Nicht nur schlechte Zähne

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Offenbach - Pressegespräch zur Zahngesundheit. Entsprechend gesund ist gestern die Konferenztafel gefüllt: Mineralwasser und frisches Obst. Auf Kaffee, Tee, Zucker oder gar das obligatorische Gebäck verzichtet das Stadtgesundheitsamt. Von Martin Kuhn

Zudem tischt Dr. Andreas Prenosil, Leiter der Zahnmedizin, den Journalisten viele Zahlen auf, die belegen: Um die Zahngesundheit des Offenbacher Nachwuchses sieht es immer besser aus. Allerdings diagnostiziert Dr. Prenosil lediglich. Alles andere liegt vor allem in der Verantwortung der Eltern.

Angst vorm Zahnarzt? Zumindest eine gewisse Zögerlichkeit bei den jungen Patienten beobachtet das Team um Dr. Prenosil, obwohl dessen „Besuch“ wenig mit einem klassischen Zahnarzttermin zu schaffen hat. Er muss mit dem Mobiliar in Kita- oder Klassenräumen zurecht kommen, was mitunter auf den Rücken geht. „Da knie ich mich lieber gleich“, sagt der Abteilungsleiter. Ansonsten hat er lediglich Mundspiegel und Stirnlampe dabei, wenn er den Zahnstatus überprüft.

„Aufklärung und Prophylaxe sind unsere Schwerpunkte“

„Aufklärung und Prophylaxe sind unsere Schwerpunkte“, bekräftigt Bürgermeister Peter Schneider, der die Arbeit des Teams schätzt. In dieser Dichte habe es die Arbeit früher nicht gegeben. „Leider“, fügt er hinzu, „das hätte mir und vielen anderen spätere Behandlungen erspart.“

Dabei setzt das Gesundheitsamt auf Kontinuität, will nicht nur dieses Thema „aktiv in die Gesellschaft hineintragen“. Aufgrund des knappen Personals muss das Amt jedoch Schwerpunkte setzen – bei der Zahnmedizin sind das die Grund- und Förderschulen, weniger die Gymnasien. Grund: Dort seien die Jungen und Mädchen weniger belastet als in anderen Schulzweigen.

Schlechte Bildung, schlechte Zähne?

Rasche Folgerung: Schlechte Bildung, schlechte Zähne? Diese Formel lehnt Dr. Andreas Prenosil ab, auch ein Rückschluss auf den hohen Anteil von Kindern mit ausländischen Wurzeln in Offenbach verbietet sich für ihn. Dazu hat er deutschlandweit die lokalen Zahlen verglichen. Sein Ergebnis: So schlecht sieht es nur in den neueren Bundesländern und in Bremen aus, die mit ähnlichen Arbeitslosenzahlen und Kinderarmut zu kämpfen haben. Das bedeutet für ihn: Eine schlechte Soziallage kann der Grund für mangelnde Zahngesundheit sein.

Da passt eine Beobachtung ins Bild: In einer schulischen Cafeteria klagt unlängst eine verzweifelte Betreiberin, dass sie ihr „gesundes Angebot“ nicht an  Kinder bekommt, während Süßes immer über den Tresen geht. Da nickt der Bürgermeister wissend. Allerdings möchte er nicht bestätigen, dass die Grünen-Fraktion an einem Antrag für das Stadtparlament feilt, der ein geändertes Ernährungsangebot und die Installation von Trinkwassersprudlern an Offenbacher Schulen vorsieht.

Hälfte der untersuchten Sechsjährigen völlig kariesfrei

Die jüngsten Ergebnisse: Annährend die Hälfte der untersuchten Sechsjährigen war völlig kariesfrei (48,9 Prozent, 1995: 32,8 Prozent), der durchschnittliche Kariesbefall ist leicht gestiegen (dmft = 2,22; heißt: ein Kind mit einem dmft-Wert von 3 hat drei Milchzähne, die erkrankt oder behandelt sind). Inzwischen haben ungefähr zwei Drittel der Zwölfjährigen Offenbacher kariesfreie bleibende Zähne (63,8 Prozent, 1995: 28,2 Prozent). Entsprechende aktuelle Werte bei den 15-Jährigen: Kariesfrei sind 45,2 Prozent, 1995: 6,6 Prozent).

Aber Achtung: Die Zahlen ergeben kein komplettes Bild über den lokalen Zahnstatus der Jugendlichen. Während 1015 Sechsjährige untersucht wurden, waren es bei den Zwölfjährigen noch 500 und bei den 15-Jährigen nur noch 104.

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