Neujahrsmarkt auf dem Aliceplatz

Weihnachten ohne Winzerwein

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Nach Weihnachten startet der Neujahrsmarkt – die Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag 10 bis 21 Uhr; Sonntag, 30. Dezember, 12 bis 21 Uhr; Silvester 10 bis 15 Uhr, Mittwoch, 2. Januar, bis Samstag, 5. Januar, von 10 bis 21 Uhr. An Neujahr ist geschlossen.

Offenbach - O du fröhliche! Endlich haben wir das letzte Türchen des Adventskalenders geöffnet, ist der Baum behangen mit Engeln, Sternen und glitzernden Kugeln, dürfen wir die Päckchen unter den Tannennadeln öffnen. Von Fabian El Cheikh

O du selige Weihnachtszeit! Kinder sind schon ganz aufgeregt, Erwachsene vielleicht noch ein wenig gebeutelt vom, so die leidvolle Erfahrung, unvermeidlichen Weihnachtsstress. In diesem Zusammenhang nicht unwesentlich beigetragen zu ein wenig festlicher Stimmung haben in den vergangenen Wochen die kleinen und großen Weihnachtsmärkte in der Region und ja, auch das in Offenbach regelmäßig gescholtene Angebot rund um Aliceplatz und Stadthof. Kommerz hin oder her, Weihnachtsmärkte müssen sein, für Große sicherlich mehr noch als für die Kleinen. Denn die dortige mit dem Duft von Knobibrot, gerösteten Kastanien, Schokofrüchten und heiß geliebten Glühwein angereicherte Atmosphäre ersetzt ein klein wenig das, was mit dem verloren gegangenen Glauben an Christkind und Weihnachtsmann unwiderruflich abhanden gekommen ist.

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Neuer Markt kommt an

Zwar ist der Weihnachtsmarkt gestern zu Ende gegangen, doch deshalb ist noch lange nicht Schluss mit dem Budenzauber, den die Firma Pro OF verantwortet. Ab Donnerstag sorgt sie unter neuem Titel für die vor zwei Jahren ins Leben gerufene Verlängerung. Am 27. Dezember startet der Neujahrsmarkt auf dem Aliceplatz, der über einen verkaufsoffenen Sonntag am 30. Dezember bis 5. Januar, zum vielleicht dann – zwischen den Jahren – noch besinnlicheren, weil stressfreieren Besuch lockt. O du fröhliche!

„Ähnliches Angebot“, das löst nicht nur bei unserem Leser Günter Schäfer – diese Töne müssen kurz vor dem Fest noch einmal erlaubt sein – vor allem eines aus: Bedauern. „Ich habe ja schon viele Weihnachtsmärkte gesehen, aber der Offenbacher ist sehr trostlos, Verkaufsstände findet man ja so gut wie gar nicht. Wenn ich richtig gezählt habe, nur vier Stände.“ Der Rest: Essensbuden und Aprés-Ski-Hütte. O du selige!

Alljährliche Kritik

Dieser Kritik müssen sich die Betreiber Klaus Kohlweyer und Hans Peter Kampfmann alle Jahre wieder stellen. Sie tun es schmallippig und mit der Logik von Geschäftsmännern: „Was wir anbieten, ist vor fünf Jahren in einer Ausschreibung so genannt worden. Wir haben in neue Stände investiert, in eine Weihnachtspyramide und dutzende beleuchtete Christbäume aufgestellt.“ Außerdem sei in diesem Jahr der Rundgang um die Kirche geschlossen worden, gebe es drei Buden mehr als im Vorjahr. O du fröhliche!

Dass sich das Erscheinungsbild verbessert hat, findet auch Besucher Florian Bandhauer. Schön gestaltete Verkaufsbuden vermisst zwar auch der Oberräder in Offenbach, gibt jedoch zu bedenken: „Die meisten dieser Buden verkaufen doch auf anderen Märkten wie in Dreieichenhain oder Heusenstamm auch nicht viel.“ Und in Offenbach habe es diese Zunft nun mal besonders schwer: „Wir kommen auch nur, um Glühwein zu trinken. Der Markt ist überschaubar, familiär, man hat kurze Wege und muss nicht ewig anstehen.“

Alles nur eine Frage der Einstellung? Das werden sich auch die Pro OF-Chefs denken, deren Geschäft in diesem Jahr „sehr zufriedenstellend“ verlief. „Wir hatten besseres Wetter als im Vorjahr, die Besucherzahlen sind sogar leicht gestiegen“, gibt Klaus Kohlweyer zu Protokoll. Er und Kollege Kampfmann wähnen sich auf dem richtigen Weg. Schon vor zwei Jahren haben sie das Hüttendorf dekorativer gestaltet. Das wird auch bei der Stadt gewürdigt, die den Markt einst selbst organisierte und ihn vor 15 Jahren dem Gewerbeverein Treffpunkt und dessen Tochter Pro OF übertrug. Manche bereuen das bisweilen, angesichts von „Bratwurststreit“ und bundesweit Aufsehen erregenden Prozessen um die Zulässigkeit von Weihnachtsmarkt-Privatisierungen.

Erfolgreiche Unternehmer

Insbesondere der frühere Stadtrat Paul-Gerhard Weiß war nicht glücklich gewesen mit dem Angebot. Vor drei Jahren nannte er es einen Fehler, dass die Stadt nach der Privatisierung auf eine Qualitätskontrolle verzichtet habe. Das sollte sich ändern, weshalb eine Ausschreibung für drei Jahre vereinbart wurde. Eine „AG Feste“ unter Beteiligung von Stadt, Einzelhandelsverband, IHK, Hotel- und Gaststättenverbands sowie Treffpunkt, dessen Vorstand Kohlweyer angehört, legte zahlreiche Auflagen fest. Dass letztlich doch wieder Pro OF den Zuschlag bekam, liegt auch daran, dass die Verantwortlichen sehr wohl wussten, dass sie es auch schlechter hätten treffen können. Schließlich gelten Kampfmann und Kohlweyer als liquide und erfolgreiche Unternehmer, die zumindest dafür sorgen, dass sich das Geschäft – vor allem mit dem Glühwein – lohnt.

Wenn denn auch neben dem üblichen Glühwein aus Kampfmanns Sortiment auch mal ein hochwertiger Winzerwein erfreulich wäre, wie es unter vorgehaltener Hand im Rathaus heißt. Auf jeden Fall traut die Stadt Pro OF unter mehreren Bewerbern noch am ehesten zu, mittelfristig einen ansprechenden Markt zu realisieren. Nächstes Jahr haben Kohlweyer und Co. eine weitere Chance. Gnadenbringende Weihnachtszeit!

Danach wird neu entschieden. Doch das ist noch Weihnachtsmusik von morgen. Bis dahin öffenen wir noch etliche Türchen und Geschenke. Freue, freue dich, Christenheit!

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