Schriftkunst gewürdigt

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Die Schreibwerkstatt Klingspor ist Offenbachs Kulturpreisträger 2012. Oberbürgermeister Horst Schneider überreichte die Urkunde an die Kalligraphen Benno Aumann, Maritta Stacks und Gudrun Illert.

Offenbach - Einen voll besetzten Jacques-Offenbach-Saal erlebte das Büsingpalais am Mittwochabend. Und obwohl sich dort auch einige Uniformierte unter Führung der Tollitäten Prinz Matthias I. und Kirsten I. versammelt hatten, kam kein „Hallau“-Ruf über die Lippen der Gäste. Von Claus Wolfschlag

Schließlich ging es nicht um Sprachwitz, sondern um Schriftkunst beim Neujahrsempfang für die Kulturvereine, bei dem auch die Verleihung des städtischen Kulturpreises 2012 auf dem Programm stand. Der damalige Kulturdezernent Stephan Wildhirt hatte 1996 die Idee. Seitdem verleiht die Stadt Offenbach ihren Kulturpreis jährlich an ausgewählte Initiativen oder Einzelpersonen. So konnten sich in der Vergangenheit bereits der Jazz e.V., das Projekt Bleichstraße 14H, der RUK-Rumpenheim Kultur e.V., das Theater t-raum, der Bund Offenbacher Künstler und der Oldieclub an der Urkunde erfreuen.

Diesmal fiel die Wahl auf die Schreibwerkstatt Klingspor Offenbach. Der 1987 von Professor Karlgeorg Hoefer ins Leben gerufene praxisorientierte Verein vereinigt interessierte Kalligrafie-Profis und -Laien. Dr. Stefan Soltek, Leiter des Klingspormuseums, hielt die Laudatio, in der er dem Publikum mit geistreichem Humor und Sensibilität einen Einblick in die Bandbreite der Schriftkunst gewährte. Von Martin Luther bis zu den Schriftkünstlern Rudo Spemann und Rudolf Koch führte sein historischer Abriss. „Offenbach ist eine Stadt der Schrift und eine Stadt des Schreibens“, verkündete er.

Dankesworte steuerte der seit 2001 fungierende Vorsitzende der Schreibwerkstatt, der vorrangig in Mailand lebende Kalligraph Benno Aumann, bei. Aumann wusste erfreut zu berichten, dass die Mitgliederzahl des Vereins im Steigen sei. Der Altersdurchschnitt sei hingegen in den letzten beiden Jahren von 50 auf 40 Jahre gesunken. Die rund 2 500 Euro Preisgeld werde man deshalb zweckgebunden für die geplante Verleihung des eigenen „Karlgeorg-Hoefer-Preises“ oder andere Vereinsaktivitäten verwenden.

In seiner Begrüßungsansprache betonte Oberbürgermeister Horst Schneider als amtierender Kulturdezernent „die kulturelle Vielfalt, den Reichtum, der sich in dieser Stadt Tag für Tag wiederfindet“. Er dankte den ehrenamtlich Kulturschaffenden für ihr Engagement, das erst das kulturelle Leben in Offenbach aufrecht erhalte. Es sei eine „frische, im Stadtbild vielfach erlebbare Kreativität“ zu spüren. Insofern sei Offenbach „keine arme Stadt“.

Allerdings versichert Schneider, er habe ein Ohr für die Klage mancher Kulturschaffender hinsichtlich ihrer prekären Finanzsituation. „Ohne ein bisschen Moos wäre dann auch etwas weniger los“, witzelte er. Hier allerdings spiele die finanzielle Problematik der Stadt hinein. Schneider erwähnte eine Liste von 83 deutschen Städten, in der Offenbach Platz 80 bei den Ausgaben für Kultur pro Kopf einnehme. Gerade einmal 86.000 Euro an öffentlichen Zuschüssen könnten auf die mehr als 70 Kulturvereine verteilt werden.

Theater und Galerien mussten deshalb in den letzten Jahrzehnten schließen, Konzertreihen wurden gestrichen, Sportstätten abgebaut. Dafür arbeiteten allerdings die verbliebenen Kulturstellen und städtischen Mitarbeiter äußerst „schnell, zielsicher und kollegial“, so Schneider. Es würden kostengünstige Synergieeffekte genutzt. Zudem gebe es stets kleine Erfolge zu verzeichnen. Schneider nannte die neue Afrika-Abteilung im Deutschen Ledermuseum und das wieder aufgebaute Dachgeschoss des Klingspormuseums, das Lichterfest, die Luminale und die Symphony Lounge im Capitol. Mit geringen Mitteln müsse also viel geleistet werden. Dennoch, so betonte der OB, sei der soziale Frieden in Offenbach auch deshalb gesichert, weil solche freiwilligen Leistungen im Bereich Soziales, Kultur und Sport existierten.

Offenbar um hierfür mehr Gelder in die Stadtkasse zu spülen, appellierte Schneider etwas humorvoll, Konten nur bei der städtischen Sparkasse, allenfalls noch der Sparda- oder Raiffeisenbank zu eröffnen. Es sei demnach „ein Akt der Unsolidarität, wenn man in Offenbach wohnt, aber noch bei einer Privatbank ist“. Außerdem solle man sein Licht über einen EVO-Stromvertrag brennen lassen, denn das nutze „uns allen im Bereich Kultur und Sport“. Die Veranstaltung wurde professionell musikalisch untermalt vom Jungen Chor St. Josef, der ein deutsch- und sechs englischsprachige Stücke zum Besten gab. Besonderen Beifall ernteten die drei eingeflochtenen Soloauftritte, vor allem jener der stimmgewaltigen Leah Grindl.

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