Im Schlosspark Rumpenheim fallen Bäume

Nicht sicher genug zum Weiterleben

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56 Bäumen rückt die „Baumkolonne“ des ESO im Rumpenheimer Schlosspark an die Krone, um sie zu sichern und zu pflegen. Neun davon werden wegen schwerer Strukturschäden gefällt.  

Offenbach - Das Geräusch von Sägen und fallenden Ästen übertönt die gewohnte Stille im Rumpenheimer Schlosspark. Die Baumkolonne des ESO ist angerückt. Ihr Auftrag: „Verkehrssicherungsmaßnahmen“ an 56 Bäumen. Neun davon werden gefällt. Von Veronika Schade 

Fachleute von ESO und der unteren Naturschutzbehörde erläutern bei einem Ortstermin die Gründe – und müssen auch Kritik einstecken. Beim Thema Baumfällung geht es selten ohne Emotionen zu. Fällt ein Baum, vor allem ein älterer, verschwindet mit ihm auch ein Lebensraum für viele Tierarten – und nicht zuletzt ein Stück Geschichte. An einem Ort wie dem Rumpenheimer Schlosspark macht sich dies besonders bemerkbar. Doch an erster Stelle steht die Verkehrssicherung: Ein Baum, bei dem die Standfestigkeit nicht gewährleistet ist, könnte zu einer Gefahr für Passanten werden. Aus diesem Grund kontrollieren alle neun Monate Spezialisten der Rüsselsheimer Firma Netzwerk Grün die Bäume im Schlosspark. An 56 Bäumen haben sie bei der jüngsten Prüfung unterschiedliche Schäden festgestellt. Bei neun von ihnen sind sie so stark, dass als Ausweg nur die Fällung bleibt.

Gestern begannen die Pflege- und Fällarbeiten. Zeitgleich luden Stadtdienstleister ESO und das Umweltamt Bürger zum Ortstermin. Gekommen sind Vertreter der Bürgerinitiative Rumpenheim (BIR), unter ihnen Rainer Rist, der auch ehrenamtliches Mitglied des städtischen Denkmalbeirates ist. „Bei solchen umfangreichen Maßnahmen hätte man uns vorab informieren und befragen sollen“, ärgert er sich. Stattdessen werde man vor vollendete Tatsachen gestellt. Immer mehr Bäume im Park würden fallen, ohne dass dafür neue nachgepflanzt werden, so die Wahrnehmung der BIR. „Der Park wird heruntergewirtschaftet. Irgendwann entsteht dort noch ein Neubaugebiet“, treibt es Jürgen Lindow auf die Spitze. Geschuldet sei dies der Haushaltslage Offenbachs, die für solche Dinge keinen Spielraum lasse. „Am besten wäre es, den Schlosspark ans Land Hessen zu veräußern“, findet Rist. „Die Stadtkasse wäre entlastet, der Park in guten Händen und für die Menschen würde sich nichts ändern.“ Einen entsprechenden Antrag habe er bereits vorbereitet. Er erntet allgemeine Zustimmung.

Nicht jeder Baum wird ersetzt

Neupflanzungen würden sehr wohl vorgenommen, betont Ute Habelt, Fachreferentin für Artenschutz im Umweltamt. Nur sei dies nicht für jeden gefällten Baum möglich, etwa dann, wenn sich um ihn herum viel Aufwachs befinde. „Hier pflanzen wir einen Ersatzbaum“, zeigt sie auf eine stattliche, rund 170-jährige Platane, die fallen soll. Sie ist voller Risse und Pilze, steht seit elf Jahren unter Beobachtung. „Ihre Gesamtstruktur ist gestört. Irgendwann kommt jeder Baum an seine Grenzen“, sagt Ralph Knöß vom Netzwerk Grün. Die Allee, an der sich die Platane befindet, sei parkbildprägend. Daher erwarte auch der Denkmalschutz eine Schließung der Lücke. Für verlorene Baumhöhlen werden als Ersatz Nistkästen aufgehängt. Bei jedem Baum wird geprüft, ob und wie er für die Tierwelt erhalten werden kann. Leben doch im Schlosspark diverse Säugetiere sowie 34 Vogelarten, von denen ein Drittel Baumhöhlen als Brutstätte nutzt. Ihre Erbauer sind Spechte, darunter der seltene Grauspecht. „Wir haben hier 149 Baumhöhlen auf 69 Höhlenbäumen“, berichtet Habelt. Diese Zahl soll erhalten bleiben.

Kastanien auf dem Wilhelmsplatz gefällt

Kastanien auf dem Wilhelmsplatz gefällt

Und zwar vorzugsweise ohne künstliche Nistkästen. So wird etwa bei einer Esche mit porösem Innenleben nur die Krone entfernt, da sie Angriffsfläche für Wind bietet und der Baum damit einstürzen könnte. Der Stamm aber wird stehen gelassen – ist er doch voller Spechtlöcher. Die Arbeiten dauern etwa zwei Wochen. Insgesamt fallen drei Linden, zwei Ahornbäume, zwei Eschen, eine Platane und eine Mehlbeere.

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