Nicht ohne einen Binder

+
Ferngesehen, entspannt, aber auch gearbeitet wird auf dem Sofa im Wohnzimmer - Klaus-Josef Werné stellt sein privates Lieblingsplätzchen vor.

Offenbach - Klaus-Josef Werné besitzt zwischen 80 und 90 Krawatten, darunter viele handgemachte aus Peru. Damit sind gleich zwei wesentliche Aspekte angesprochen, die den waschechten Offenbacher charakterisieren:  Von Simone Weil

Denn ohne Binder kennt man den Christdemokraten in der Öffentlichkeit nicht, und auch das lateinamerikanische Land spielt eine große Rolle in seinem Leben.

Den heute 68-Jährigen führte 1970 die Hilfe für Erdbebenopfer nach Cardz in Peru. Dort war der gelernte Kaufmann, der viele Jahre als Versicherungsvertreter gearbeitet hat, am Aufbau eines Hospitals beteiligt, das 1971 übergeben werden konnte. Gleichzeitig leistete er seine erste Spende für die Errichtung einer Notkirche in Pueblo Libre. Dort lernte er auch seine erste Frau kennen, die 1999 verstarb. Mit ihr hat Werné zwei erwachsene Kinder.

Dass seine zweite Gattin Rosa Conroy-Werné auch aus Peru stammt, hat nichts damit zu tun, dass der Offenbacher eine Vorliebe für Südamerikanerinnen hat, sondern mit einer ganz besonderen Liebesgeschichte: „Meine zweite Frau sollte eigentlich meine erste sein“, erzählt der heutige Stadtrat.

In Peru fand er seine Liebe

Denn als er für Medico International im Bergland von Peru war, um im Erbebengebiet zu helfen, lernte der damals 29-Jährige zunächst die 20-jährige Rosa kennen. Über die große Entfernung wurden zwar viele Briefe geschrieben, doch letztlich konnte die Verehrte die Scheu vor dem fremden Land nicht überwinden. Sie heiratete schließlich einen Amerikaner und ging mit ihm nach Florida und bekam zwei Söhne. Auch Werné fand in Peru eine andere Liebe, seine erste Frau.

1999 wollte das langjährige CDU-Mitglied noch einige Angelegenheiten mit der Familie seiner verstorbenen Frau in Peru regeln. Als der stellvertretende Kreisvorsitzende erfuhr, dass Rosa geschieden war, nahm er Kontakt auf und lud sie zu sich nach Offenbach ein. „Im Herbst 2000 haben wir uns in Paris bei einer Flasche Champagner unsere Lebensgeschichten erzählt und geheult“, erzählt er. Diesmal gab es ein Happy End: Fast 30 Jahre später wagte das Paar einen Neuanfang und ist inzwischen seit neun Jahren verheiratet.

Wir schauen bei Prominenten und weniger bekannten Personen in Offenbach vorbei: Haben Sie Lust, uns zu sich einzuladen? Dann melden Sie sich unter: Tel. 069 85008-216 oder simone.weil@op-online.de

Als der ehemalige Versicherungsspezialist, der von sich sagt, dass er sein Herz auf der Zunge trägt, vor drei Jahren in den Ruhestand ging, hatte er 50 Berufsjahre auf dem Buckel. Trotzdem kommt bei dem Rentner keine Langeweile auf. Immerhin ist er mit Leib und Seele Kommunalpolitiker: 34 Jahre gehörte der Christdemokrat dem Stadtparlament an, seit 2006 ist er Stadtrat. Die Liste der Ausschüsse, Kommissionen, Beiräte, aber auch anderer Ehrenämter ist lang. Vom Sinn seiner Arbeit ist der Katholik voll und ganz überzeugt: „Man kann die Umsetzung von Ideen beeinflussen und das Ergebnis schnell sehen, allerdings auch seine Fehler.“

Auf Offenbach und den OFC lässt er nichts kommen

Mußestunden verbringt der Großvater, der zwei Enkel hat, auf dem Sofa im Wohnzimmer seines Häuschens an der Elbe straße. Auf der Couch wird zwar auch mit dem Laptop gearbeitet (obwohl es noch ein richtiges Büro gibt), aber auch entspannt, Musik gehört und ferngesehen. Als echter Kickers-Fan freut Werné sich, wenn sein Verein gewinnt. Hat der OFC verloren, mag er den Sportteil gar nicht lesen. Auch auf seine Heimatstadt lässt er nichts kommen: Die Stadt sei überschaubar und liebenswert. „Weil ich in der Welt herumgekommen bin, weiß ich, was ich an Offenbach habe.“

Doch die Welt lässt den Mann mit der sozialen Ader bis heute nicht los: „Ich muss nicht noch 3,20 Euro mehr auf dem Konto haben“, meint er. Deswegen unterstützt er ein Tagesheim für Indiokinder in Peru, die dort zur Schule gehen, ein Mittagessen und medizinische Betreuung bekommen. „Von 3000 Euro leben 50 Kinder ein halbes Jahr lang.“  

Kommentare