„Nicht hier, um zu faulenzen“

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Emanoela Kern und Dorothea Krampol vom Verein CROM.

Offenbach - Zerstörte Hoffnungen, sozialer Abstieg, Ausbeutung. Die Lebensrealität der Rumänen, die den Weg in ein vermeintlich besseres Leben in Deutschland eingeschlagen haben, ist oft grausam. Von Veronika Szeherova

Sie sind orientierungslos in einem ihnen unbekannten System, ohne Arbeit, ohne Sprachkenntnisse, angelockt durch „Zwischenhändler“, die ihnen viel versprochen und wenig gehalten haben. Eine Vielzahl solcher Fälle verzeichnet seit dem EU-Beitritt Rumäniens der Offenbacher Verein CROM. „Derzeit haben wir etwa 140 Klienten im Register“, sagt Vorsitzende Dorothea Krampol.

Sie und neun weitere ehrenamtliche Mitarbeiter bieten einmal wöchentlich kostenlos Beratung für rumänische Auswanderer an, helfen bei den ersten Schritten, bei Formularen und Anträgen. Die „Orientierungshilfe in rumänischer Sprache“ ist eine Kooperation mit der Stadt innerhalb der „Modellregion Integration“. Vergangene Woche ist ein Deutschkurs hinzugekommen, der ebenfalls gut besucht ist. „Die Sprache ist die Hauptbarriere“, weiß die stellvertretende Vorsitzende Emanoela Kern. „Die Menschen strengen sich sehr an. Sie sind nicht gekommen, um zu faulenzen.“

Beide Frauen, die seit mehr als 30 Jahren in Deutschland leben, ärgern sich über das negative Image, das ihren Landsleuten anhaftet. „Die Leute bilden sich schnell eine Meinung und haben Vorurteile, das liegt auch an der oberflächlichen Berichterstattung.“ Wer auswandere, tue dies nicht, weil er es wolle, sondern weil er müsse. „Viele Menschen denken, dass die Einwanderer auf Anhieb finanzielle Hilfen bekommen. Das stimmt aber nicht, mit Ausnahme von Kindergeld“, erläutert Krampol. „Man muss erst arbeiten, bevor man einen Anspruch hat.“

Oft mit falschen Versprechungen angelockt, gerieten viele Rumänen in Abhängigkeit von den Mittelsmännern. „Sie müssen Verträge oder Rechnungen ausfüllen, die sie nicht verstehen, manche werden in Privatkrankenkassen gelockt. Viele werden ausgebeutet auch bei Gehalt und Miete.“

Wer sich wehrt, fliege schnell raus aus Wohnung oder Arbeitsplatz. „Es tut weh, wie die Leute behandelt werden“, so Kern. Die Schicksale verfolgen sie und ihre Kollegen vom Verein, der sich ursprünglich der rumänischen Kulturvermittlung verschrieben hat, weit über die Beratungszeit hinaus.

Die meisten Zuwanderer seien gut qualifiziert. „Es sind Lehrer, Krankenschwestern, Verwaltungsangestellte, Ingenieure“, zählt Krampol auf. Die meisten Frauen würden in Deutschland in der Krankenpflege arbeiten, Männer am Bau. Viele würden „unter schlimmsten Bedingungen“ wohnen. Mit dem wenigen verdienten Geld müssten sie oft Angehörige in der Heimat versorgen. „Manche haben in Rumänien ihren ganzen Besitz verkauft, um hier die ersten Monate über die Runden zu kommen“, sagt Krampol. „Sie hoffen, dann eine bessere Arbeit zu finden.“

Dass gerade Offenbach Ziel vieler Rumänen ist, erklärt sie damit, dass dort „schon immer Rumänen waren. Man kennt sich. Es gibt, im Gegensatz zu Frankfurt, eine rumänisch-orthodoxe Gemeinde.“ Und einen so engagierten Verein wie CROM.

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