Neujahrsempfang für Sportvereine

Etwas mehr Bodenhaftung

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Applaus, Applaus. Sportfunktionäre, Lokalpolitiker und Vereinsvertreter kamen in den VIP-Räumen des Sparda-Bank-Hessen-Stadions zusammen. Kritische Anmerkungen zur fehlgeschlagenen Mission Olympic gab es beim Jahresempfang allerdings nicht.

Offenbach - Den Gürtel enger schnallen. Und wieder etwas mehr Bodenhaftung finden, wie es Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) formuliert. Von Martin Kuhn 

Die Sportfunktionäre erahnen am Buffet des traditionellen Jahresempfangs, wie’s künftig aussehen könnte: Statt Kalbsschnitzel mit Parmaschinken und Basilikumpesto gibt’s am Donnerstagabend Kaltes am Spieß – Würstchen und Gurke, Mozzarella und Tomaten. Offenbar macht die Stadt ernst mit dem Sparen. Ist ja verständlich: Die finanziellen und politischen Nachwehen der Mission Olympic, für die Kosten in Höhe von 280.000 Euro auszugleichen sind, wirken sicher lange nach – und sind am Abend ein Thema. Was Sportfunktionäre und Vereinsvorstände interessiert, die lange mit dem suspendierten Sportamtsleiter gearbeitet haben, bleibt offen: Was macht Jürgen Weil? In Gesprächen und anhand des Applauses wird jedoch deutlich: Ihm grollt in den VIP-Räumen des Sparda-Bank-Hessen-Stadions keiner so richtig.

Der Grünen-Politiker stellt öffentlich klar: „Wenn jemand über Jahrzehnte einen guten Job macht, bin ich der Letzte, der diesen Mitarbeiter verdammt – unabhängig von einzelnen Verfehlungen.“ Dafür gibt es besagten Applaus. Allerdings sei klar, dass jeder Euro, der für Mission Olympic aufzubringen ist, an anderer Stelle fehlt. Die Botschaft des Bürgermeisters: „Aber es fehlt kein Euro bei der Sportförderung.“ Dafür gibt es etwas stärkeren Applaus.

„Offenbach wird eine Sportstadt bleiben“

Geht teils im stimmungsvollen Geplauder unter: DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock antwortet auf die Fragen unseres stellvertretenden Chefredakteurs Jochen Koch.

Alle weiteren Aspekte der menschlichen wie finanziellen Tragödie lässt der Bürgermeister unberührt – verständlich nach der Strafanzeige gegen ihn und Oberbürgermeister Horst Schneider. Er verspricht jedoch: „Sie alle werden sich 2014 eine Meinung bilden können.“ Dann bemüht der Bürgermeister die rot-weiße Tugend „Zusamme schaffe mer’s“: „Das gilt für Sport und Politik.“ Dass die Kommune ihren Beitrag leisten wird, konkretisiert er. Die Sport-Gala im Capitol, seit Jahren glanzvoller Schauplatz für die Offenbacher Sportler-Ehrung, wird es in dieser Form wohl nicht mehr geben. „Klar ist, dass unsere erfolgreichen Athleten in einem würdigen Rahmen geehrt werden. Aber geht es nicht eine Nummer kleiner?“

Apropos klein: Ebensolche Gesten sind es, die Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbunds, erfreuen: „Dass an einem solchen Abend einfach mal Dankeschön gesagt wird – an Menschen, die mehr tun, als sie tun müssen.“ Zurück zur Mission Olympic geleitet Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel die Anwesenden und erinnert: „Für die Sache haben etliche Vereinsvertreter gekämpft und gearbeitet – dafür ein herzlichen Dank; speziell auch an Jürgen Weil.“ Abseits der juristischen und politischen Aufarbeitung hält er fest: „Offenbach wird eine Sportstadt bleiben.“ Nach wie vor eine entscheidende Rolle, vor allem in der Wahrnehmung außerhalb, nehmen dabei die Fußballer der Offenbacher Kickers ein –egal in welcher Liga. Das weiß auch Helmut Sandrock, Generalsekretär des DFB. In einer lockeren Gesprächsrunde, die teils in interessierten Tischgesprächen untergeht, lenkt unser stellvertretender Chefredakteur Jochen Koch immer wieder den Blick auf den „kleinen Fußball“. Für Sandrock ist’s „die Seele unseres Sports; schließlich fangen dort alle mal an“.

Neujahrsempfang für Offenbacher Sportvereine

Neujahrsempfang für Offenbacher Sportvereine

Diese Basisarbeit in den Jugendteams sei unentbehrlich: „Wenn der Amateur-Fußball nicht funktioniert, funktioniert auch der Profi-Fußball nicht.“ Von den gediegenen VIP-Räumen wandert der Blick schnell ins Stadion. „Das sieht schon nach Profi-Fußball aus“, findet der Generalsekretär des weltweit größten Sportverbands. Tja, und warum klappt das dann in Offenbach ähnlich wie in Duisburg oder Aachen trotz großer Tradition nicht? Sandrock: „Da klaffen Anspruch und Wirklichkeit oft zu weit auseinander...“ Einen speziellen Tipp für den aktuellen OFC-Präsidenten Claus-Arwed Lauprecht hat er nicht parat, ist allerdings überzeugt: Der Schnitt (Zwangsabstieg in die Regionalliga, Anm. d. Red.) sei notwendig gewesen und stelle eine Chance dar. „Das Potenzial ist in Offenbach vorhanden - vielleicht mehr als bei so manchem Zweitligisten.“ Da verstummt sogar für einen Moment das Gemurmel und wendet sich in Applaus.

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