Nicht an der Nase kratzen

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Mehr als 30 der kunstvollen Drucke wurden bei einer klassischen Auktion verkauft. Frank Lehmann brachte die Werke für die Senefelder-Stiftung in gewohnt lockerer Weise unter den Hammer.

Offenbach - Nicht jeden Tag findet sich im „Print Technology Center“ der Firma manroland so viel Kunst wie am vergangenen Wochenende - am Samstagvormittag fand dort eine gut besuchte Lithografie-Auktion statt. Von Claus Wolfschlag

Versteigert wurden 100 Lithografien von Teilnehmern des letztjährigen Wettbewerbs der 1971 gegründeten Offenbacher Senefelder-Stiftung. Es handelte sich um limitierte Bildwerke, die nach dem im 18. Jahrhundert von Alois Senefelder entwickelten Flachdruckverfahren hergestellt worden waren.

Künstler aus zahlreichen Regionen und Ländern

Wurden mehr als 30 der kunstvollen Drucke in Form einer klassischen Auktion verkauft, so konnten Interessenten die restlichen Blätter über aushängende Eintragslisten erwerben. Abstraktes wie Gegenständliches stand zur freien Auswahl – Stadt- und Architekturansichten, Porträts, Gruppenszenen oder eine Aktdarstellung von Othmar Subo. Die Künstler stammten aus zahlreichen Regionen und Ländern, vom Erzgebirge bis Berlin, von Russland über Bulgarien bis zu den Niederlanden.

Als Auktionator fungierte mit viel Humor der langjährige TV-Börsenexperte Frank Lehmann. Der wortgewandte Fernsehmann verlautbarte, er wolle „Kunstwerke zum Anfassen“ präsentierten. Zwar hätte man einst auch Zertifikate der Lehman-Brothers anfassen können, allerdings sicher ohne derartig nachhaltige Freude wie beim Erwerb der Lithografien.

Eine Grafik von Doris Tsangaris erzielte das Vierfache

Und dann gab Lehmann die Devise aus: „Nun nicht mehr oberhalb der Nase jucken“, denn dies gelte fortan als Gebot. Womöglich von dieser Mahnung eingeschüchtert, begann die Versteigerung schleppend. Das erste Bild wollte niemand kaufen, die beiden nächsten kamen nur knapp über das Mindestgebot. Dann aber nahm die Bieter-Runde Fahrt auf, eine abstrakte Grafik von Doris Tsangaris etwa erzielte glatt das Vierfache des Mindestpreises. Als ein Besucher mit einiger Verspätung den Auktionsraum betrat, unterbreitete Lehmann ihm umgehend ein persönliches Angebot. Der Verspätete lehnte verdutzt ab, und Lehmann konterte schlagfertig: „Sie sind wohl aus Frankfurt?“

Mehr als 100 Besucher hatten sich zu der Auktion eingefunden. Auch wenn sich womöglich Frankfurter unter den Gästen befunden haben mögen, stellten die Mühlheimer offenkundig das Gros der Besucher, angeführt vom mitbietenden Bürgermeister Bernd Müller. Daneben waren auch Offenbacher Köpfe auszumachen, darunter das ehemalige Magistratsmitglied Herrmann Schoppe, der Chefredakteur der Offenbach-Post, Frank Pröse, und der umtriebige Werbegestalter Peter Heßler.

Auch vermeintliche Laien erkennen Qualität

Mit Gabriele Gröninger-Zahn gehörte gar eine Offenbacherin zu den Künstlern, deren Werke versteigert wurden. „Es ist schön, wenn das Bild weggeht“, äußerte sie zu ihrer ersten Auktionsbeteiligung. „Und spannend ist auch der Vergleich zu den anderen Arbeiten auf dem Markt. Man erfährt etwas über die vielfältigen Möglichkeiten des Steindrucks aus der ganzen Welt.“ Mit Interesse stellte sie zudem fest, dass auch vermeintliche Laien Qualität erkennen.

Laien etwa wie Klaus und Margit Baumgart aus Mühlheim, die aus der Zeitung von der Auktion erfahren hatten: „Wir sind kunstinteressiert, besuchen gelegentlich Galerien und kaufen auch schon mal ein Werk. Lithografien sind aber für uns ein ganz neues Feld.“

Abstrakte Motive in Beliebtheit vorne

Auch Elisabeth Spoida hatte aus unserer Zeitung von der Auktion erfahren und beobachtete interessiert den Ablauf. „Ich besuche häufig Ausstellungen, auch Lithografie-Schauen. Interessant ist aber vor allem zu sehen, für was die Leute am liebsten ihr Geld ausgeben.“ Die Bevorzugung abstrakter Motive mochte am spezifischen Generationengeschmack der Mehrheit gelegen haben. Spoidas Favoriten hingegen, fünf wahrlich märchenhaft gestaltete Drucke der Künstlerin Marina Vakhlyaline aus St. Petersburg, konnten nur zum Teil an die Frau gebracht werden. „Dabei sind gerade diese Bilder so schön“, schüttelte die Mühlheimerin den Kopf.

Nach der Auktion konnten die Besucher eine moderne manroland-Druckmaschine im Betrieb erleben. Und der bekannte Lithograf Manfred Hügelow druckte ein Werk von Gabriele Gröninger-Zahn auf einer historischen Steindruckpresse.

Einnahmen gehen an Mühlheimer „Lebensladen“

3790 Euro wurden bei der Auktion eingenommen. Weiteres Geld kam über nachfolgende Kleinkäufe herein. Die Summe geht als Spende an den Mühlheimer „Lebensladen“ und die Offenbacher Aktion „Essen und Wärme für Bedürftige“, für die Pfarrer Günter Krämer einen Informationsstand betreute. Die nicht verkauften Werke bleiben im Besitz der Senefelder-Stiftung.

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