Nicht so teuer wie in Seoul

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Bei Detlev Dieckhöfer in den Räumen des Mieterbunds Offenbach an der Kaiserstraße drehte das Kamerateam des koreanischen Senders EBS mit seiner Redakteurin Interviews und Szenen bei einer Beratung. EBS sendet Bildungsprogramme ähnlich wie BR-alpha.

Offenbach - Was heißt Miete auf Koreanisch? Die fernöstlichen Schriftzeichen, die das Übersetzungsprogramm von Google ausspuckt, sehen fremdartig schön aus, lassen sich in unser westeuropäisches Redaktionssystem jedoch beim besten Willen nicht übertragen. Leider. Von Fabian El Cheikh

Und auch die nie und nimmer korrekte Aussprache seitens des Redakteurs lässt sich in einer Zeitung nicht wiedergeben. Glück gehabt.

Derlei Kommunikationsprobleme beschäftigten das Team des südkoreanischen Fernsehsenders EBS ohnehin kaum, als es beim Mieterbund Offenbach kurzfristig vor der Tür stand. Zweck des ungewöhnlichen wie exotischen Besuchs war nicht sprachtandem-übliche Zungenakrobatik, sondern der kulturelle Austausch im Allgemeinen und im Besonderen die ganz alltäglichen Probleme, die Mieter in Deutschland mitunter mit ihrem Vermieter haben.

Das Kamerateam mitsamt Redakteurin des öffentlich-rechtlichen Senders informierte sich beim Geschäftsführer des Mieterbunds, Detlev Dieckhöfer, über die Arbeit des Vereins, über die deutschen Mietgesetze und die Wohnsituation hierzulande. „Dabei drehten sie Szenen für einen Dokumentarfilm“, berichtet Dieckhöfer. „Neben anderen europäischen Beispielen soll Koreanern das deutsche Mietrecht erläutert werden, welches sich deutlich von den Verhältnissen in Korea unterscheidet.“ So förderten die Protagonisten bei ihrer Arbeit beiderseits Erstaunliches zu Tage.

Ist doch für Koreaner kaum vorstellbar, dass es neben Mietgesetzen in Deutschland einer Mieterschutzorganisation bedarf, da der Mieter doch bestens geschützt ist und selbst die Miethöhen geregelt sind. „Außerdem bieten zahlreiche Wohnungsgesellschaften günstige Wohnungen für Bedürftige an. In Korea dagegen zahlt man keine monatliche Miete, sondern nur eine Kaution, die etwa 60 bis 80 Prozent des Kaufpreises der Wohnung entspricht.“ Nach dem Auszug erhält der Mieter, berichtet Dieckhöfer, die Kaution unverzinst zurück. „Die Zinsen sind der Gewinn für den Vermieter.“ Problematisch sei einerseits die kurze Laufzeit der Mietverträge (meist maximal zwei Jahre), andererseits das zu geringe Wohnungsangebot in Großstädten wie Seoul.

Erstaunen löste bei den Koreanern der kurze Geschichtsvortrag Dieckhöfers aus, der den Asiaten erklärte, dass schon um 1870 erste Mietervereine entstanden sind. Im Jahr 1900 wurde der erste überregionale Verband, der Bund der Mietervereine, in Leipzig gegründet. Der Mieterbund an der Kaiserstraße ist einer von 350 Vereinen, der die Interessen von Mietern vertritt.

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