Nicht alle Lehrstellen besetzt

Frankfurt/Offenbach ‐ Hessische Unternehmen haben zunehmend Probleme bei der Besetzung von Lehrstellen - auch Offenbach ist von der Entwicklung betroffen. Von Marc Kuhn

Im Jahr 2009 konnten in Hessen nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden, so lautet ein Ergebnis einer Arbeitgeberbefragung des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) an der Frankfurter Goethe-Universität. Im Ausbildungsjahr 2008/2009 sind 1 310 von mehr als 32.230 Lehrstellen unbesetzt geblieben. „Die Herausforderungen werden in diesem Jahr noch größer werden. So lange Bewerber wie Betriebe nicht mehr Flexibilität an den Tag legen, werden wohl in diesem Jahr weiter Lehrstellen unbesetzt bleiben“, erklärte Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Agentur für Arbeit.

Besonders junge Frauen fixieren sich bei der Ausbildungssuche auf die Heimatorte

 „Jugendliche - besonders junge Frauen - fixieren sich auf wenige Ausbildungsberufe, meist am Heimatort. Das ist nicht erfolgversprechend.“ Und: Betriebe müssten bereit sein, auch den vermeintlich schlechten Schulabgängern eine Chance zu geben, verlangte Martin. „Klagen über fehlende Ausbildungsreife sind ernstzunehmen, sollten aber die Diskussion nicht gänzlich überlagern.“

In Stadt und Kreis Offenbach sind im vergangenen Jahr 229 von 1.624 Lehrstellen unbesetzt geblieben, wie die hiesige Industrie- und Handelskammer (IHK) erklärte. In diesem Jahr sei das bei der Agentur für Arbeit gemeldete Angebot bisher konstant geblieben, berichtete Friedrich Rixecker, bei der IHK für Ausbildung zuständig, unserer Zeitung. Die Zahl der Bewerber sei um 14 Prozent gestiegen. Rixecker sieht Probleme bei der Vermittlung von Jugendlichen. Einerseits würde teils ihre Qualifikation nicht ausreichen. Andererseits würden sie sich auch nicht für die richtigen Ausbildungsplätze bewerben. Aber: „Ich werde alles daran setzen, dass die Stellen besetzt werden“, sagte der Experte der Offenbacher Kammer.

Der Anteil der Betriebe, die die Berechtigung zur Ausbildung nicht nutzten stieg

Laut Studie bildeten 33 Prozent aller Firmen in Hessen 2009 aus. Dies sei ein Rückgang um zwei Prozent oder etwa 3.000 Betriebe gegenüber dem Vorjahr, obwohl zwei Drittel aller hessischen Unternehmen über eine Ausbildungsberechtigung verfügten. „Die Zahl derer, die grundsätzlich ausbilden dürfen, hat damit sogar zugenommen. Folglich stieg der Anteil der Betriebe, die die Berechtigung zur Ausbildung nicht nutzten.“

Der hessische Wirtschaftsstaatssekretär Steffen Saebisch appellierte deshalb an die Unternehmen, das ungenutzte Ausbildungspotenzial zu aktivieren, um die für die Zukunft dringend benötigten Fachkräfte zu gewinnen. Unterstützung bieten nach seiner Ansicht die Förderprogramme seines Ministeriums. Als Beispiele nannte Saebisch das Existenzgründungsprogramm und das Programm „Ausbildung in Partnerschaften“.

Die Ausbildungsquote - die Zahl der Lehrlinge pro 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten - hat sich im Jahresvergleich laut Studie zwar von 4,9 auf 5,1 Prozent erhöht. Hessen liege damit aber immer noch deutlich unter dem westdeutschen Durchschnitt von 5,7 Prozent.

Von den rund 32.000 Ausbildungsabsolventen sind den Angaben zufolge etwa 19.200 von ihrem Betrieb übernommen worden. Damit sei die Übernahmequote auf 60 Prozent gegenüber 62 Prozent im Jahr 2008 gesunken.

Rubriklistenbild: © dpa

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