Nichts für Faulenzer

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Sie haben den neuen Studiengang vorgestellt: Jürgen Amberger, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung (links), Dr. Matthias Schulze-Böing vom Amt für Arbeitsförderung (rechts), Oberbürgermeister Horst Schneider (3.v.l.) sowie die Vertreter der Berufsakademie (v. l.): Die Professoren Peter Scharf und Thomas Bürkle sowie BA-Geschäftsleiter Mark Moser.

Offenbach ‐ Drei Jahre Studium und damit gleichzeitig drei Jahre Berufserfahrung. Junge Leute, die so etwas vorzuweisen haben, müssten eigentlich der Traum jedes Chefs sein. Von Matthias Dahmer

Das hofft man auch bei der Hessischen Berufsakademie (BA). Die private Einrichtung, die sich als Alternative zur staatlichen Hochschule versteht, bietet von September an in Offenbach den berufs- und ausbildungsbegleitenden Studiengang „Bachelor of Engineering“ an. Will heißen: Ab dem Wintersemester können dort Schulabgänger, die Abi oder Fach-Abi und einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen aus der Region in der Tasche haben, ein Ingenieurstudium beginnen. Auch Berufstätige ohne Fachhochschulreife, dafür aber mit Techniker- oder Meisterqualifizierung, können sich einschreiben.

Das Studium geht über sechs Semester, mit den Schwerpunkten Elektrotechnik, Maschinenbau oder Mechatronik. Pro Monat ist eine Gebühr von 375 Euro fällig, die - so die Erfahrung in anderen Bundesländern - per Ausbildungsvertrag von den Unternehmen übernommen wird.

Insgesamt 5.600 Stunden Unterricht

Der Vorteil des Dualen Ingenieurstudiums, sagt BA-Geschäftsleiter Mark Moser, liegt in der Kombination aus betrieblicher Ausbildung und Studium. Das ist nichts für Faulenzer. Konkret sieht der Alltag im neuen Offenbacher Studiengang nämlich so aus: Die Studierenden sind vier Tage in der Woche im Betrieb, freitags und samstags, jeweils von 8.30 bis 15.45 Uhr, ist das Pauken für den Bachelor angesagt.

Die insgesamt 5 600 Stunden Unterricht während der sechs Semester gliedern sich wiederum in Praxis und Theorie. Erstere läuft bei Kooperationspartnern, die über geeignete Geräte verfügen, wie etwa die Gewerblich-Technischen-Schulen in Offenbach oder auch die Firma Pittler in Langen. Der theoretische Teil wird im Gründerzentrum Ostpol sowie in Räumen am Klinikum gelehrt, wo es seit nunmehr drei Jahren eine ähnlich strukturierte Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie mit mehr als 200 Studenten gibt.

So viele sind es im ersten Jahrgang des neuen BA-Studiums mit Sicherheit nicht. Geschäftsleiter Moser geht davon aus, dass man mit 15 bis 20 Leuten starten kann. Acht Anmeldungen, vorwiegend von Interessenten für den Schwerpunkt Maschinenbau, liegen bereits vor.

Konzipiert wurde der Studiengang auf Initiative der Stadt. In Gesprächen mit Unternehmen, so Offenbachs Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger, wurde immer wieder deutlich, dass in der Region ein Mangel an Ingenieuren herrscht. „Wir haben gemerkt, da ist ein Markt.“

Weitere Informationen zum neuen Studiengang „Bachelor of Engineering“ in Offenbach stehen im Internet auf der BA-Seite. Weitere Fragen beantwortet auch BA-Geschäftsleiter Mark Moser, der unter Tel. 069/247022-12 oder mark.moser@ba-offenbach.de. zu erreichen ist.

Um den Engpass zu überwinden, haben in einem nächsten Schritt Stadt und Hessische BA mittels eines von der EU geförderten Pilotprojekts die Situation auf dem Arbeitsmarkt analysiert sowie Lehr- und Lernziele entwickelt, die sich eng am Bedarf der regionalen Wirtschaft orientieren. Matthias Schulze-Böing vom Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration bezeichnet den neuen Studiengang als anspruchvolles und komplexes Vorhaben, mit dem bildungspolitisches Neuland betreten wurde und das es in dieser Form in der Region noch nicht gibt.

Oberbürgermeister Horst Schneider nannte den Start des BA-Angebots eine „gute Botschaft“ und einen Schritt, um die Stadt zukunftsfähig zu machen. Aufgrund der engen Verzahnung von betrieblicher Ausbildung und Studium sieht er es als „echte Alternative“ auch für jene an, die eher aus „bildungsfernen Schichten“ kommen.

Die Bachelor-Abschlüsse der Hessischen BA werden in nahezu allen Bundesländern gleichrangig mit Abschlüssen von Hochschulen behandelt. BA-Absolventen sind daher in den meisten Fällen zu einem aufbauenden Master-Studium und einer späteren Promotion berechtigt.

Die Hessische Berufsakademie gibt es seit 20 Jahren. Träger der gemeinnützigen GmbH ist die Stiftung „BildungsCentrum“ der Wirtschaft, der insgesamt acht Bildungseinrichtungen angeschlossen sind.

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