Autowracks am Straßenrand

Eine teure Sondernutzung

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Das wird für den letzten Halter teuer. Wer sein abgemeldetes Fahrzeug so stehen lässt, zahlt 120 Euro Bußgeld.

Offenbach - Jahr für Jahr stehen gut 1200 Autowracks auf Offenbachs Straßen und Parkplätzen. Positiv: Nach Bußgeld und Aufforderung ist ein Großteil binnen weniger Tage verschwunden. Danach wird’s teuer... Von Martin Kuhn 

Das  Blech ist verknickt, der Lack stumpf, das Kennzeichen abgeschraubt. Trauriges Ende für den einstigen Liebling auf vier Rädern. Schlüssel abgezogen und auf Nimmerwiedersehen! Ein solcher Abschied wird teuer. Wer als letzter Halter sein Autowrack so am Straßenrand „parkt“, handelt sich ein saftiges Bußgeld ein: 120 Euro. In aller Regel wirkt das. Sichtbares Zeichen ist ein leuchtendes DIN-A4-Format an der Seitenscheibe: „Aufforderung zum Entfernen eines nicht zugelassenen Kraftfahrzeuges“ ist da zu lesen. Versehen ist das mit etlichen Paragrafen und dem unmissverständlichen Hinweis, den Wagen unverzüglich wegzuschaffen, „spätestens drei Tage nach dem...“ Die Mehrheit kommt dieser Aufforderung nach, weiß der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Frank Weber. Das Amt registriert Jahr für Jahr etwa 1200 illegal abgestellte Autos, gern am Mainuferparkplatz, an der Friedhofstraße, am Händelplatz.

Ein Mitarbeiter kümmert sich verstärkt, aber nicht ausschließlich um solche Vehikel. „70 Prozent dieser Fahrzeuge entdecken wir durch eigene Feststellung“, heißt es aus dem Rathaus. Und die restlichen? Meist sind es aufmerksame Bürger, die im Ordnungsamt anrufen, aber auch Polizei und Quartiersmanagement melden abgemeldetes Blech. Mit Verpetzen oder Anschwärzen hat das in den Augen von Frank Weber wenig zu tun. Es ist für ihn vielmehr dem Umstand geschuldet, „dass gerade in der Innenstadt Parkplätze äußerst rar sind“.

120 Euro Bußgeld

Dabei macht die Verwaltung feine Unterschiede. Solange ein Fahrzeug ordnungsgemäß angemeldet ist, also Steuergelder fließen, darf ein Auto grundsätzlich auf einer Abstellfläche stehen – selbst monatelang unbewegt. Fehlen hingegen Kennzeichen oder Siegel, ist es umgehend eine „unerlaubte Sondernutzung“. Und die kostet besagte 120 Euro Bußgeld. Im vergangenen Jahr wirkte das meist. Lediglich 45 Mal musste die Stadt solche Schrottkisten abschleppen lassen. Aber Vorsicht! Bis es soweit ist, kann es für den (ausfindig gemachten) Verursacher sehr schnell um einen vierstelligen Betrag gehen. Grund: Nach einem Monat wird aus dem abgestellten Fahrzeug gemäß Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrWG) sozusagen über Nacht Abfall. Und da sich dieser nicht auf einer „zugelassenen Abfallentsorgungsanlage“ befindet, beträgt das Bußgeld 1000 Euro – oder mehr.

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Zumindest den Schlepper zahlt zunächst die Stadt, respektive der Steuerzahler. Die Verwaltung sei jedoch äußerst hartnäckig, um die Auslagen wieder reinzuholen. Ein Zuschussgeschäft ist die Entsorgung nicht. Die Bußgelder summieren sich 2013 in Offenbach auf etwa 16 500 Euro, dem stehen Sachkosten (Abschleppen, Verschrotten) in Höhe von gut 3 500 Euro gegenüber. Nicht eingerechnet sind die Personalkosten – und zumindest eine gewisse zeitliche Kulanz. Weber: „Wir müssen wirtschaftlich denken. Es ist noch in Ordnung, wenn’s ein, zwei Tage länger dauert, bis der Eigentümer aktiv wird.“

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Einfallsreich oder schlicht gelogen

Aber so weit muss es eigentlich gar nicht kommen. So ist bei der Autoverwertung Fröhlich „die Altautoentsorgung je nach Fahrzeugtyp und -alter gegebenenfalls kostenlos“. Die geschäftsführende Inhaberin Anja Fröhlich sagt: „Kosten fallen nur an, falls der Wagen ausgebrannt oder vordemontiert ist.“ Eine Gebühr wird zudem für gasbetriebene Fahrzeuge fällig. Am Lämmerspieler Weg ist jedenfalls die fachgerechte Verwertung und Entsorgung aller Fraktionen wie Metalle, Flüssigkeiten, Kunststoffe, Glas oder Reifen garantiert.

Meldungen über illegale abgestellte Autowracks nehmen die Müllermittler entgegen unter Tel.: 069 8065-4747.

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