Unternehmer, die beim Masterplan mitgewirkt haben, sprechen über Beweggründe

Nicht immer nur betteln gehen

Offenbach - Der Beschluss dürfte nur noch Formsache sein: Am 25. Februar segnet das Stadtparlament den Masterplan ab. Eine Besonderheit bei der Entstehung des Stadtleitbilds war, dass bei der erwünschten Bürgerbeteiligung auch Unternehmer mitgemacht haben. Zwei von ihnen schildern ihre Beweggründe. Von Matthias Dahmer

Peter Caligari: Offenbach benötigt mehr Kaufkraft.

Peter Caligari ist voll des Lobes: „Den Masterplan ist eine ziemlich einmalige Geschichte“ sagt der bekannte Offenbacher Friseur. Beeindruckt hat ihn vor allem die Effizienz in den regelmäßigen Treffen der Arbeitsgruppen. Das sei dort alles sehr sachlich zugegangen. Warum das so war, erklärt Caligari unter anderem damit, dass das Projekt frei von politischer Einflussnahme angegangen wurde. „Unternehmer können sich Parteipolitik nicht leisten, sehr wohl aber Unternehmenspolitik“, formuliert er. Als er von dem Plan gehört habe, so der 60-Jährige weiter, sei es für ihn keine Frage gewesen mitzumachen. Zu denen, die Caligari für den Masterplan gewinnen konnte, gehört Maurizio Pitello (41). Für den Chef des Offenbacher Büroausstatters Hain GmbH ist das Vorhaben „ein guter Ansatz“. Schon allein deshalb, weil die Wirtschaft ein Mitspracherecht habe. Obwohl viele Unternehmer zeitlich sehr eingespannt seien, hätten sie am Masterplan-Projekt regelmäßig mitgearbeitet. „So war die Kontinuität gewährleistet“, sagt Pitello. Er weiß aber auch: „Der Plan bedeutet nicht die Lösung aller Probleme.“

Wie sehr sich Caligari und Pitello reingehängt haben in die grundsätzliche Überlegungen zur Stadtentwicklung, belegt der Umstand, dass die beiden zu den Gründungsmitgliedern des von der IHK extra für den Masterplan ins Leben gerufenen Vereins Offenbach offensiv gehören. „Wir zahlen unsere Beiträge und ich glaube, das hat noch keiner bereut“, so Caligari. Konkret mitgewirkt haben sie dann – wenig verwunderlich – in der Arbeitsgruppe Wirtschaft.

Maurizio Pitello: Die Innenstadt ist das Aushängeschild.

Wenn die beiden Offenbacher Unternehmer nach ihren Prioritäten im Masterplan gefragt werden, nach ihrem Wunschzettel für Offenbach so verrät das viel über ihre Beweggründe. „Wir müssen bei der Innenstadt ansetzen. Sie ist das Aushängeschild. Ihre Attraktivität gilt es zu erhöhen mit Läden, die anziehen und nicht abstoßen“, fordert Maurizio Pitello. Back-Shops und Ein-Euro-Läden dürften nicht mehr prägend sein. Pitello: „Wir brauchen hochwertige Ketten, die Image-Läden fehlen.“ Er und Caligari erinnern daran, dass das mal anders war. Da gab es noch Geschäfte wie Hassert, Look, Anson’s, Schmülling, Karstadt oder Ott & Heinemann.

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Dass man derzeit kaum von einer funktionierenden City sprechen kann, zeigt exemplarisch eine Zahl, die Peter Caligari nennt: „Von meinen Kunden kommen etwa 70 Prozent von außerhalb. Vom Standort allein könnte ich nicht leben.“ Er stimmt ein in Pitellos Forderung, das man mehr Kaufkraft in Offenbach benötige. Die Stadt könne nicht immer nur betteln gehen bei Bund und Land. Das Image der Stadt, findet Caligari, sei im Laufe der Jahre immer schlechter geworden, der Masterplan könne da so etwas wie ein Neustart sein.

Jetzt, wo es an die Umsetzung des Plans durch Politik und Verwaltung geht, werden da jene, die via Bürgerbeteiligung die Vorarbeit geleistet haben, überhaupt noch gefragt? Antwort darauf gibt Frank Achenbach, Geschäftsführer von Offenbach offensiv: Zwar habe nun die Politik das Sagen, doch der Verein, dessen 73 Mitglieder in einer Versammlung am 22. Februar den Masterplan beschließen, werde mittels eines Beirats das Vorhaben weiter begleiten sowie an dem ein oder anderen Projekt mitarbeiten. Achenbach: „Wir sind weiter mit im Boot.“

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