Nicht nur das Rote hilft

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Prominente Spenderin: Johanna Höhl, Chefin des gleichnamigen Apfelweinkelterers, hängt gestern bei CSL an der Nadel. Eine Zentrifuge trennt das Plasma heraus und pumpt die übrigen Stoffe zurück in den Kreislauf.

Offenbach ‐ Jahrelang hat sie Medikamente geschluckt, Magen- und Darmspiegelungen über sich ergehen lassen. „Den Blinddarm haben sie mir auch rausgenommen. Heute bin ich mir nicht sicher, ob das überhaupt nötig war“, so Jutta Kohaut. Von Sebastian Faerber

Dann endlich wurde die richtige Diagnose gestellt: Das Hereditäre Angioödem (HAE) steckt hinter ihren Leiden. Eine Erbkrankheit, die zu Schwellungen an Extremitäten und Schleimhäuten führt. Linderung verspricht ein Medikament, das aus Blutplasma gewonnen wird - es gibt aber zu wenig Spender, wie das Unternehmen CSL Plasma beklagt.

Jährlich werden bei CSL an der Lilistraße, einem von bundesweit acht Standorten der Firma, 30.000 Liter Blutplasma abgezapft. Klingt viel. Dennoch fehlen in der Region um die 500 Spender, wie Frank Bernert, Direktor des Centers, sagt. CSL Plasma ist Tochter des US-Unternehmens CSL Behring, das den Rohstoff zu Medikamenten weiterverarbeitet.

Auf das Präparat sind Patienten wie Jutta Kohaut angewiesen. Sie ist eine von 1600 Menschen in Deutschland, bei denen Mediziner die Krankheit diagnostiziert haben. Die Dunkelziffer ist allerdings weitaus höher.

Nicht nur HAE-Patienten sind auf Plasmaspenden angewiesen. Auch sind sie Basis für Präparate gegen Hämophilie: Bei gesunden Menschen bewirkt die Blutgerinnung, dass Wunden schnell verheilen. Anders bei den so genannten Blutern, die schon kleine Verletzungen in Lebensgefahr bringen. Seit einigen Jahren können sie Verletzungen mit einem Präparat therapieren, das den fehlenden Gerinnungsfaktor enthält.

Die Offenbacher Spendenliste zählt 1500 Freiwillige. Von ihnen lässt sich jeder durchschnittlich 15 mal pro Jahr pieksen. Pro Spende gibt’s 20 Euro. Dabei unterscheidet sich die Plasma- wesentlich von einer Blutspende. Denn nur den benötigten eiweißhaltigen Rohstoff zentrifugieren die 20 Mitarbeiter des Centers heraus. Die anderen Stoffe, etwa die roten Blutkörper, pumpt der Apparat wieder zurück in den Körper.

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