Nicht länger abgeschlossen

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Reger Betrieb auch außerhalb der Schulzeiten? Auch hier an der Rudolf-Koch-Schule könnte es so kommen.

Offenbach - Mehr Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche! Das wünscht sich die Koalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern in Offenbach. Von Alexander Kroh

Dafür sollen laut Koalitionsvertrag Schulhöfe auch außerhalb der regulären Schulzeiten Kindern und Jugendlichen zur Freizeitgestaltung zugänglich gemacht werden.

Peter Schneider, Fraktionsvorsitzender der Grünen, bestätigt die Pläne: „Ein entsprechender Antrag soll noch in diesem Jahr an den Magistrat der Stadt Offenbach gestellt werden.“ Die Sorgen und Vorbehalte der Schulen müssten aber berücksichtigt werden.

Der Vorschlag stößt auf geteiltes Echo an den Schulen. Die Höfe von Grundschulen seien grundsätzlich schon immer nachmittags geöffnet. „Ich kenne das gar nicht anders“, sagt Gabriele Schranz, Schulleiterin der Goetheschule. Weil die Schule immer mehr zur Ganztagsschule hin ausgerichtet werde, Sportvereine und Sport-AGs die Turnhalle der Schule mitbenutzen, seien die Tore an der Goetheschule mindestens bis 18 Uhr geöffnet.

Aufsichtspflicht der Schulen bezieht sich nur auf eigene Schüler

Auch der Pausenhof der Wilhelmschule kann bis etwa 17 Uhr genutzt werden. Trotzdem ist das nicht ganz unproblematisch, denn die Aufsichtspflicht der Schulen bezieht sich generell nur auf die eigenen Schüler und nicht auf solche, die von außen kommen. Auch müssen sich die Schulen wegen des Lärmpegels mit Beschwerden erboster Anwohner auseinandersetzen. Aber „Kinder brauchen nun mal Bewegung und müssen auch mal toben können“, meint die Leiterin der Wilhelmschule, Sylvia Nowak.

Schwieriger zu verwirklichen, scheint der Vorschlag der Koalition an weiterführenden Schulen zu sein, etwa der Schillerschule. Thomas Findeisen, Leiter der integrierten Gesamtschule, kann zwar einerseits das Anliegen der Koalition verstehen, denn „man bräuchte zusätzlichen Platz, vor allem im Nordend Offenbachs, damit Jugendliche auch mal Fussball spielen können“.

Andererseits sieht Findeisen auch eine Reihe von Schwierigkeiten, die das Öffnen von Schulhöfen außerhalb der Schulzeiten mit sich bringen kann. Zunächst einmal sei die Schillerschule eine Ganztagsschule. Demnach werde der Schulhof natürlich für die eigenen Schüler gebraucht. Probleme könnte es auch mit schulfremden Jugendlichen geben, die in schwer einsehbaren Ecken des Schulhofs „kiffen, saufen oder Flaschen zerschlagen“. Auch das Lärmproblem wirft Findeisen in die Waagschale. „Die Stadt müsste zunächst ein klares Konzept vorlegen“, findet der Schulleiter. Die Frage ist auch, wer für einen eventuell verursachten Schaden haftet.

Da das Vorhaben der Koalition grundsätzlich richtig und gut ist, schlägt Findeisen einen Kompromiss vor: Videokameras könnten installiert werden, um Verursacher von Schäden dingfest zu machen oder die Höfe könnten nur zu bestimmten, festen Zeiten geöffnet werden, unter der Aufsicht eines Sozialarbeiters beispielsweise.

„Hier haben sogar mal welche gegrillt“

An der Rudolf-Koch-Schule ist man gegenüber dem Vorschlag der Öffnung der Schulhöfe eher skeptisch. Der Zugang zur Schule sei zwar grundsätzlich recht schwierig, aber es kam immer wieder vor, dass Externe am Abend oder an Wochenenden auf dem Schulhof waren. „Hier haben sogar mal welche gegrillt“, erzählt die Oberstudiendirektorin Christiane Rogler. Sie kenne die Diskussionen um die Öffnung der Schulhöfe, findet aber es müsse andere Räume für die Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen geben. Sie hätten an dem Gymnasium schon jetzt ein immenses Müllproblem. Zudem habe man „große Angst vor Vandalismus“ und mit ruhebedürftigenAnwohnern. Um Vandalismus und Vermüllung zu verhindern, hat die Rudolf-Koch-Schule bereits vor Jahren eine Videokamera installiert, die allerdings nur außerhalb der Schulöffnungszeiten aufzeichnet.

Ulrich Schmidt vom Albert-Schweitzer-Gymnasiums befürwortet die Pläne der Koalition, sieht allerdings ebenso wie seine Kollegen eine Reihe von praktischen Schwierigkeiten. Der Schulhof des Gymnasiums sei momentan im Grunde von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr abends offen, wobei das Betreten von Schulfremden noch verboten sei. „Früher hatten wir hier einen öffentlichen Basketballplatz. Da kam es auch schon mal zu Konflikten, wenn etwas kaputt ging“, erinnert sich Schmidt. Angst vor Randalierern hat er aber keine. Bedenken äußert er lediglich in Bezug auf die Haftungsfrage. Außerdem seien die Zugangsrechte zum Gymnasium zu klären, denn wer auf den Schulhof kommt, kommt auch in das Schulgebäude. „Man müsste sich einfach zusammensetzen und diese Probleme lösen“, findet der Schulleiter, denn „die Idee sei nicht schlecht.“

Öffnen der Höfe sei „erweiterte soziale Pflicht der Schule“

Ähnlich sieht das auch Oliver Schröder. Im Rahmen der Aufsichtszeiten sei seine Mathildenschule offen für Kinder und Jugendliche, allerdings nur unter der Woche. Der Direktor betrachtet das Öffnen der Höfe gar als „erweiterte soziale Pflicht der Schule“.

Die Entscheidung obliegt als Schulträger am Ende der Stadt. Aber nur gemeinsam mit den Schulen, betont Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß. „Über den Kopf der Schulen hinaus geht gar nichts.“ Einfach werde die Entscheidung mit Sicherheit nicht. Man müsse das Vorhaben mit jeder Schule besprechen und vor allem versuchen Lösungen bezüglich der Aufsichtspflicht zu finden, etwa in Form von ehrenamtlichen Aufsichtspersonen, so Weiß. Bis der Antrag seinen Weg in den Magistrat gefunden hat, heißt es also noch abwarten.

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