Neujahrsempfang für Sportvereine

Gegen das Spar-Diktat

+
Doris Fitschen, Managerin der DFB-Frauennationalmannschaft und Botschafterin der „Respekt-Initiative“, enthüllte am Stadion ein eher dezentes Schild. Es applaudieren Sportkreis-Vorsitzender Peter Dinkel, Sparda-Bank-Vorstand Jürgen Weber, OFC-Vizepräsidentin Barbara Klein und SOH-Geschäftsführer Peter Walther.

Offenbach - Fürs vergangene Jahr listet die Statistik 84 Offenbacher Sportvereine auf. Das sind unterm Strich gut 20.500 Mitglieder. Allein diese Zahlen belegen: Der Sport ist ein gewichtiger Teil der Gesellschaft. Von Martin Kuhn

Er ist gerade für Mandatsträger der Kitt, der vieles zusammenhält. Das erklärt vielleicht den Lapsus auf einigen der ausgelegten Programme in den Businessräumen des Sparda-Bank-Hessen-Stadions. Peter Schneider spricht in seiner Funktion als Sportdezernent zu den Anwesenden. Schwarz auf weiß steht da jedoch: Oberbürgermeister Peter Schneider. „Na, soweit ist es ja noch nicht“, raunt einer der Gäste, ohne sich in Details zu ergehen.

Es zeigt: Dem lokalen Verwaltungschef wird qua Amt der Sport zugeordnet. Offenbar verwirrt es immer noch, dass die Verantwortung des Dezernats vom roten Horst auf den grünen Peter Schneider übergegangen ist. In seinem Grußwort erinnert sich Sportkreis-Vorsitzender Peter Dinkel an diese Personalie: „Als mich Horst Schneider morgens um Neun darüber informierte, war ich zunächst sprachlos.“ Und das heißt etwas bei dem Hainburger, der als wortgewandter Streiter für den Sport gilt.

Den verspäteten Neujahrsempfang für die Ehrenamtler erachtet Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes, als Wertschätzung für die Funktionäre und diejenigen, „die in keiner Bestenliste auftauchen“. Müller warnt in einer kurzweiligen Rede davor, den Sport als eine Art „Spardose der öffentlichen Hand“ anzusehen.

Peter Schneider: „Wo das Geld ankommt, etwas bewirkt, kann man nicht mehr sparen.“

Ob er zusammen mit Peter Dinkel demnächst erneut seine Stimme erheben muss, bleibt offen. Oberbürgermeister und Bürgermeister kommen direkt aus dem Wiesbadener Finanzministerium, wo’s zuvor um die Konsolidierung der angespannten Finanzlage geht. Eine bereits befürchtete Hiobsbotschaft an die Vereinsvertreter wird nicht verbreitet. Peter Schneider beschwört: „Dort, wo das Geld ankommt, etwas bewirkt, kann man nicht mehr sparen.“ Er spricht von einem Balanceakt, trotz leerer Kassen eine lebenswerte Stadt zu erhalten.
„Alle Parteien im Stadtparlament sind sich einig, dass wir die Vereine auf den verschiedensten Wegen unterstützen müssen.“ Es sei erfreulich, den Sportvereinen wie den Sporttreibenden mehrere 100.000 Euro an Zuschüssen und Fördergeldern zur Verfügung gestellt zu haben – auch im vergangenen Jahr. Zudem investiere die Stadt jährlich mehr als 1,2 Millionen Euro in Sportanlagen. Um es mal vorsichtig zu formulieren: Die identischen Zahlen wiederholen sich Jahr für Jahr in schöner Regelmäßigkeit; bei der aktuellen Inflationsrate ist’s ein Minusgeschäft.

Weitaus kritischer ist das Investitions-Programm zu bewerten, auf das vielleicht die Kommunalaufsicht ihr Augenmerk richtet. Im vergangenen Jahr hatte Oberbürgermeister Horst Schneider dem Judo-Club Samurai ein Dojo, also eine Übungshalle in den japanischen Kampfkünsten, im geplanten Neubau der Hafenschule schmackhaft gemacht. Das Projekt scheint zum Stillstand gekommen zu sein: „Ach, alles nur Politiker-Geschwätz“, heißt es aus Sportlerkreisen.

Hoffentlich endet ein anderes Bauprojekt nicht in ähnlicher Art und Weise. Die Rede ist von einem Kunstrasenplatz auf dem Areal der Rosenhöhe. „Wir haben das in den Haushalt eingestellt“, sagt Schneider, „jetzt müssen die Fraktionen sehen, wie sie damit umgehen.“

Wer wird Sportler des Jahres 2012? Hier geht´s zur Abstimmung!

Ein Teil der Vereinsvertreter nickt da zustimmend. „Ja, eine alte Schneider-Idee.“ Allerdings nicht von Peter, sondern von Horst Schneider, brechen sie eine Lanze für den bisherigen Dezernenten. Der habe bei seinem Amtsantritt als Oberbürgermeister alle zwei Jahre einen neuen Kunstrasenplatz für Offenbach zugesagt. Das kommt hin: Zwei sind am Wiener Ring, einer beim BSC entstanden, der auf der Rosenhöhe sei lange geplant. Wer’s letztlich erfunden hat, dürfte zumindest den SGR-Fußballern egal sein.

Nach Interview mit DFB-Managerin Doris Fitschen, Übergabe mehrerer „Respekt“-Pakete und Werbung für die „Mission Olympic“ erwacht der Sportgeist: beim ersten Run auf Schweinebraten, Putengeschnetzeltes und Beilagen...

Kommentare