten zu erzeugen. Daran wird zu arbeiten sein. Die Erkenntnisse aus dem beschlossenen Pilotprojekt werden da sehr hilfreich sein.

Wiesbaden und Mainz liegen bereits in einer gemeinsamen Tarifzone und haben einen Sondertarif. Warum war eine solche Regelung für Frankfurt und Offenbach bislang nicht möglich – es wird doch seit Jahren diskutiert ...

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Na, möglich ist das schon. Es ist halt wie immer die Frage, was das kostet und wer es bezahlt. Bei 27 Partnern im Rhein-Main-Verkehrsverbund ist es nicht leicht, Entscheidungen zu treffen, sofern einzelne Partner nicht vom Nutzen insgesamt überzeugt werden können. Das geht bei zwei Nachbarstädten deutlich einfacher. Und die Stadt Offenbach kann in Schutzschirm-Zeiten nicht mal einfach alle Lasten einer Änderung im Tarifsystem alleine tragen. Da müssen schon Lösungen gefunden werden, die für alle von Vorteil sind. Das wird mit der großen Tarifumstellung der Fall sein, aber das dauert noch. 

Entwickelt Offenbach nun weitere Forderungen an den RMV? Was sollte sich aus Ihrer Sicht kurzfristig und mittelfristig beim Verkehrsverbund verbessern, um ihn attraktiver zu machen?

Wir werden uns die Entwicklung beim Pilotprojekt genau anschauen, es wird regelmäßig berichtet werden. Und wenn ersichtlich nachgesteuert werden sollte, etwa bei der Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Pilotprojekt, dann werden wir das auch anregen. Ich kann nur alle Interessierten bitten, sich schnell um das neue Handy-Ticket zu kümmern. Mittelfristig brauchen wir eine geänderte Tarifstruktur im RMV, die vor allem auf die zurückgelegte Entfernung abhebt.

Beispiele aus dem neuen RMV-Preissystem

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